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Thema: Coco Zamis
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erstellt am 05.10.14 19:49
Da ich Geschichten mit Hexen mag und diese Serie noch nicht kannte, habe ich das E-Book "Das Haus Zamis 1" von Zaubermond mal gratis heruntergeladen. Natürlich mit gewissen Bedenken nach dem, was hier im Forum bereits zu den Abenteuern von Coco geäußert worden ist. Aber ebenso mit ein bißchen Neugier, weil diese Nebengeschichten von Dorian Hunter aus den 70er Jahren schon seit einiger Zeit von teils bekannten Autoren fortgeführt werden. Besonders Uwe Voehl, der jüngst einen JS-Roman beigesteuert hat, dürfte, wenn ich das richtig sehe, maßgeblich die Inhalte der Serie geprägt haben.

Nun denn, Band 1 besteht aus den ersten vier Geschichten von damals, wird mir also keinen Einblick in die "moderne" Coco geben können, sondern mit den Ursprüngen vertraut machen. Leider verzichtet Zaubermond hier auf zureichende bibliographische Angaben, so daß ich nicht weiß, ob ich den Nachdruck der Originale lese oder überarbeitete Fassungen. Das finde ich schlecht. Mir war so, als hätte ich mal wo gelesen, Oliver Fröhlich habe da etwas in dieser Richtung getan?

erstellt am 05.10.14 19:55
Band 1, Geschichte 1 Hexensabbat von Neal Davenport

Für diese erste Story habe ich ziemlich lange gebraucht, weil ich das Lesen immer wieder unterbrochen habe. Teilweise für ein, zwei Tage, teilweise für länger. Das lag vor allem an dem Schreibstil, der für mich sehr gewöhnungsbedürftig war. Er war sehr schlicht, beinahe wie ein Jugendbuch. Zu Beginn dachte ich noch an ein Stilmittel, weil Coco, die aus der ich-Perspektive erzählt, erst elf Jahre alt ist. Aber da die Handlung dann einen Sprung um einige Jahre macht, fällt diese Vermutung weg. Ich will damit nicht sagen, daß das schlecht geschrieben sei, nein es ist schon alles gut formuliert, nur hatte ich den Eindruck, keine Erwachsenenliteratur zu schmökern.

Dem widerspricht dann aber der Inhalt, wie man mittelfristig merkt, denn der Autor legt bei seinen Figurenbeschreibungen doch erhebliches Augenmerk auf die Busen seiner Protagonistinnen. Auch ist Coco nach dem gescheiterten Sabbat durch halb Österreich nackt unterwegs. Bereits zuvor gibt es einen nächtlichen Übergriff von Asmodi auf die arme Junghex, und ich hatte bei diesem Auftaktheft den deutlichen Eindruck, daß diese Art der Erotik Programm für die Reihe sein soll.

Das ist definitiv Geschmackssache. Ich habe mich allerdings mehr an der guten Geschichte als solcher erfreut, denn es passiert doch recht viel. Die Grundidee - eine junge Hexe, die in Konflikt mit ihrer bösen Sippe gerät, weil sie nicht böse sein will - gefällt mir. Im Mittelpunkt steht ihre erste Liebe zu dem Menschenjungen Rupert, die von ihrer Familie unterbunden wird. Zumal der Höllenfürst persönlich Nachkommenschaft mit Coco zeugen will, was eine Auszeichnung für das gesamte Haus Zamis bedeuten würde.

Es gibt zahlreiche Szenen, in denen gezaubert und Magie angewandt wird, was alles sehr atmosphärisch und detailreich beschrieben wird. Seltsamerweise funktioniert der oben erwähnte Stil Davenports gerade hier und in den Actionpassagen richtig gut, seine Einfachheit läßt das Geschehen dann, wenn es schnell wird, zu einer sehr direkten, unmittelbaren Entfaltung kommen. Diese Stellen haben mich denn auch weiterlesen lassen.

Überrascht war ich etwas von der Brutalität, mit der die als so schüchtern dargestellte kleine Coco den Vampirfreund ihrer Schwester killt, ich fand es ein wenig unglaubwürdig.
Das Ende ist dann auch recht heftig, gut so.

Ich gebe gute 3 von 5 Kreuzen.

erstellt am 07.10.14 11:25
Du ließt eine überarbeitete Fassung, in der die Szenen mit Dorian Hunter grstrichen wurden nach dem Motto "So Coco, erzähl mal was von deiner Jugend".

