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Hier können Sie eine Antwort zum Thema "JS 2045 Der Galgenlord" schreiben
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Das Gleichgewicht schrieb:
Warum vergibt Jason Dark so viele Chancen auf gute Romane? Weil er es sich einfach machen will und jegliche Herausforderung scheut? Die Geschichte beginnt nämlich durchaus interessant. Man hätte ausgezeichnet einen Fall in Nigeria daraus machen können. Waren solche „Reiseromane“ nicht früher eine Sache, die Dark gut beherrschte? Stattdessen erwartet uns ein weiterer trister London-Roman ohne Flair.

Über Dialoge und Logik muss ich wohl nichts mehr schreiben. Mache ich trotzdem, schließlich ist mir das immer wichtig. Die ersten Fragen stellen sich schon in der Eröffnungsszene bei der Hinrichtung. Eine Kuttengestalt befreit Owambo. Und obwohl auf dem Platz bewaffnete kernige Aufpasser stehen, eröffnet niemand das Feuer. Gut, eine Kuttengestalt sieht immer etwas seltsam aus. Aber weder handelt es sich hierbei um einen eindeutigen monströsen Dämon, noch macht der Galgenlord etwas besonderes. Er durchbohrt den Henker lediglich mit einem Stab. Warum verdammt reagiert niemand darauf und die beiden können einfach so davon spazieren?

Danach muss der Polizeichef dran glauben. Seine Haushälterin reist daraufhin nach London, zu ihrem Bruder. Hier gibt es auch die ersten Widersprüche, mit denen der Altmeister sich die Handlung zurechtbiegt. Eigentlich hat die Haushälterin nur ihren toten Chef gefunden, dann heißt es, sie hätte die ganze Hinrichtung beobachtet. Erst ist der Bruder ein Diplomat, plötzlich ist er ein Kollege von Tanner.

Als John und Suko eingeschaltet werden, muss ich wieder sehr kleinlich sein. Es gibt Anschläge in London. Eine Kapuzengestalt wurde in der unmittelbaren Nähe gesehen. Ein Grund, die paranormale Spezialabteilung einzuschalten? Tanner gibt zu, dass er sich selbst nicht so sicher ist, ob es ein Fall für die beiden ist. Werden die Geisterjäger immer hinzugezogen, wenn bei relevanten Ereignissen jemand in einer Kutte gesehen wurde? Gut, ich bin ja schon still.

Der erwähnte Bruder, Akim, soll bei den Nachforschungen helfen. Ohne weitere Informationen eine Kapuzengestalt in London finden. Falls sie überhaupt noch in der Stadt ist. Wäre eigentlich ziemlich unmöglich. Nicht für unsere Helden. Es geht in ein „Viertel das nur von Farbigen bewohnt wurde“. Das besteht dann aber nur aus drei hohen Häusern. Im Mittleren Haus befragt man den Hausmeister, der weiß direkt über die Legende vom Galgenlord Bescheid. Moment, Legende? Wenn der Galgenlord als nigerianische Version des Teufels bekannt ist. Warum haben dann Owambo, der Polizeichef, die Haushälterin, Akim und alle namenlosen Figuren aus diesem Land noch nie von ihm gehört beziehungsweise können mit dem Name nichts anfangen?

Von Owambo weiß man nur, dass er ein Schwarzer mit Glatze ist. Eigentlich genug so unmöglich zu finden, wie eine Kuttengestalt. Zum Glück ist genau in diesem Haus kürzlich ein Schwarzer mit Glatze eingezogen. Da kann man ja mal nachschauen.

John wird aber abgelenkt, da sein Kreuz reagiert. Draußen erscheint die Dimension des Galgenlords mit dem Dämon. Wie praktisch. Akim und Suko überraschen indes den glatzköpfigen Owambo im Haus. Wie praktisch. Jetzt wird aber erstmal gemeinsam aus dem Fenster geglotzt, wie John sich schlägt. Und geredet natürlich.


Nach der ersten Hälfte des Romans also schon ein Finale? Da wollte Dark wohl zu schnell fertig sein, so geht das aber nicht. Mist, also irgendwie die restlichen Seiten ziehen und irgendwas zusammenschreiben.

Die Dimension zieht sich zurück. Dafür wird kurz darauf Owambo übernommen und die Dimension kommt zurück. Ich zitiere an der Stelle den Hausmeister, dem ich vollkommen zustimmen muss. „Dass die beiden nichts tun. Die Bullen stehen da wie Ölgötzen, haben keinen Mumm. So kriegen sie den Galgenlord nie klein.“

Der Galgenlord übernimmt nun völlig überraschend vier Mieter. Diese greifen Akim und den Hausmeister an, die im Gebäude warten, töten sie aber nicht, sondern machen sie nur kampfunfähig. Danach spazieren sie auf die Dimensionswand zu, ohne dass John oder Suko sie aufhalten. Als der Galgenlord das Quartett in seiner Welt hängen will wird endlich die Kreuzformel gerufen. Verdammte Scheiße, ganze zehn Seiten haben John und Suko bei all den Ereignissen nur dagestanden und sie kommentiert, wie zwei Fußballmoderatoren. Ach stimmt, Dark muss ja möglichst viele Seiten schinden, weil er vorher die Handlung zu schnell entwickelt hat.

Die Dimension verschwindet durch die Kreuzformal also schon wieder. Owambo ist noch hier und erblindet. Also erstmal zurück ins Haus und reden. Da, Schreie! Einer der übernommenen Mieter baumelt in einer Schlinge vor dem Haus an einer Teppichstange. Er kann aber noch gerettet werden. Also erstmal zurück ins Haus und reden. Da, Schreie! Der Galgenlord ist endlich persönlich auf dem Hausdach erschienen und hängt den zweiten Gefangenen. John und Suko eilen zum Finale. Denn nach weiteren zehn Seiten darf Dark endlich auf das Ziel zusteuern. Auf dem Dach wird mit Stab und Kreuz der Galgenlord getötet. Fertig.


Zumindest für den Autor, nicht für den Rezensenten. Der muss sich eine Bewertung überlegen und rechtfertigen. Eigentlich war der Roman nur schlecht. Es gibt durchaus einige verteilte Action- und Spannungsszenen. Aber das ist alles so beliebig. So unlogisch. Wirklich ohne Gefühl einfach eingestreut. Man hat wieder das Gefühl, Jason hat sich keinerlei planerische Gedanken über den Gegner der Woche gemacht. Sondern drauflos geschrieben. Erst rettet der Galgenlord Todgeweihte vor der Hinrichtung. Warum? Wird nie erklärt. Dann hat er mit Terroranschlägen in London zu tun. Warum? Darauf wird nicht mehr eingegangen. Dann erscheint er vor einem Mietshaus in London und übernimmt vier Leute. Die er zu sich ruft und dann hängen will. Warum? Wieso kann er das plötzlich? Warum erst in seine Dimension locken und sie nicht direkt hängen? Heißt der Dämon nun Galgenlord, weil er Straftäter vor dem Galgen rettet oder Zivilisten am Galgen hängt? Wenn er ein bekannter nigerianischer Teufel ist, hätte ich gern mehr Hintergründe zu ihm gehabt.

Allgemein bin ich wieder extrem enttäuscht und mache mir so meine Gedanken. Das liest sich furchtbar uninspiriert. Hat Rellergerd wirklich gar keinen Anspruch mehr an sich? Nicht allein, um den Leser zufrieden zu stellen. Man ergreift doch den „Beruf“ des Schriftstellers, weil einem das kreative Geschichtenerzählen Spaß macht. Weil man gern vor Ideen sitzt und überlegt, wie man sie am besten umsetzen kann. Hier werden die Puzzlestücke mit roher Gewalt in die Handlung gestampft. John und Suko auf der Suche nach einem Dämon. Da ein Hochhaus wo Schwarze wohnen. Direkt ihre erste Anlaufstelle. Im Hof erscheint der Galgenlord. Und sein Komplize wohnt dort. Der Hausmeister weiß alles. Der Geisterjäger muss kein Stück selber ermitteln und da muss Dark sich auch nicht wundern, wenn er eigentlich nach 30 Seiten schon fertig ist.

Ich verstehe es wirklich nicht. Ok, der Verlag lässt ihn machen und er verdient ordentliches Geld mit jedem Heft. Aber er zerstört seinen über Jahrzehnte aufgebauten Ruf. Ist es das wirklich wert? Früher war der Name Jason Dark bekannt für den Autor der bekanntesten Gruselheftserie der Welt. Man hat ihn als Beispiel benutzt, wenn man ausländischen Bekannten von seinem Hobby erzählt hat. Das kann ihm zwar niemand nehmen, aber aktuell scheint der Name bei Fans eher unter dem Kontext „wenn man es nicht mehr bringt“ zu kursieren. Früher dachte ich, er merkt es einfach nicht. So wie sich seine Hefte aber inzwischen lesen bin ich anderer Meinung. Selbst einfache Auftragsarbeit-Autoren haben einen Mindestanspruch an sich selbst. Wenn sie Blödsinn wie den hier zusammen schreiben, wird sie kein Verlag mehr engagieren. Das fehlt Dark ganz einfach. Als wäre er depressiv und ihm wäre alles scheißegal. Früher war alles besser. Versagensängste, weil er merkt, dass es irgendwie nicht mehr läuft.


Mein Wunsch wäre weiterhin: Aufhören selbst zu schreiben. Als Ideengeber, Vater der Serie und Supervisor aber weiterhin aktiv sein, natürlich gegen entsprechendes Entgelt. Wird er nicht machen und inzwischen ist es eh zu spät. Aber so wäre es den Lesern als das im Gedächtnis geblieben, was er Jahrzehntelang war.

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