Leseprobe "John Sinclair Classics"           

Lesen Sie hier eine Leseprobe aus unserer Grusel-Serie John Sinclair Classics
"Die Nacht des Hexers"
Mitternacht

Fast im Schritttempo rumpelte ein uralter Lieferwagen über den holprigen Feldweg. In dem kleinen Führerhaus saßen drei Männer.
Der Mann am Lenkrad war Professor Ivan Orgow. Mit dunklen, tief in den Höhlen liegenden Augen starrte er in die Nacht, die nur vom Licht der beiden Scheinwerfer spärlich erhellt wurde.
Ivan Orgows Gedanken konzentrierten sich voll auf die vor ihm liegende Aufgabe. In seinen Augen flackerte es, als er daran dachte, welche Macht er besaß.
Er, Ivan Orgow, hatte Macht über die Toten. Eine grauenvolle, unheimliche Macht. Noch in dieser Nacht würde ein Toter ins Leben zurückkehren.
Die beiden Männer neben ihm konnten nicht mehr klar denken, waren nicht mehr Herr über sich selbst. Professor Orgow hatte sie hypnotisiert. Sie führten nur seine Befehle aus.
Der alte Lieferwagen hatte sein Ziel erreicht. Er stand jetzt vor dem alten, schmiedeeisernen Tor des Friedhofs.
Professor Orgow löschte die Scheinwerfer. Dann drückte er die Tür auf und sprang aus dem Wagen.
Der Nebel hatte zugenommen. Wie ein Panzer legte er sich auf die Brust und erschwerte das Atmen.
Professor Orgow winkte seinen beiden Gehilfen. Er holte einen Schlüsselbund aus der Tasche und öffnete das primitive Schloss des Friedhoftors.
Es quietschte, als er das Tor aufschob.
Hintereinander huschten die drei Männer auf den Totenacker. Bald hatte sie der Nebel verschluckt. Nur der Lieferwagen stand verlassen an der rissigen Mauer.
Ivan Orgow kannte sich gut aus. Zielstrebig ging er auf das alte, aus dicken Steinen erbaute Trauerhaus zu, das gleichzeitig auch als Leichenhalle diente.
Auch für die schwere Holztür hatte der Professor einen Schlüssel. Er atmete tief durch, als er die Tür aufschloss. Eine seltsame Erregung hatte ihn gepackt. Es war die Erregung dicht vor einem entscheidenden Ereignis.
Orgow verharrte noch. Er konzentrierte seine Gedanken auf das Kommende. Dann drückte er gegen die schwere Tür. Knarrend schwang sie nach innen.
Orgow holte eine Taschenlampe aus der Seitentasche seines langen dunklen Mantels. Er tat einen Schritt in die Leichenhalle und knipste die Lampe an.
Der Lichtstrahl geisterte durch die kleine Halle. Er tastete sich über die Wände, die mit Buchsbaumzweigen geschmückt waren und deren Geruch der Professor wie Balsam aufsog.
Ivan Orgow ließ den Strahl der Lampe weiterwandern. Der kalte Marmorboden der Halle warf das Licht teilweise zurück und zauberte Reflexe auf das graue, eingefallene Gesicht des Professors.
Orgow ließ den Strahl der Lampe bis zur gegenüberliegenden Wand kreisen.
Und da stand das, was er suchte.
Ein Sarg!



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