Dazu paar ausgemerzte Rechtschreibfehler und das übliche denke ich, aber im Grunde die Originalgeschichte.

erstellt am 09.11.14 01:03
Band 1, Geschichte 2 Die Stunde der Ameisen von Neal Davenport

Ich hätte das Abenteuer ja "Die Todesmelodie" genannt, denn Ameisen spielen hier nur eine sehr, sehr unwichtige, kleine Nebenrolle.

Zunächst kann ich sagen, daß die Geschichte sehr spannend war, mit einem schockierenden und rasanten Einstieg. Schnell wird klar, hier steht die Existenz der gesamten Familie Zamis auf dem Spiel, und da die einem nach Geschichte 1 bereits vertraut ist, ist man auch sofort in der Handlung drin. Coco hat natürlich wieder das große Los gezogen, denn sie ist es, die vom Feind unter geistige Kontrolle gebracht und zum Verrat an ihrer Sippe gezwungen wird. Und natürlich darf besagter Feind die verhexte Coco auch mal unsittlich begrapschen...

Zum Finale geht es dann nach Italien, denn in den Abruzzen hat der Bruder von Cocos Paps ein festungsgleiches Domizil, wo man die entscheidende Schlacht schlagen will.

Eine wichtige Rolle kommt auch dieses Mal Cocos etwas älterer Schwester Vera zu, die sich bereits zuletzt eindrücklich als Giftnatter präsentieren durfte. Die Blondine ist das ganze Gegenteil von Coco, wurde aber von Asmodi wegen ihrer bescheidenen magischen Kräfte verschmäht. Hier darf sie erst richtig auftrumpfen, indem sie an einer wilden Orgie teilnimmt, bevor ihr nach einer dreifachen Vergewaltigung ein wirklich schauerliches Ende zuteil wird. Das war mir fast ein bißchen zu arg, zumal der Charakter für mich als Gegenpol zu Coco so gut funktioniert hat. Schade.

Etwas seltsam fand ich dann auch, wie leicht man Coco bei den Forcas' Vertrauen geschenkt hat. Dennoch eine Steigerung zum Erstling, auch was den Erzählstil Davenports anbetrifft. Die Junghex verliert zwei Geschwister und einen Cousin, dafür kriegt sie zum Trost 3 von 5 Kreuzen spendiert.

erstellt am 09.11.14 15:11
Vogelmädchen schrieb:
Coco hat natürlich wieder das große Los gezogen, denn sie ist es, die vom Feind unter geistige Kontrolle gebracht...

...Und natürlich darf besagter Feind die verhexte Coco auch mal unsittlich begrapschen...

...Eine wichtige Rolle kommt auch dieses Mal Cocos etwas älterer Schwester Vera zu... darf sie erst richtig auftrumpfen, indem sie an einer wilden Orgie teilnimmt, bevor ihr nach einer dreifachen Vergewaltigung ein wirklich schauerliches Ende zuteil wird...


Hach, man muss diese entzückende Serie einfach zum knuddeln lieb haben. Mit welcher Professionalität und Hingabe die Autoren ihre (w.) Charaktere behandeln, ein Quell literarischer Schaffenskraft, es strotzt nur so vor Kreativität, Seriosität und menschlichem/dämonischem Drama. Dante hätte sein Vergnügen daran gehabt... *hust* *ächz* *keuch* *blutigen Schaum ausspuck*
Oh, da kam gleich die höllische Strafe, Herr Alighieri möchte nicht mit derlei trivialem Auswurf in Verbindung gebracht werden, bitte um Verzeihung werter Herr..., kann man ja verstehen.

Ich meine, korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber die Definition des Horrorgenres sollte doch eigentlich sein, soziale Misstände möglichst schockierend darzureichen (quasi die Hammerkopf-Methode damit auch der Dümmste im Staate erkennt, was eine böse Tat ist und was nicht) oder den/die Leser/in mit inneren Ängsten zu konfrontieren (was den Grusel oder den kalten Schauer auslöst) und nicht Gewalttätigkeiten zu voyeuristischen Selbstzwecken zu benützen, um perfide (m.) Gelüste zu befriedigen, oder hab' ich das irgendwie nicht korrekt gepeilt...?!
Vielleicht haben die CZ-Tastaturenquäler auch nur ein anderes, "spezielleres" Coaching "erfahren", als der gemeine qualifizierte Horrorautor. Man weiß es nicht...

erstellt am 09.11.14 21:39
Naja, diese Szenen sind nicht wirklich lang, und es wäre falsch, den Roman darauf zu reduzieren. Veras Orgienabend war schon gut beschrieben und hat seine kulturellen Wurzeln, wenn man so will, in den antiken Dionysos-Kulten. Die Verbindung zwischen Nacktheit/sexueller Gier und Dämonischem/Hexenkult zu thematisieren, halte ich der Serie auch eher zugute. Daß das Ganze dann stets eine voyeuristische Note bekommt, versuche ich zu überlesen. Andererseits ist es so naiv-offenkundig, das macht es oft schon lustig und harmlos (Stand: nach 2 Geschichten ).

