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Hier können Sie eine Antwort zum Thema "14 Der Tiefenmahr" schreiben
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Das Gleichgewicht schrieb:
Nun schreibt also auch Alfred Bekker für Dark Land. Und was macht ein frischer Autor in der Serie als erstes? Sich ein eigenes Stadtviertel ausdenken, inklusive übermächtigen Gegenspieler für die Helden. Unter Twilight City erstreckt sich nun also über mehrere Ebenen die sogenannte Tiefenstadt und mit den Gnomen gibt es eine neue Rasse, von der man zuvor noch nie gehört hat. Ausgerechnet jetzt - in TC passieren eigentlich jede Woche unerwartete Dinge außerplanmäßig „ausgerechnet jetzt“ - erwacht der Tiefenmahr verfrüht aus seinem Schlaf und wird zum Problem für die Stadt. Obwohl das alles sehr ausführlich und interessant erdacht ist, reizt es mich schon lange nicht mehr. Es ist im Grunde immer das gleiche Schema.



Wie ist es anders zu erwarten, Wynn ist persönlich vom Erwachen dieses Wesens betroffen, von dem er zuvor nie gehört hat. Erst einmal eine Bemerkung zur Hauptfigur. Sonst wurde immer gesagt, Wynn muss die Rache am Mörder seiner Mutter als Ziel haben. Sollte er Norek töten, wäre sein nächstes Ziel mit allen Mitteln zurück auf die Erde zu gelangen. Zu seinem Vater, der ihn dringend braucht. Zu seinen Freunden. In sein gewohntes Umfeld. Das war für mich ein nachvollziehbarer und einzig richtiger Gedankengang. Nun ist Norek scheinbar tot. Und Wynn? Der hat mit „seiner Vergangenheit“ abgeschlossen und glaubt, dass es „keine Rückkehr geben wird, niemals“. Was für ein Unfug! Dark Land hat sich mit dieser Werbeverknüpfung zu JS einen schönen Strick gebunden. So einfach lasse ich das den Autoren nicht durchgehen. Wenn man so eine Aktion startet, ist man auch daran gebunden und muss das durchziehen. Dann hätte man Wynn in Band 2 oder so lieber direkt eine Klischee-Amnesie für den Rest der Serie spendieren sollen.

Und es geht mit unglaubwürdigen Gedankengängen des jungen Mannes weiter. Abby ist wieder mal verschwunden. Wie fast immer. Sie unternimmt irgendetwas abenteuerliches ohne das Wissen ihres Vaters und der macht sich Sorgen. Gerade als Journalistin ist das aber auch nicht ungewöhnlich und ihr rebellisches Wesen trägt sein Übriges dazu bei. Ihr Vater ist aber felsenfest davon überzeugt, dass der gerade erwachte Tiefenmahr damit zu tun hat, obwohl es keinerlei Beweise oder Hinweise gibt. Dieses Hineinsteigern ohne Indizien kann ich Sir Roger noch durchgehen lassen. Abbys Mutter hatte ihrerzeit auch Probleme mit dem Vieh und er wird eh als sehr Überprotektiv charakterisiert. Wynn weiß jetzt also, dass seine beste und irgendwie auch einzige Freundin in dieser düsteren Welt vielleicht entführt wurde. Wie reagiert er? „Ach, die ist vermutlich eh schon tot. Und wenn nicht sicher bald. Kann man nichts machen, da ist jede Rettung zu spät.“ Wie Alfed Bekker diese Figur denken lässt ist einfach falsch. Ein großer Kritikpunkt für mich.
Zum Glück lässt er sich eher unwillig überreden, doch nach Abby zu suchen. Und so bestehen die nächsten Kapitel daraus, dass Wynn Orte aufsucht und mit Leuten redet. Bis er nach der Hälfte des Heftes endlich den fähigen Tiefenstadtsöldner Kelbadras findet, der ihn tief in den Untergrund führt.


Aber erstmal geht es mit den Ermittlungen um den Tiefenmahr weiter. Bella und Kajahn müssen ja auch ab und an ihre Auftritte bekommen. Ein Lieutenant Bondy wird von dem Wesen angegriffen und erhält durch dessen Saugnäpfe auf der Brust sein Mal. Zwei Anmerkungen dazu. Wenn das Mal von den Saugnäpfen der Tentakel kommt, müsste dann sein Shirt nicht an der Stelle zerrissen oder so sein und müsste Kahjahn dann nicht aufmerksam werden und das Mal vielleicht sogar entdecken? Außerdem schreibt Alfred erst, dass Infizierte nur den unwidersetzbaren Drang verspüren, in die Tiefe zu steigen und dem Überwesen als haltbare Nahrungsquelle zu dienen. Bondy kann aber plötzlich ganz gezielt formulierte Befehle erhalten und ausführen.



