Leseprobe Dr. Karsten Fabian           

Begleiten Sie Dr. Fabian zu einem spannenden Fall um eine verzweifelte junge Mutter!
Diese Leseprobe stammt aus dem Roman „Dr. Karsten Fabian“, Band 8


Dr. Fabian und das verheimlichte Baby
Ergreifender Roman um die Verzweiflung einer jungen Mutter

...
„Das Baby hat eine Steißlage“, sagte Dr. Fabian in diesem Moment zu Schwester Bernhardine. Auf seinen Anruf hin war sie sofort gekommen, um ihm bei der Gebärenden beizustehen. „Das wird dauern. Ich habe der Patientin eine Spritze gegeben, damit die Presswehen zurückgehen. Wir müssen abwarten, bis sich das Kind gedreht hat.“
Bernhardine warf einen Blick auf die junge Frau. Sie hatte vor Erschöpfung die Augen geschlossen. „Wird ihr nur gut tun, wenn sie sich etwas erholen kann“, sagte sie halblaut. „Wo kommt sie denn her? Die ist doch nicht von hier?“
„Keine Ahnung. Sie stand plötzlich vor der Tür. Sicher war sie unterwegs und ist von den Wehen überrascht worden.“
Das Telefon begann zu läuten. Dr. Fabian eilte in den Nebenraum und meldete sich.
„Dr. Fabian, mein Mann ist von der Leiter gefallen“, hörte er eine aufgeregte Frauenstimme. „Jetzt hat er Schmerzen an der Schulter. Können Sie vorbeikommen?“
Der Landarzt ließ sich Namen und Adresse geben. „Ich muss zu einem Notfall“, meldete er der Hebamme. „Ich komme so schnell zurück, wie ich kann. Sie müssen hier so lange allein die Stellung halten.“
„Mach ich, keine Sorge, Doktor. Das hier dauert ja noch.“
Karsten nahm seine Tasche und brauste los. Der Verunglückte wohnte im Neubaugebiet. Mit dem Wagen war Dr. Fabian rasch an der angegebenen Hausnummer. Alfons Burk saß in der Wohnstube auf einen Stuhl.
„Tut mir leid, Sie am Wochenende stören zu müssen“, sagte er schwerfällig. „Aber ich habe ja nur am Wochenende frei, um die Hauswand zu streichen.“
„Vielleicht seilen Sie sich das nächste Mal besser an“, scherzte Dr. Fabian. „Und machen Sie sich um meinen freien Tag nur keine Sorgen. Den habe ich sowieso nicht. Bei mir in der Praxis wartet noch eine werdende Mutter auf mich. Dann wollen wir mal.“ Er untersuchte den Patienten und diagnostizierte einen Schlüsselbeinbruch. „Ob es tatsächlich ein Bruch ist, zeigt erst die Röntgenaufnahme. Frau Burk, darf ich mal telefonieren? Ich muss Ihren Mann im Krankenhaus anmelden und einen Krankenwagen bestellen.“
Die Burks bedankten sich herzlich für sein Kommen. Frau Burk wollte ihm noch einen Kaffee anbieten, aber Dr. Fabian hatte es eilig, in die Löwenvilla zurückzukommen. Wenn sie Glück hatten, regelte die Natur die Steißlage des Kindes. Wenn nicht, kam nur noch ein Kaiserschnitt infrage. Doch solange Bernhardine über die Kreißende wachte, machte sich Karsten keine übertriebenen Sorgen. Sie war eine tüchtige und sehr erfahrene Hebamme. Und sie hatte schon unzähligen Kindern geholfen, das Licht der Welt zu erblicken.
Nachdem er sich in der Praxis die Hände desinfiziert hatte, sah Karsten erneut nach der Kreißenden.
„Tief durchatmen“, hörte er Bernhardine sagen. „Entspannen Sie sich.“
Die Frau wimmerte und stöhnte. Ihre Stirn war mit Schweiß bedeckt, und ihr Atem ging stoßweise. Es war keine leichte Geburt. Immerhin stellte Dr. Fabian bei der Untersuchung fest, dass sich das Kind gedreht hatte. Sie konnten aufatmen. Vielleicht ging es ohne Kaiserschnitt über die Bühne.
Eine Stunde verging, eine zweite. Dr. Fabian und Bernhardine bemühten sich nach Kräften, der Frau die Geburt zu erleichtern. Der Abend dämmerte bereits, als endlich der erste Schrei des Neugeborenen ertönte. Schwester Bernhardine lachte übers ganze Gesicht, als sie das Baby auf dem Arm hielt. Es war für sie immer noch ein Wunder, wenn ein neuer Mensch das Licht der Welt erblickte.
