Leseprobe "Gespenster-Krimi"           

Lesen Sie hier eine Leseprobe aus unserer Gruselreihe "Gespenster-Krimi"
Das Tor zum Jenseits
Bud Singleton saß vor Entsetzen wie zu Stein erstarrt. Die Zigarette, die er sich zur Beruhigung seiner Nerven angesteckt hatte, brannte herunter, versengte seine Finger, sodass er sie mit einem Schmerzensschrei fallen ließ, hastig aufhob und im Aschenbecher zerstieß.
Die Scheibenwischer kämpften erfolglos gegen den niederprasselnden Regen, vermischt mit Hagelkörnern. Durch den dichten Wasserschleier starrte Bud Singleton hinaus auf die Straße, auf der er die Frau gesehen hatte.
War es eine Sinnestäuschung gewesen? Konnte es tatsächlich sein, dass sich ein Mensch in dieses Unwetter wagte? Und wenn ja, weshalb war sie geflohen und nicht zu dem Wagen gekommen, der ihr eine sichere Zuflucht geboten hätte?
Oder befand sich die Frau auf der Flucht, vermutete sie in dem Auto einen Verfolger, der ihr gefährlich werden konnte? Hatte die Frau vielleicht durch einen Schock den Verstand verloren?
Dicht neben dem Kleinwagen zuckte ein mächtiger Blitzstrahl aus den tief hängenden Wolken, erhellte die Hügel, spaltete einen Baum, der in Flammen aufging, die sofort von der niederstürzenden Wasserwand erstickt wurden.
Der Blitz löste die Verkrampfung in Bud Singleton. Er musste dieser Frau helfen, war sein erster impulsiver Gedanke. Wie sollte sie sich in einem solchen Unwetter behaupten, noch dazu so leicht bekleidet!
Dennoch zögerte er, die Hand am Türgriff. Was wusste er über die Frau? Nur, dass sie für Sekunden im Licht der Autoscheinwerfer aufgetaucht war. Er hatte keine Ahnung, woher sie kam und wohin sie gelaufen war. Er kannte die Gegend nicht, hatte keine Taschenlampe bei sich, wusste nicht, ob er sich nahe an einem Abgrund oder einem Moor befand.
Es war eine junge Frau, dachte er verzweifelt. Er hatte ihre schlanke Figur deutlich gesehen, das fein geschnittene Gesicht, das in panischem Schrecken verzerrt war.
„Das fängt ja gut an“, murmelte er, steckte sich mit fahrigen Bewegungen eine neue Zigarette an und streckte die Hand nach dem Zündschlüssel aus. Er zog sie zurück. Das schlechte Gewissen meldete sich.
Wie konnte er weiterfahren, sich in dem Schlosshotel Sherbrook Manor in Sicherheit bringen, während dort draußen eine Frau womöglich um ihr Leben kämpfte – gegen die Naturgewalten und gegen unbekannte Feinde?
Er schloss einen – wie er sich offen eingestand – faulen Kompromiss mit seinem Gewissen. Er startete und drehte den Kleinwagen einmal auf der Stelle im Kreis, indem er geschickt vorwärts und rückwärts manövrierte. Die aufgeblendeten Scheinwerfer bohrten sich durch den Regen, erfassten schwarz schimmernde morastige Wiesen, ansteigende Hänge, vor Nässe glänzende Steinmauern. Keine Spur eines lebenden Wesens.
Mehr konnte er nicht tun, hämmerte sich Bud Singleton ein. Trotzdem setzte er die Fahrt niedergeschlagen und beunruhigt fort.
Eines wusste er jetzt schon. Er würde nicht ruhen, bis er nicht genau wusste, was diese Frau zu ihrer irrwitzigen Flucht durch die Sturmnacht bewegt hatte und was aus ihr geworden war.
...



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