Leseprobe Sternenfaust           

Diese Leseprobe stammt aus Band 78 "Der Flug der Phoenix" der Serie Sternenfaust, geschrieben von Alfred Bekker.
Das golden schimmernde Metall der pyramidenförmigen Schiffswände platzte auseinander, nachdem sich ein wie aus dem Nichts kommender greller Strahl ins Innere des Schiffes hineingefressen hatte.

Eine unglaubliche Wendigkeit und Schnelligkeit zeichnete die angreifenden Objekte aus.

„Wollen Sie Ihren Entschluss, diese Objekte nicht unter Feuer zu nehmen, tatsächlich aufrechterhalten, Captain?“, meldete sich Waffenoffizier Lieutenant Commander Robert Mutawesi beunruhigt zu Wort.
Captain Dana Frost antwortete nicht sofort, sondern blickte nachdenklich zum Panaroma-Bildschirm auf der Brücke der STERNENFAUST. Der Bildausschnitt fing gerade ein, wie eines der letzten flüchtenden Schiffe der Hestan-Föderation Baraskor explodierte. Es sah ganz so aus, als wären diese merkwürdigen Kugelraumer auf der Seite der STERNENFAUST. Die Schäden auf dem Soner-Einsatzkreuzer waren immerhin durch den Angriff der ominösen Hestan-Föderation Baraskor und ihrer pyramidenförmigen Schiffe entstanden – die durch die immer noch feuernden Kugelobjekte mittlerweile vor den Augen von Captain Frost und den anderen Besatzungsmitgliedern jetzt völlig aufgerieben wurde.
Dass Mutawesi der Stillhalte-Befehl des Captains von Anfang an nicht behagt hatte, war ihm die ganze Zeit über anzusehen gewesen. Seine Finger zuckten nervös auf der Kante seiner Konsole. Abgesehen von Gauss 3, das von den Strahlenschüssen der Hestan-Schiffe völlig zerstört worden war, waren nach wie vor alle anderen Geschütze feuerbereit.

Wie die Analysen von Stephan van Deyk allerdings gezeigt hatten, waren die Waffen der Kugelobjekte mindestens ebenso wirkungsvoll. Sonst wäre es wohl auch kaum möglich gewesen, dass diese Drohnen die Baraskor-Hestan jetzt so rasend schnell ausschalteten.

Und dabei gingen sie erbarmungslos vor.
Eins war klar: Wenn sie das gewollt hätten, wäre die STERNENFAUST längst aus dem All gepustet worden.

„Mein Befehl bleibt in Kraft, Lieutenant Commander“, bestimmte Dana Frost jetzt. „Diese Kugelobjekte haben bisher nicht das Feuer auf uns eröffnet und ich schätze unsere Überlebenschance als wesentlich höher ein, wenn es gar nicht erst zu einem Gefecht kommt!“

„Immerhin gibt das vielleicht unserem Plasma-Schirm die Gelegenheit, sich ein bisschen zu erholen“, sagte van Deyk. „Und wir könnten die Hüllenbrüche in der Schiffswand wenigstens ordentlich versiegeln.“
„Mehr als einen Schuss aus diesen Energiewaffen würde der Plasma-Schirm ohnehin nicht aushalten“, warf Mutawesi düster ein.
„Ich nehme an, dass es sich um Drohnen handelt“, meldete sich Ashley Briggs zu Wort. Der Ortungsoffizier der STERNENFAUST befand sich an seiner Konsole und blickte mit angestrengtem Gesicht auf die Anzeigen seines Displays. Hin und wieder tippte er mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf dem Touchscreen herum. „Ansonsten müssten die Insassen dieser Schiffe wahre Zwerge sein.“
„Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass wir auf vollautomatische Verteidigungssysteme der Toten Götter oder ihrer Hilfsvölker stoßen“, kommentierte Frost.

„Das ist wahr – und Form und Materialbeschaffenheit weisen Gemeinsamkeiten mit den Objekten auf, die uns im Heptagon-System begegneten. Nur die Größe weicht erheblich ab. Diese sind viel kleiner und wendiger. Aber mit Sicherheit können wir das nicht sagen, auch wenn Größe und Materialbeschaffenheit das vermuten lassen. Außerdem scheinen sie über ein höheres Energielevel zu verfügen. Jedenfalls sind ihre Strahlenwaffen stärker als alles, was uns bisher in dieser Hinsicht begegnet ist!“

„Aber Hinweise auf Technologie der Toten Götter gibt es schon, oder?“
„Leichte 5-D-Emission“, erklärte van Deyk. „Nichts, was uns beunruhigen müsste. Und außerdem auch in einem anderen Frequenzbereich als es bei unseren bisherigen Begegnungen mit Hinterlassenschaften der Erhabenen der Fall war.“
„Warum sollten nicht verschiedene Varianten der Tote-Götter-Technologie existiert haben“, meldete sich nun Bruder William zu Wort. Der Christophorer-Mönch und wissenschaftliche Berater der STERNENFAUST-Crew war über Interkom aus Kontrollraum C zugeschaltet, von wo aus er zusammen mit Professor Yasuhiro von Schlichten seine Analysen durchführte. „Bei einer Zivilisation, die möglicherweise über für uns unvorstellbar lange Zeiträume hinweg eine herausragende Rolle in diesem Teil des Universums gespielt hat, wäre die Wahrscheinlichkeit für einen hohen Reichtum an Varianten sehr groß…“
Auf der Positionsanzeige war jetzt zu erkennen, dass die Objekte sich zu zwei Formationen regelmäßiger Siebenecke zusammenfanden.
Rudergänger John Santos schaltete die Positionsanzeige auf einen größeren Zoomfaktor, sodass nun die Lage innerhalb des mehr oder minder chaotisch zu nennenden Subsystems von zahllosen Asteroiden, die den Wloom-Planeten umkreisten, besser deutlich wurde.

„Die Heptagon-Formation kann ja wohl kein Zufall sein“, meinte Santos…



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