Leseprobe "In Adelskreisen"           

Lesen Sie hier eine Leseprobe aus Band 1 der Serie "In Adelskreisen"
Die Frau, die er nicht lieben wollte
Wie ein lebenslustiger Fürst gezähmt wurde.


Fürst Georg trauerte aufrichtig um seine geliebte Mutter. Obgleich sie ihn mit ihrem Testament unter Druck gesetzt hatte, nahm er es ihr nicht übel. Schließlich hatte er dies durch sein Benehmen herausgefordert. Auch wenn ihm die Frist eines Jahres ziemlich kurz erschien, um eine Frau zu finden, die geeignet war, den Titel einer Fürstin Großgründen zu tragen und die Mutter seiner Kinder zu sein.
Es war erstaunlich, wie rasch sich der Inhalt des Großgründener Testamentes herumsprach, obgleich eigentlich nur der Anwalt und der Fürst selbst davon hätten wissen können.
Vielleicht noch Sophia von Schönborn. Aber das unscheinbare Mädchen, das mehr als jeder andere um die Verstorbene trauerte, war garantiert verschwiegen.
Knappe drei Monate nach der prunkvollen Beerdigung der Fürstin bat Georg seine entfernte Cousine zu sich ins Arbeitszimmer seiner Mutter, das inzwischen das seine war.
Wohl zum allerersten Mal betrachtete er die ehemalige Gesellschafterin seiner Mutter näher.
Mein Gott! Was war sie für eine unglückliche Erscheinung! Wie hatte Mama es nur ertragen, so jemanden ständig um sich zu haben? Na ja, er brauchte sie Gott sei Dank nicht ständig anzusehen. Doch wie er inzwischen festgestellt hatte und auch von den Leitern seiner Betriebe wiederholt bestätigt bekommen hatte, war Sophia sehr tüchtig, fleißig und erstaunlich kompetent. Da musste man wohl beide Augen zudrücken.
„Setz dich, Sophia.“ Du liebe Zeit, weshalb wurde sie jetzt rot? „Ich muss einiges mit dir besprechen. Meine Mutter hat dich sehr geschätzt. Sie bat mich, dich aufzufordern, auch in Zukunft auf Großgründen zu bleiben und wie bisher die Verwaltung der Liegenschaften zu kontrollieren.“
„Oh – wie gut von ihr! Wenn du meinst – ich meine – du hast doch das alles gelernt … und …“, stammelte Sophia. Sie war glücklich, weil er endlich gesagt hatte, dass sie bleiben sollte.
„Schon gut.“ Man konnte ihr ja kaum zuhören. „Es ist der Wunsch meiner Mutter. Freilich, um etwas möchte ich dich bitten.“
„Ja, Georg.“
„Du weißt ja noch gar nicht, um was“, sagte er und lachte ärgerlich.
„Nein …“ Sie brach verwirrt ab.
„Könntest du dich nicht ein bisschen anders kleiden? Du hast doch ungefähr die Gestalt meiner Mutter. Schau mal, was du unter ihren Sachen findest. Du brauchst nicht extra zu kommen und mich zu fragen, ob es mir recht ist. Es ist mir recht. Was du nicht willst, kann man nach deinem Gutdünken verschenken. Bitte, frage mich nicht!“
„Ja, Georg“, erwiderte sie beschämt.
„Meine Mutter hat dich sehr geschätzt. Deshalb hat sie in ihrem Testament auch bestimmt, dass du zur Erinnerung an sie ein Schmuckstück bekommen sollst.“ Er schob ihr eine Schatulle hin, die er erst diesen Morgen aus dem Safe geholt hatte.
Von den prächtigen Juwelen seiner Mutter passte, seiner Ansicht nach, gar nichts zu dieser verhuschten Maus, aber da es nun mal so bestimmt und er nicht kleinlich war, entschloss er sich, Sophia eine sehr kostbare Orient-Perlenkette mit einem Brillantschloss zu schenken. Perlen passten zu allem und jedem, auch wenn es beinahe schade um die Kette war.
„O mein Gott, diese wundervolle Kette, Georg, danke!“ Sophia war so überwältigt, dass ihr die Tränen kamen. Nur mit Mühe unterdrückte der Fürst seine Ungeduld.
„Ich denke, du kennst den Wortlaut des Testaments?“, wechselte er schnell das Thema, um weiteren Dankworten zu entgehen.
„Ja. Du meinst die Heirat?“, hauchte Sophia.
Wie ihre Art zu reden ihn nervte!
„Stimmt. Mama hat mir nicht viel Zeit gelassen.“ Er lächelte unwillkürlich. „Ich werde also Umschau halten unter den Töchtern des Landes. Ich weiß nicht, wer da infrage kommt. Könntest du nicht eine Liste für mich aufstellen? Dann laden wir sie der Reihe nach ein. Also: Sie muss aus einer tadellosen Familie stammen, gut aussehen, intelligent, unterhaltend und elegant sein. Geld spielt keine Rolle, obgleich es natürlich kein Hindernis wäre. Ich würde es begrüßen, wenn sie wenigstens einige der von mir bevorzugten Sportarten beherrschte: Reiten, Tennis, Skilaufen, Schwimmen, Segeln, Golf – na, du weißt ja, was ich gerne tue.“ Er lachte, weil Sophia ihn so entsetzt ansah. „Tja, meine Liebe, ich fürchte, ich bin im Grunde nicht zur Ehe geboren. Aber es war nun mal der Wunsch meiner Mutter. Und vor allem möchte ich nur sehr ungern mein Vermögen verlieren, selbst wenn es einem guten Zweck zugeführt würde.“
„Man kann auch so Gutes tun. Deine Mutter …“
„Ich weiß. Und ich möchte, dass du dies in ihrem Sinne weiterführst, Sophia. Ich möchte überhaupt, dass du bleibst. Auch wenn ich einmal heirate. Du könntest weiter die Verwaltung beaufsichtigen und später die Erziehung meiner Kinder übernehmen. Natürlich nur, wenn du willst.“
„Danke“, sagte Sophia leise und hätte am liebsten geweint, weil sie so froh war, bleiben zu dürfen. Gleichzeitig war sie unglücklich, weil er in ihr nichts als einen brauchbaren Gegenstand sah.
„Wann denkst du, dass die erste Einladung steigen kann?“
„Wir könnten diese Einladungen mit den Jagden im November verbinden“, schlug Sophia vor.
„Sehr gut. Wie viele sind vorgesehen?“
„Vier. Jedes Wochenende eine.“
„Hoffentlich sind die ansprechendsten Mädchen da nicht schon vergeben“, überlegte er.
„Ich glaube nicht“, meinte Sophia leise. „Es hat sich herumgesprochen, dass du im Laufe eines Jahres heiraten musst …“
„Du lieber Himmel! Natürlich. Es ist grauenhaft. Da werden sie alle antanzen“, ächzte Georg.
Sophia musste über seine Reaktion lachen.
Erstaunt sah er sie an. Was sie für ein reizendes Lachen hatte! Ganz anders sah sie aus, wenn sie sich mal nicht vor Verlegenheit innerlich krümmte.



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