Leseprobe G-man Jerry Cotton           

Seit über fünfzig Jahren begeistert der Special Agent Jerry Cotton seine Leser. Gemeinsam mit seinem Partner Phil Decker bekämpft er das Verbrechen in New York.
Diese Leseprobe stammt aus dem Roman 'G-man Jerry Cotton', Band 2.600.

Das Phantom
Ein Albtraum senkt sich über New York - und wir sind machtlos dagegen

Wir standen auf dem Dach des FBI-Buildings. Das waren neben Mr High noch Phil und ich. Wir hatten die Ehre, das Begrüßungskommando spielen zu dürfen. Der eiskalte Wind zauste unsere Haare und ließ uns frösteln. Über den Wolkenkratzerdschungel Manhattans hinweg schaute ich in den grauen Himmel, der demnächst seine Schleusen öffnen würde.
„Da vorne, etwas links vom Empire State Building, auf halber Höhe…“ Ich hatte den kleinen, schwarzen Punkt zuerst erspäht und zeigte mit ausgestrecktem Arm auf ihn. Er wurde schnell größer und entpuppte sich tatsächlich als der von uns erwartete Helikopter vom Typ Little Bird, wie üblich schwarz lackiert und mit den drei großen gelben Buchstaben drauf.
Der Heli landete ein Stück vor uns exakt in dem dafür vorgesehenen weißen Kreis. Die Glaskanzel öffnete sich. Zwei Passagiere zwängten sich heraus, schüttelten dem Piloten kurz die Hand und eilten dann geduckt unter den wirbelnden Rotorblättern durch. Beim Vorderen handelte es sich um Assistant Director Edward G. Homer. Den zweiten kannte ich nicht. Mr High wohl schon. Dass sich sein überraschter, freudiger Gesichtsausdruck auf Homer bezog, war nicht anzunehmen.
Assistant Director Edward G. Homer, Leiter der Field Operation Section East und damit unser aller Vorgesetzter, sah aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte: groß gewachsen, hager, seltsam weiches Gesicht unter kurz geschnittenen grauen Haaren, leuchtend blaue Augen. Sein langer, dunkler, offen stehender Mantel umflatterte ihn wie ein Segel im Sturm, als der Little Bird sofort wieder abhob und weiterflog. Unter Homers dunkelblauem Anzug schimmerte ein weißes Hemd hervor, die gedeckte Krawatte war, wohl als Folge des Hubschrauberfluges, etwas verrutscht. Als hätte er meine Gedanken gelesen, fasste Homer nach dem Krawattenknoten und rückte ihn in die exakte Position, ohne einen Spiegel parat zu haben. Wow. Wie oft hatte er das wohl schon geübt? An seiner linken Brustseite prangte der FBI-Ausweis. In seiner Linken trug er einen schwarzen Akten-, in der Rechten einen kleinen Kleiderkoffer. Den stellte er hin und begrüßte uns der Reihe nach mit einer Grimasse, die er wohl für ein Lächeln hielt. „Assistant Director High, Agents Cotton und Decker.”
„Willkommen in New York, Sir.”
Während es bei Homer eher ein kühler Händedruck war, schüttelte Mr High dem zweiten Mann herzlich die Hand und berührte ihn mit der anderen sogar am Oberarm. „Hallo George. Das nenne ich eine echte Überraschung. Ebenfalls willkommen im Big Apple. Wie geht es Ihnen?“
Der Mann, von kleiner, schmächtiger Statur, mit grauem Anzug, grauem Hut, hellgrünem Hemd und rotviolett gestreifter Krawatte bekleidet, sah durch seine schmale, randlose Brille fast scheu zu Mr High hoch. „Hallo John. Mir geht’s prächtig, danke. Und Ihnen hoffentlich auch.“ Ein kurzes, verlegenes Lächeln huschte über sein Spitzmausgesicht mit den zu großen Augen und dem zu kleinen Kinn. Dann wandte er sich Phil und mir zu und stellte sich kurz als George P. Manlock vor. Sein Händedruck erwies sich dabei als überraschend fest, ja hart, denn insgesamt machte Manlock den Eindruck eines Weicheis. Auch er trug leichtes Gepäck bei sich.
Homer drängte. So gingen wir alle ins Gebäude und fuhren mit dem Aufzug in den 23. Stock hinunter.
„Ich hoffe, Sie haben bereits alles hergerichtet, so dass wir umgehend beginnen können. Die Zeit drängt“, legte Homer sogleich mit seiner berüchtigten Hektik los. „Ich brauche Listen aller möglichen Ziele und solche von möglichen Tätern. Darüber hinaus…“
„Entschuldigen Sie, Sir“, unterbrach ihn Mr High. „Wir haben von Ihnen bisher lediglich erfahren, dass hier in New York ein spektakulärer Mordanschlag stattfinden soll. Mehr nicht. Das ist ein wenig dürftig für irgendwelche Ziel gerichteten Aktionen, finden Sie nicht auch, Sir?“
Homer funkelte unseren Chef aus seinen stahlblauen Augen an. „Muss ich Ihnen immer alles vorkauen, High? Ein bisschen Mitdenken hat noch niemandem geschadet. Aber gut, ich werde die nötigen Details nachreichen.“



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