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Thema: Geschichten aus der Welt von MADDRAX
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erstellt am 22.07.13 21:02
Hallo zusammen :-), ich fand bei sommerlicher Hitze im Schatten wahrhaftig ein wenig Zeit, ließ sie nicht entkommen und verwendete sie prompt! Darum gibt es hier und heute eine...

Fortsetzung

Rauchige Schwaden schwängerten die Luft im Inneren der Taavern. Hingen gleich, einem sich immer mehr verdichtenden, dunstigen Nebel unter dem Gebälk des spatiösen Schankraumes oder trieben in übel riechenden, trüben Wölkchen einher. Die Quellen jener Verpestung waren die überall in der Räumlichkeit aufglimmenden orangenen Pünktchen, die von dem reichhaltigen Verzehr unterschiedlichster Nachtschattengewächse herrührten. Aber nicht nur die aus Papier gerollten Stängel wurden hier unermüdlich genossen, auch andere geisteserlahmende Mittel fanden ausgiebig Zuspruch. Schwere Holzkrüge, Henkeltassen aus A'luh oder farbigen Kunstoffen, Messingbecher und sogar das ein oder andere erblindete Glas wurde von derben Pranken oder feingliedrigen Händen geschwungen, deren Inhalt mindestens ebenso beißend roch wie der Kiffettenqualm, der über allem schwebte. Ein prasselndes Feuer im steinernen Kamin sorgte für schummriges Licht, wie auch blakende Fackeln die in halbwegs regelmäßigen Abständen in eisernen Halteringen an den Wänden befestigt waren.

Natürlich trugen auch sie nicht gerade dazu bei, die Luftverhältnisse in der gut besuchten Stube zu verbessern, jedoch spendeten sie den Anwesenden dringend bedürfte Wärme und Helligkeit, auf das sie die bitterkalte Finsternis die draußen vor der Türe dräute, verdrängen konnten. Die Stimmung unter den Versammelten war gemischt, viele sprachen laut und ausgelassen, nicht wenige schon mit schwerer Zunge. Einige hatten die Köpfe über den Tischen zusammengesteckt und führten leise Unterhaltungen, andere wiederum blieben für sich, schwiegen und brüteten über ihrem Byre oder Kamaulereintopf. Die Mehrheit der Gäste setzte sich aus den ortsansässigen Waabergern zusammen, die vorwiegend der Fischerei und handwerklichen Berufungen zugetan waren, aber auch zwei Gruppen kräftiger Männer und Frauen befand sich unter ihnen, deren raues und strenges Gebaren jeweils auf wehrhafte Gesinnungen schließen ließen.

Rudalf, der Wirt, beobachtete insbesondere eine der beiden Rotten mit beklemmender Besorgnis. Bei der zweiten hingegen, hatte er keinerlei Befürchtung, ganz im Gegenteil. Bei ihnen handelte es sich um die Miliz ihres schönen, von den Wind und Meergöttern gepeitschten Dorfes. Er hatte Kjell und seine Mannen eben aufgrund dieser anderen verdächtigen Meute von bewaffneten Fremdlingen holen lassen, die am frühen Abend bei ihm, in den "Jonn's Palast", eingekehrt war. Bereits in diesem Moment, als sie vor Stunden eingetreten waren, gehüllt in Taratzenfellen, Hartlederrüstungen oder eigens gefertigten Brustpanzern aus Stahlbändern und Harnischen aus dem wundersamen Cewlar, zerkratzten Schutzhelmen und Schädelmasken auf den Häuptern und mit allerlei Hieb und Stichwaffen wie auch den äußerst seltenen Feuerrohren ausgestattet, war ihm seine Fröhlichkeit jäh abhanden gekommen und ihn hatte die unheilvolle Ahnung beschlichen, dass jene Horde Auswärtiger Ärger bedeuten würde. So war es immer!

Eigentlich war er, Rudalf, ein herzensguter und anständiger Geselle und pflegte keine Missbilligungen was Fremde anbelangte - was zudem nicht sehr zuträglich für seine Herberge gewesen wäre - aber in Anbetracht dieses mitgeführten Sammelsuriums an, mit Widerhaken versehenen, Lanzen, gezahnten Wurfscheiben, geraden und gekrümmten Klingen, Armbrüsten und länglichen Donnerstöcken, welche da mit in sein Haus geschleppt wurden, wuchs in im rasch die Erkenntnis, dass diese vier Männer und zwei Frauen mit ziemlicher Sicherheit keine herkömmlichen Wanderer waren und andere Ziele verfolgten, als Tauschhandel zu betreiben, wie es die meisten Durchreisenden tätigten.
Ihr Anführer, ein flachsblonder Krieger mit schulterlangem Haar, aber sauber gestutztem Bart und einer Narbe, die auf seiner rechten Wange prangte, war zu ihm an den Tresen getreten und hatte mit knappen und einschlägigen Sätzen den Preis für ihre Übernachtung samt Verköstigung verhandelt. Rudalf war zu eingeschüchtert gewesen um zu feilschen, wobei dies auch gar nicht notwendig gewesen war, denn die Bax, welche ihm zugeschoben wurden, deckten die Kosten mehr als ausreichend. Trotzdem hatte er kurz darauf Ruuna, seine Tochter, eilends ausgesandt um die Dorfwehr darüber zu informieren, dass sich womöglich eine Schar Räuber oder Wegelagerer bei ihm eingenistet hatte.