Lonestar schrieb:
Ich meine, korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber die Definition des Horrorgenres sollte doch eigentlich sein, soziale Misstände ...


Ich glaub, zuerst schreibt jemand Horror-Geschichten und dann kommt jemand mit Langeweile und 'ner Professur in Literaturwissenschaften und versucht, irgendwas zu definieren. Danach ärgert er sich dann, wenn sich die Autoren nicht an seine Definition halten.

erstellt am 09.11.14 23:08
Vogelmädchen schrieb:
...Daß das Ganze dann stets eine voyeuristische Note bekommt, versuche ich zu überlesen.


Hm...

Vogelmädchen schrieb:Andererseits ist es so naiv-offenkundig, das macht es oft schon lustig und harmlos (Stand: nach 2 Geschichten ).


Hm..., alsooo "lustig" und "harmlos" sind nicht gerade die Worte die mir bei einer Szene mit dreifacher Vergewaltigung in Gedanken kommen, aber... nun gut, wenn du das so locker empfinden kannst, dann sei es so. Es gibt da Clubs, die bieten sicher "Spezialprogramme" an..., ohne Safeword und so'n kindischen Sch***ß, vielleicht wäre das für dich mal eine... Erfahrung wert?! *g*

Vogelmädchen schrieb:Ich glaub, zuerst schreibt jemand Horror-Geschichten und dann kommt jemand mit Langeweile und 'ner Professur in Literaturwissenschaften und versucht, irgendwas zu definieren. Danach ärgert er sich dann, wenn sich die Autoren nicht an seine Definition halten.


Ja, stimmt! Dass ist sowieso das Problem mit unserer westlichen Gesellschaft, nicht wahr? Wir sind ja alle irgendwelchen Zwängen und Regeln unterworfen. Dabei schlummert in uns allen doch eine apollinische und eine dionysische Seite, wie Großmeister King schon längst einmal feststellte (und vor ihm Typen wie Schelling und Nietzsche). Professoren, Pädagogen, Sittenwächter und Gutmenschen, diese ganze lästige Bande von Langeweilern, die erklärten Erzfeinde der Trivialliteratur.
Mensch, warum den Zeilen Sinn verleihen, schließlich geht's um den Kick die dunkle Pysche zu ergründen und "eine Einladung, sich stellvertretend in trotzigem, antisozialem Verhalten zu ergehen – abscheuliche Gewalttaten zu begehen, unseren infantilen Machtphantasien nachzugehen, uns unseren geheimsten Ängsten zu ergeben" (zum Teil zitiert vom Horrormeister himself).
Ja, dass ist der "Sinn" des Genres, außerdem "bedeutet das wiederum, daß ein Horrorautor sehr geschickt die Allegorien wählen und darstellen muß, damit tatsächlich Angst und keine Langeweile entsteht. Wenn der Leser sich nicht persönlich berührt fühlt wird er keine Angst und kein Schrecken empfinden. Im Wesentlichen muß der Autor ein Gespür für Assoziationen haben." (Auch vom Meister)
Leider arbeiten die Autoren von CZ aber derart oft mit groben Klischees und ungeschliffenen Effekten, dass von geglücktem Grusel oder Horror nur wenig übrig bleibt. Und das sie nebenbei wenig (bis keine) Ahnung davon haben, wie sie eine weibliche Figur darzustellen haben, setzt dem Ganzen noch das Dornendiadem auf. Aber das ist nur meine Meinung. :-)

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 23:38 Uhr bearbeitet)

erstellt am 10.11.14 01:13
...mit der Du allerdings nicht alleine bleibst.

Es irritiert mich auch, dass eine Frau eine dreifache Vergewaltigung hinnimmt, als wäre dies das normalste auf der Welt!
Bin ich irgendwie psychologisch abartig, dass ich als Mann, der gegen erotische Reize nicht gefeit ist, solche Sachen weder antörnend noch lustig finde?

erstellt am 10.11.14 11:35
So unterschiedlich sind eben die Meinungen. Wie diese - und ich spreche jetzt nur von der Geschichte, die ich rezensiert habe - harmlose Story, einen solchen inbrünstigen Aufruhr verursachen kann, werd ich jedenfalls nicht begreifen. Die Vergewaltigung wird in 1 Satz erwähnt und keinesfalls verherrlicht. Warum sollen Dämonen sowas nicht tun, es ist schlüssig. Ich werd jetzt aber hier den Teufel tun, