Leseprobe Professor Zamorra           

Professor Zamorra bemüht sich, ein rätselhaftes Buch mit 13 Siegeln zu öffnen. Da das Buch eindeutig gefährlich ist, und weil sie ihren Geliebten für nahezu süchtig hält, versucht Zamorras Gefährtin, das Buch zu verstecken oder - noch besser - zu vernichten.
Diese Leseprobe stammt aus dem Roman 'Professor Zamorra', Band 832.

Das Siebte Siegel

In der Mitte des Raumes standen ein Stuhl und ein großer Tisch, auf dem das Buch lag. Beide, Fooly und Nicole, konnten eine düstere Aura spüren, die von ihm ausging. Es war, als sei der Bereich um das Buch herum irgendwie dunkler als der Rest des »Zauberzimmers«.
Das Buch war geöffnet.
Natürlich, denn erst gestern noch hatte Zamorra sich damit befasst und ein weiteres Siegel zu öffnen versucht. Es war ihm nicht gelungen.
Nicole trat an das Buch heran. Sie fühlte Unbehagen in sich aufsteigen, das immer stärker wurde. Sie sah zu Fooly hinüber. Der Drache grinste nicht mehr, sondern war sehr ernst geworden.
»Was jetzt, Mademoiselle Nicole?«, fragte er.
»Ich versuche das Buch zuzuklappen und vom Tisch zu nehmen«, sagte sie. »Pass auf mich auf, bitte – ja? Kannst du etwas spüren? Eine fremde Magie?«
Fooly zögerte. Es dauerte fast eine Minute, bis er antwortete. »Ich bin mir nicht sicher. Aber wenn ich etwas spüre, werde ich versuchen, es zu blockieren, damit es nicht auf dich übergreift.«
Sie nickte. Dann trat sie direkt an den Tisch, sodass sie ihn berührte.
Sie streckte die Hände aus, bekam die Umschlagdeckel des Buches zu fassen und lupfte sie an. Es gelang ihr erstaunlich leicht; sie hatte damit gerechnet, dass die Buchdeckel wie festgeklebt an der Tischplatte hafteten und sich ihrem Versuch, sie zu lösen, widersetzten – in welcher Form auch immer.
Mit einem schnellen Ruck klappte sie das Buch zu – und ließ es sofort los.
Sie schloss die Augen, lauschte. Fooly sagte nichts. Es gab auch sonst kein Geräusch, das darauf hindeutete, dass etwas geschah. Als Nicole die Augen wieder öffnete, war das Buch immer noch zu. Dabei hatte sie befürchtet, dass sich das Buch von selbst wieder aufschlug.
»Ich werde es jetzt an mich nehmen«, sagte sie.
»Ja«, presste Fooly hervor.
Nicole griff wieder nach dem Buch, hob es von der Tischplatte. Es war nicht so schwer, wie sie gedacht hatte. Tief atmete sie durch und trat zurück. Die dunkle Aura schien stärker geworden zu sein. War das die Art, wie sich das Buch wehrte?
»Ich gehe jetzt hinaus«, sagte Nicole.
»Ja«, wiederholte Fooly. »Sei vorsichtig! Etwas Böses tastet nach dir. Aber ich haue ihm auf die Finger.
Nicole nickte. Sie wusste, dass sie sich auf Fooly verlassen konnte. Seine Tollpatschigkeit, die er stets zeigte, war nur Show. In Wirklichkeit war er ganz anders. Konnte ganz anders sein, wenn er wollte. Und jetzt wollte er nicht nur, jetzt musste er!
Wieder hielt er Nicole die Tür auf. Sie trug das große Buch aus dem »Zauberzimmer« auf den Gang. Wieder folgte ihr der Jungdrache. Er bewegte sich bedächtiger als sonst, war voll konzentriert.
Nichts hielt sie auf, nichts griff sie an.
Es konnte doch nicht so einfach sein! Es >musste< doch irgendwas passieren! Es war unvorstellbar, dass sich das Buch einfach so entfernen ließ. Als sie versucht hatte, es mit dem Dhyarra-Kristall zu zerstören, endete dieser fehlgeschlagene Versuch in einem totalen Desaster.
Aber vielleicht lag es daran, dass es begriffen hatte, dass es zerstört werden sollte! Das war diesmal nicht der Fall. Es sollte nur fort von hier, ohne jeglichen Zerstörungsakt. Vielleicht blieb es deshalb friedlich.
>Oder Fooly blockierte es mit seiner Drachenmagie.<
Nicole atmete erneut tief durch. Sie setzte einen Fuß vor den anderen. Mit jedem Schritt kam sie der Treppe näher. Und dem Auto…
Aber noch war sie nicht draußen an der Garage, die vor hundert Jahren noch ein Pferdestall gewesen war. Noch befand sie sich im Château.
Fooly blieb wachsam hinter ihr.
Aber auch er konnte nicht verhindern, was im nächsten Moment geschah!



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