Leseprobe "Jerry Cotton Sonder-Edition"           

Lesen Sie hier eine Leseprobe aus der Romanreihe „Jerry Cotton Sonder-Edition“
Ein teuflischer Plan
„Hallo, Joe!“, sagte ich zu dem alten Henderson, der die Waffenkammer des New Yorker FBI verwaltet. „Phil und ich, wir brauchen etwas Besonderes. Eine Waffe mit kleinem Kaliber.“
„Wozu?“
„Wir müssen einen steckbrieflich gesuchten Mörder aus einem überfüllten Lokal herausholen. Wenn er uns zwingt, von der Waffe Gebrauch zu machen, müssen unsere Geschosse in seinem Körper stecken bleiben. Damit niemand verletzt wird, der zufällig hinter ihm steht.“
Joe nickte und verschwand zwischen den hohen Regalen seines Waffenlagers. Mit zwei kleinen Revolvern kam er zurück.
„Bis auf zwanzig Schritt sind die Dinger zuverlässig.“
„Das ist das Richtige für uns“, sagte mein Freund Phil Decker.
Joe lud die Waffen, während ich sie im Ausgabebuch quittierte. Nachdem auch Phil unterschrieben hatte, winkten wir Joe zu und verließen die Waffenkammer.
Mein roter Jaguar stand im Hof des FBI-Gebäudes. Schweigend stiegen wir ein. Ich klemmte mich hinters Steuer und startete den Wagen. Wir fuhren durch die Ausfahrt und dann nach Süden in Richtung Bowery.
Wir ließen den Jaguar ein kurzes Stück vor dem Restaurant stehen und gingen zu Fuß weiter. Um kein Aufsehen zu erregen, trennten wir uns, denn auch der dümmste Tramp weiß, dass Detectives nur zu zweit in die Bowery, in die übelste Straße der Downtown von Manhattan, kommen.
Bettler, Tramps und Trunkenbolde lagen in der Sonne und schnarchten. Obwohl es früher Vormittag war, torkelten andere auf der Suche nach einer Kneipe umher, in der sie noch einen Schluck Fusel auf Kredit bekamen.
Der Patrolman Nummer 3421 stand vor einem Obstkarren und unterhielt sich mit dessen Besitzer.
Ich ging an dem Polizisten vorbei und streifte ihn leicht mit dem rechten Ellenbogen. Ungefähr zehn Schritte weiter betrat ich einen dunklen Hauseingang. Niemand war zu sehen. Ich brauchte nur wenige Augenblicke zu warten, bis der Polizist auftauchte. Ich zeigte ihm meinen Ausweis. Der Patrolman nickte.
„Ist er noch drin?“, fragte ich leise.
„Ja, Agent“, flüsterte er.
„Sind Sie ganz sicher, dass es Duff Cool ist?“
„Ja, Agent. Ich habe das Bild auf dem Steckbrief gut im Gedächtnis. Dass Cool es wagt, sich an eine Theke zu stellen, finde ich allerdings überraschend.“
„Beschreiben Sie mir das Innere des Lokals!“
Er tat es. Dann ließ ich mir schildern, wo Duff Cool in dem Augenblick gestanden hatte, als der Polizist ihn zufällig entdeckt hatte.
„Okay“, murmelte ich. „Das wär's wohl. Warten Sie hier zwei Minuten, bevor Sie auf die Straße treten.“
Ich verließ den Flur.
Aus einem geöffneten Fenster auf der gegenüberliegenden Straßenseite hallte die Stimme eines Radiosprechers. Er verkündete, dass es in New York genau zwölf Uhr mittags sei.




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