Bis zum Finale hatte der Roman einige mehr oder minder schlimme Widersprüche, spannungsleere Stellen und „mehr vom gleichen DL-Muster“. Aber er war nett geschrieben und hatte auch seine Höhepunkte. Ab der Ankunft in der Speisekammer des Tiefenmahrs versagt die Geschichte für mich leider. Das Hauptproblem gab es schon bei Rafaels Richter-Monster. Wenn man ein so mächtiges Wesen einführt kann man es nicht voll einsetzen, sondern muss es irgendwie einschränken. Sonst wäre das der sichere Tod für die Hauptfiguren. Das ist eine Herausforderung, hier muss man sich etwas glaubhaftes einfallen lassen. Wenn man das nicht tut, bleiben Fragen offen. Man spaziert nun also in die Speisekammer des Übels. Der Tiefenmahr kann mit seinen unzähligen und riesigen Tentakeln Erde wie Stein aufbrechen und theoretisch überall an der Oberfläche zuschlagen. Statt sein Fresschen jetzt mit allen Mitteln zu beschützen und sie aufzuhalten lässt er Wynn und Kelbadras aber machen und hetzt ihnen nur seine zombieartigen Gefangenen auf den Hals. Das ist wie als wäre ich Schäfer und würde bei einem Wolfsangriff meine Schafe auf den Wolf hetzen, damit sie ihn tothammeln, statt Isegrim selbst mit meinem Schäferstab zu verkloppen. Trotzdem könnte das ein zäher Kampf für die beiden werden. Aber ausgerechnet jetzt kommen ihnen unter einer ausführlich aber fadenscheinig begründeten Erklärung die Gnome zu Hilfe. Weil sie einen feindlichen Gnomenstamm abgewehrt haben werden sie nun „als Helden verehrt“ oder so. Außerdem sind diese Gnome ein Kult des Tiefenmahrs, oder so ,und wissen, wie man ihn wieder zur Ruhe betten kann. Man muss ihn einfach nur mit Vampirblut in Berührung bringen. Zufällig hat Kelbadras welches bei sich. Also fix mit einem Gnomenritual einen der Tentakel beschwören, mit einem in Vampirblut überzogenen Dolch ritzen und fertig. Wieder muss ich nachhaken? In all den Jahrhunderten hat der Tiefenmahr doch sicher an der Oberfläche den ein oder anderen Vampir angegriffen. Und dabei ist nie Vampirblut geflossen, das den Tentakel berührt hat? Würde ja schon reichen, wenn ein Blutsauger ihn im Todeskampf mit einem blutigen Finger kratzt.


Mit dem Einschlummern des Wesens erwachen nun auch alle seine hypnotisierten Gefangenen wieder. Also nicht nur Abby – die war natürlich tatsächlich hier – sondern auch alle anderen in der Speisekammer. Eigentlich. Auf die wird gar nicht erst eingegangen, sind ja auch nur namenlose Statisten. Wird dem Groschenheftchenleser eh nicht auffallen. Wenn der Tiefenmahr im Schlaf keine Kontrolle mehr über sein Lebendfutter hat, müsste das doch in früheren Zyklen schon aufgefallen sein. Dann gäbe es Zeugen. Offenbar weiß man ja auch, wo das Monster seine Speisekammer hat. Kelbadras führt Wynn zielgerichtet dorthin. Ich könnte mir über dies und andere Ungereimtheiten weitere Gedanken machen, aber es führt zu nichts. Für mich war das alles total unüberlegt. Alfred musste die Helden irgendwie überleben und Abby erwachen lassen und hat sich halt in seiner Not etwas zurechtgedichtet, das einer genaueren Betrachtung nicht stand hält. Wie gesagt, das Problem mit übertriebenen Gegnern für einen kleinen Fall der Woche. Dass ein berühmter, mächtiger und sehr erfahrener Söldner der Tiefenstadt dann zum Schluss nochmal einfach so überrumpelt und getötet wird ist dann auch nicht mehr der Rede wert.



Man merkt es vielleicht schon. Je länger der Text von mir, desto schlechter üblicherweise die Bewertung. Und hier hatte ich viel zu schreiben.

Eine schlechte Note habe ich in DL lange nicht mehr vergeben. Das hat seinen Grund. Die Serie hat wegen seinem Setting einen konstanten Pluspunkt. Wenn es bei JS solche Mängel in der Geschichte gibt, kann das nur mäßig übertüncht werden. DL gelingt das sehr gut. Die ausgefallenen und fantasievollen Beschreibungen der Tiefenstadt und ihrer Bewohner, die markanten Figuren mit kernigen Sprüchen, das macht trotz allem Spaß. Wieder hat mich das Kino im Kopf gepackt und es gibt deshalb „nur“ eine schlechte Note.

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