Dr. Fabian untersuchte das Baby gründlich. Es war ein prächtiges Mädchen von dreieinhalb Kilo. Mit dem Baby auf dem Arm trat Bernhardine ans Bett der jungen Mutter.
„Herzlichen Glückwunsch, Frau Maier“, sagte sie herzlich. „Sie haben eine gesunde, prächtige Tochter bekommen.“
Bernhardine war es gewohnt, dass die jungen Mütter es meistens nicht abwarten konnten, bis sie ihr Baby im Arm hatten. Da waren Schmerzen und Mühsal der vergangenen Stunden rasch vergessen. Herzergreifend war es mit anzusehen, wie sich die jungen Mütter immer freuten. Und wenn ihnen die Freudentränen nur so über die Wangen kullerten, musste Schwester Bernhardine immer mit weinen und schämte sich ihrer Tränen nicht.
Doch die fremde junge Frau streckte nicht sehnsüchtig die Arme nach dem Kind aus. Sie hatte die Augen fest geschlossen. Richtig zugekniffen hat sie ihre Augenlider. Und schien ganz fest zu schlafen.
„Ob sie ihr Kind nicht mal halten will?“, murmelte Bernhardine enttäuscht.
„Sie wird zu erschöpft sein“, entgegnete Dr. Fabian tolerant. „Sie hat ja auch einiges mit durchmachen müssen in den letzte Stunden. Lassen wir sie ein wenig schlafen.“
Männer sehen das eben anders, dachte Bernhardine. Sie fühlte sich, als hätte man sie um einen glücklichen Moment betrogen. Eigentlich war es ihr höchst selten passiert, dass eine junge Mutter einfach nach der Geburt einschlief. Und meistens machten doch alle das Gleiche durch, auch wenn es die ein oder andere mal schwerer hatte. Also legte sie das Baby ins Bettchen, versorgte die Wöchnerin und fuhr nach Hause. Sie wollte zu Abend essen und dann noch einige Sachen holen, die sie für die Nacht brauchte.
Heute wollte sie in der Praxis der Löwenvilla übernachten, was sie nicht zum ersten Mal tat. Für solche Fälle stand immer ein kleiner Raum mit einer Schlafcouch bereit. Schließlich konnten Mutter und Kind ja nicht allein bleiben. Es konnten ja immer Komplikationen eintreten.
Nachdem sich Bernhardine davon überzeugt hatte, dass Mutter und Kind fest schliefen, konnte sie an ihre eigene Ruhe denken. Sie schmökerte noch ein bisschen, dann fielen ihr auch schon die Augen zu.
Erst als der Morgen graute, wurde Bernhardine durch leises Babygeschrei geweckt. Sie warf sich den Morgenmantel über und eilte hinüber ins Krankenzimmer. Doch schon auf der Schwelle blieb sie wie erstarrt stehen, denn das Bett der frischgebackenen Mutter war leer. Durch das geöffnete Fenster strömte die kühle Morgenluft.
Das Baby schrie jetzt lauter. Bestürzt blickte Bernhardine sich um. War die junge Mutter vielleicht auf die Toilette gegangen? Dann schüttelte sie den Kopf, denn auch die Kleidung, die über dem Stuhl gehangen hatte, war fort. Und ihre Tasche.
Ein eigenartiges Gefühl beschlich Bernhardine. Hier stimmte doch etwas nicht. Unruhe breitete sich in ihr aus. Wieso stand das Fenster offen? Sie war sich ganz sicher, es geschlossen zu haben.
Plötzlich entdeckte sie das Blatt Papier auf dem Boden. Der Wind mochte es vom Nachttisch geweht haben. Sie hob es auf und überflog die wenigen Zeilen. Und dann traf es sie wie ein Schlag. Sie brauchte sich nicht mehr nach Anna Maier umzusehen. Sie war fort und hatte ihr Baby zurückgelassen ...



Top

Sie interessieren sich für unsere aktuellen Meldungen? Hier finden Sie die neuesten Informationen rund um unsere Verlagsprodukte.
mehr ...
 
Besuchen Sie die Foren zu unseren Themenwelten und tauschen Sie sich mit anderen Lesern und Gleichgesinnten aus.
mehr...
Content Management by InterRed