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Thema: MX-HC 10
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erstellt am 31.03.06 11:36
Hier kommt alles rein, was sich auf das MX Hardcover 10 "Die grüne Insel" bezieht, also eure Meinung und Kritik. Bitte eröffnet keine weiteren Threads zu diesem Buch, sonst findet sich später niemand mehr zurecht. Im "Allgemeines"-Forum kann natürlich über alle Romane gesprochen werden; dort aber keine Spoiler posten! Danke!

erstellt am 08.04.06 19:14
Maddrax Hardcover 10 - Die grüne Insel von Michael M. Thurner

Ich verdanke es einem glücklichen Zufall (oder war es doch ein zuvorkommend freundlicher Autor?), dass mir jüngst das aktuelle MX-Hardcover "Die grüne Insel" zugespielt wurde. In den letzten zwei Tagen habe ich das Buch geradezu verschlungen.
Dem Wiener Schreibe-Knaben Michael M. Thurner ist dabei ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Roman gelungen. Insbesondere, weil "Die grüne Insel" im Grunde genommen gar kein "richtiger" Roman ist. Das liegt vor allem daran, wie MMT seine Geschichte aufbaut und erzählt. Vielmehr handelt es sich um eine Art Kurzgeschichten- oder im zweiten Teil des Buches, um eine postapokalyptische Biographiensammlung. Die erste Hälfte des mit 256 Seiten in relativ großer Schrift formatierten Buches handelt von den Abenteuern des Matthew Drax an Bord der "Santanna" unter Kapitaan Colomb. Wer meine Rezensionen aus alten Tagen noch im Gedächtnis hat, mag sich an meine Bewertung des MX-Romans Maddrax Band 23 - Reise ohne Wiederkehr erinnern in der es hieß: "Das war dieser Piratenband mit der Schwarzen Natter, die Verschwörung an Bord der Santanna, Matts Überfahrt und Intrigenspiel und der "Insel mit 2 Bergen". Vielleicht liegt es an meiner persönlichen Abneigung gegen Piratenabenteuer aber wie schon Band 21 kann ich dem ganzen, außer den atmosphärisch dichten Passagen auf der Insel mit dem gestrandeten und verwursteten Kreuzfahrtschiff, nicht so viel abgewinnen." Auf diesen Roman nimmt HC 10 an ein paar Stellen Bezug, allerdings nicht übermäßig, nur das Schiffspersonal wird sozusagen übernommen, spielt HC 10 doch nur kurz nach MX Band 23.
Zugegeben, ich war sehr skeptisch, als ich in der Ankündigung las, dass das HC von MMT sich zeitlich in Matthews Überfahrt nach Meeraka einreihen sollte. In der Serie haben mir diese Romane nicht sonderlich gefallen, warum sollte es ein HC dazu dann tun? MMT hat es geschafft, mich sehr bald eines Besseren zu belehren. Zunächst verblüfft er mich mit der Entscheidung, große Teile des Romans aus der Ich-Perspektive zu erzählen. Vor allem diese Innensicht des Matthew Drax war mir bis dato nicht geläufig und nach einer gewissen (und geringen) Eingewöhnungszeit begann mir dieser stilistische Kniff gut zu gefallen. Vor allem jetzt im Nachhinein, nach der Lektüre des restlichen Bandes, macht diese Idee Sinn (ist doch der erste Teil des Romans quasi der Beitrag Matthew Drax zu dem nachfolgenden "Erzählwettbewerb"!). Sehr schön fand ich auch, dass mich diese Erzählperspektive an den einzigen Piratenroman erinnerte, der mir bis jetzt ausnahmslos gut gefallen hat, nämlich Robert Louis Stevensons "Die Schatzinsel". Zunächst aber kämpfen unsere Seefahrerfreunde in zwei kleinen Episoden gegen die "Schrecken der Meere" und bei der Einfahrt in eine Bucht gegen ein Algenmonster, dass uns bereits auf dem Cover von Candy Cay ins Auge springt. Die im Kampf gegen die "Wasserschrecken" erlittenen Schäden zwingen die "Santanna" dazu, die Schäden an Land zu beheben. Das nun von Eis befreite Grönland bietet sich als Rettungsinsel an, mit Mühe und Not entkommt man dem nassen Tod und kann sich an die Arbeit machen. Bis hierhin ist "Die grüne Insel" ein episodenhaftes Abenteuer auf Hoher See, dass zum Glück nicht viele Elemente des intrigenreichen Verwirrspiels der entsprechenden Romane in der MX-Heftserie in sich birgt.
Der zweite Teil des Buches schlägt dann eine vollkommen andere Richtung ein. Bei der Erkundung der Insel trifft eine Gruppe der Besatzung auf einen seltsamen alten Knaben, der umringt von Guuskies (eine Huskie-Schlittenhund-Mutation, wie ich vermute) Teile der Crew entführt und in einen Erzählwettstreit verstrickt. Was nun folgt sind knapp 100 Seiten aus Sicht der einzelnen Figuren autobiographisch erzählter Lebensgeschichten, und teilweise auch Lebensbeichten. Ganz nebenbei wird durch Kapitaan Colombs Lebenslauf das MX-Universum im Mittelmeerbereich illustriert, Griechenland tritt mx-geographisch in Erscheinung, mit Biienas Erzähungen besuchen wir erstmals Teile Afras und des Nahen Ostens, dennoch bleiben diese neu entdeckten MX-Felder wie die Erinnerungen der Personen teilweise schemenhaft. Wunderbar, wie MMT hier wieder versteckte Anspielungen bringt und in seine Erzählungen mit einbringt. Ich habe mit Sicherheit nicht die Hälfte aller Referenzen verstanden, aber mit Sicherheit hat Colombs Biographie Hintergründe aus der Griechischen Mythologie, Cosimus Lebensweg erinnert mich auch irgendwie an eine Erzählung, die ich kenne, Bieenas Geschichte erinnert sehr an klassische Sklaven-Erzählungen und bei Yulis Leidensweg muss ich spontan an die naiven und ausgenutzten Frauen-Charaktere eines Marquis de Sade denken. Durch die Verbindung zu dem Charakter Sneme Antonsson bekommen die einzelnen Erzählungen zum Ende noch einen gemeinsamen Rahmen, mit der rätselhaften alterslosen Figur des Guul eine mystische Komponente. Warum ist dieser Mensch so alt? Von welchem Felsen ist die Rede? Etwa dem "brennenden Felsen", zu dem Aruula gerade in der Heftserie unterwegs ist (Stand: Band 157 - 159)? Das hohe Alter Guuls und seine Fähigkeit, sich scheinbar ständig in der Alterserscheinung verändern zu können, sprechen für eine Veränderung der Zeitstruktur, wie sie im Hydree-Strahl vorhanden sind. Oder ist doch eher ein Kometensplitter gemeint, der ähnliche Auswirkungen hat wie in MX-Band 4 "Die Ausgestoßenen" - da an irgendeiner Stelle die Rede von degenerierten Menschen ist? Vielleicht werden wir es noch in einer späteren Erzählung aus dem MX-Universum erfahren. Matt und seine Kumpane werden sich, wieder an Bord auf der reparierten "Santanna", an nichts erinnern können - und so wird diese Episode geschickt aus der Erzähl-Chronologie der Heftserie ausgeklammert.
MMTs "Die Grüne Insel" handelt nicht so sehr von Grönland, sondern ist eine Anthologie aus MX-Biographien und episodenhaften Abenteuern geworden. Wegen des außergewöhnlichen Roman-Aufbaus, des klar verständlichen Stils und ungewohnten Innensicht-Perspektive ist dieser Roman schon lesenswert. Trotz, oder gerade wegen seiner Kürze (die Schriftgröße von HC 10 ist sehr viel größer als die in anderen MX-HCs, ausgenommen MJPs ebenfalls knapp gehaltenes HC 6 "Die Hüter der Quelle" hat Michael M. Thurner einen der kurzweiligsten und unterhaltensten Romane der MX-HC-Serie geschrieben.

21. Feb. 2006 © Sascha "Andro" Vennemann

erstellt am 09.09.06 17:35
Man hat doch sehr viel über die SChiifsfahrt in der MX Welt erfahren. Mehr als in Heft 23.
Die Kurzgeschichten zum Ende habe ich regelrecht verschlungen, war super.

@MM: Kannst du hier noch das spezielle zu dem "Alten Mann" reinschreiben. Als Spoiler wenn es geht.

erstellt am 18.10.09 14:36
"Die grüne Insel" ist das erste HC, das ich bisher gelesen habe und meine Skepsis in Bezug auf HCs an sich wurde dadurch leider nicht gemindert. Auch den Inhalt der Story finde ich nur teilweise gelungen, was mir umso mehr leid tut, da ich diesen Band von MMT persönlich geschenkt bekommen habe.
Erstmal hat mir der Aufbau des Ganzen im Gegensatz etwa zu Andros Meinung nicht gefallen, denn es wurde einfach nicht klar, wohin die Geschichte gehen sollte. War es zu Beginn des Buches noch eine reine See-Abenteuer-Geschichte, wandelte sich das Ganze schließlich zu einer Art Anthologie, als es zur Aneinanderreihung der Lebensläufe kam. Dadurch bekam das Ganze etwas Unausgewogenes und mir fehlte einfach der rote Faden und "das Besondere". Man bekam doch sehr das Gefühl, das hier auf sehr künstliche Weise ein Rahmen geschaffen werden sollte, um die einzelnen Biographien vorzustellen.
Diese sind allerdings liebevoll gezeichnet und die Verbindung durch Sneme war dann auch ein kleiner Überraschungseffekt, der auch überzeugte. Ich persönlich mochte die Kapitaan-Colomb-Geschichten in der Hauptserie sehr und in der Hinsicht war es schön, einige Hintergründe zu erfahren. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass es auch schön gewesen wäre, sowas in der Hauptserie zu lesen...
Die erzählerischen "Ausläufer" auf andere Länder mag ich bei den HC's gar nicht, auch wenn MMT hier sicher Interessantes zu Papier gebracht hat. Diese Dinge will ich nicht lesen, solange sie in der Hauptserie nicht vorkamen - und dort vielleicht geändert werden - oder nicht mehr geändert werden können.
Zu den Gegenspielern: dieser geheimnisvolle Alte war mir etwas zu mystisch und war ja wohl auch keine Schöpfung der Daa'muren. Wer war er also? Spielt er für MX noch eine Rolle? Auch ich musste unwillkürlich an den Finder und mehr noch an den Weißen Ritter denken, zu dem er passen würde. Letztendlich sind diese Fragen jedoch ohne Belang, weil die Protagonisten sich eh nicht mehr an ihn erinnern.
Die Wanderschrecken fand ich übertrieben. Wie soll ein so großes raubtierhaftes Volk überleben in den riesigen Weiten des Meeres, wo kaum ein Schiff unterwegs ist und die meisten Meerestiere sich wesentlich tiefer im Wasser befinden dürften? War zwar dramaturgisch ein Schocker und ziemlich eklig in der Vorstellung, mir jedoch einfach zu platt eben auf den Schock-Effekt abgezielt und ZU heavy.
Insgesamt also bin ich sehr zwiegespalten und muss zu dem Abschluß kommen: leider nicht wirklich meins.

erstellt am 19.10.09 09:36
Ich dagegen fand gerade die Zusammenführung der Einzelstränge in der zweiten Hälfte sehr gelungen; erinnerte mich an Carpenters genialen Film "The Assault - Anschlag bei Nacht". Ist übrigens gerade im Film ein bekanntes Kunstmittel, vermeintlich unzusammenhängende Handlungen am Ende zu vereinen. Ich weiß noch: Als ich den Roman durch hatte, sagte ich nur: "Wow, der war klasse!" Hätte ich ihn bloß bis zur Hälfte gelesen, wäre höchstens ein "befriedigend" dabei rausgekommen.

erstellt am 19.10.09 10:49
MadMike schrieb:
Ist übrigens gerade im Film ein bekanntes Kunstmittel, vermeintlich unzusammenhängende Handlungen am Ende zu vereinen. Ich weiß noch: Als ich den Roman durch hatte, sagte ich nur: "Wow, der war klasse!" Hätte ich ihn bloß bis zur Hälfte gelesen, wäre höchstens ein "befriedigend" dabei rausgekommen.

Ich sagte ja, die "Sneme-Vereinigung" war nicht schlecht. Aber das Buch bestand aus zwei völlig unabhängigen Teilen: der Seereise und der Begegnung auf der Insel - das meine ich mit dem fehlenden roten Faden.
Der zweite Teil ist in sich gesehen ganz gut gelungen in seiner episodischen Art, hätte aber auch ohne Teil 1 funktioniert. Und Teil 1 hätte auch ohne Teil 2 funktioniert. Mir fehlte da einfach gewisse Abhängigkeiten für den Verlauf der Geschichte.

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