Seitdem hatte er gebangt, immerhin war es kein sonderlich wohlgemutes Gefühl mit Dieben und Mördern unter ein und demselben Dach zu leben und jene auch noch verpflegen zu müssen. So war es dann Abend geworden, seine Stammgäste waren eingekehrt und auch eine Handvoll Reisende, die aber nichts Zweifelhaftes an sich hatten. Nach und nach hatte sich die Schankstube gefüllt, auch mit Angehörigen der Miliz. Die Küstenbewohner beäugten die Fremdlinge mit argwöhnischen und scheuen Blicken, mieden jeglichen Kontakt. Wer mochte es ihnen verdenken? Die Mädchen und Burschen des Ortes machten einen Bogen um den großen Ecktisch, den die düsteren Barbaren besetzten, doch ihre Augen funkelten neugierig. Und nun war die Nacht hereingebrochen und die zunächst drückende Atmosphäre, hatte sich durch den rasant angestiegenen Bedarf von Ael, Byre und Rauschkräutern beachtlich gelockert.

Rudalf freute sich einerseits über die üppigen Einnahmen, doch andererseits konnte er sich nicht oft genug den Schweiß von der Stirn wischen. Wie lange mochte es noch dauern bis etwas Unvorhergesehenes und doch befürchtetes geschah? Wie lange mochte die Lage noch ruhig und kontrolliert bleiben? Die Fremdlinge verhielten sich still, aber die Hemmungen unter den Fischern und Baumfällern sanken geschwind. Er kannte einige von ihnen, wie Grydh, Cnut oder Asvaald. Tranken sie zu viel, bekamen sie ein forsches Mundwerk, meist ging es dabei um eine Frau, und oftmals mündete dies in einer Rangelei. Was konnte demnach imponierender sein, als sich mit jenen exotischen Kriegern anzulegen oder gar zu messen?

Unwillig schüttelte Rudalf seinen Schädel. Hatte Waaberg derweil nicht schon genug Sorgen und Probleme derer es sich anzunehmen hatte? Die Vorratskammern leerten sich rascher, als gut für sie war, zu wenige Fische verirrten sich in die Netze der hinausfahrenden Schiffe, der strenge Winter ließ die Lupas und Spikkars tollkühn werden und ihr Hunger trieb sie aus den Wäldern bis an die Palisaden.
Erst letzte Woche war Gunar einem Rudel der heulenden Raubtiere zum Opfer gefallen, die seinen Leib zerrissen und sich an seinem Fleisch gütlich getan hatten. Die grausigen Schreie des eigensinnigen Pilz und Wurzelsuchers waren bis hinein ins Dorf gedrungen. Damit wurde er schon zum sechszehnten Toten, welcher die erbarmungslose Jahreszeit einforderte. Und zu allem Überdruss, luden sich nun diese waffenstarrenden Söldner in seine Herberge ein und förmlich alles an ihnen schrie nach Zank und Unruhe!
Was, bei Wudan, hatten sie hier bei ihnen überhaupt verloren? Was machte diese auf sich eingeschworene, finstere und maulfaule Gruppe soweit oben im unwirtlichen Norden?

Denn nordischer Herkunft schien nur ihr Anführer und eine der Frauen zu sein. Waren sie nach etwas auf der Suche? Folgten sie dem Ruf eines Kriegsherrn, ähnlich wie einst die gnadenlosen Disuuslachter, von denen heute gemunkelt wurde, dass ihr Gott hinter dem Horizont lauerte und sie zu Blut und Tod anspornte? Oder waren sie Ausgestoßene oder entflohene Sklaven aus Rooma, die ihre Herren gemeuchelt und sich selbst die Freiheit geschenkt hatten? Als Wirt hatte Rudalf schon viele Geschichten gehört, einige zu fantastisch, als das er sie hätte glauben können, doch eines hatte er aus all jenen Erzählungen gelernt: die Welt ringsum von Waaberg war gefährlich. Am besten schützte man sich vor den Unbillen der Außenwelt indem man sie gar nicht erst in die eigene friedsame Mitte ließ. Bedauerlicherweise war es für diese Art der Vernunft längst zu spät...

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 21:15 Uhr bearbeitet)

erstellt am 30.10.13 18:22
Eine schöne, und anschauliche Geschichte. Du hast wirklich Talent.

Ich habe übrigens auch den Stil-Test gemacht. Ich schreibe wie Albert Ostermaier.^^

Wie sieht es eigentlich mit dem Copyright aus? Darf man Fanstorys zu MX auch woanders veröffentlichen, z.B. auf seiner Website?

erstellt am 30.10.13 20:43
Silberdrache schrieb: Wie sieht es eigentlich mit dem Copyright aus? Darf man Fanstorys zu MX auch woanders veröffentlichen, z.B. auf seiner Website?
Das Einverständnis des Autors vorausgesetzt: normalerweise ja. So lange damit kein kommerzielles Interesse verbunden ist, sollte das unproblematisch sein - in gewisser Weise ja auch Werbung für das "Original".

Eine lustige Geschichte dazu:
http://irights.info/2013/01/28/50-shades-of-copyright/5238

Beispiel für Fanfiktion (es gibt wohl nicht arg viel...):
http://www.fanfiktion.de/Maddrax/c/300000006

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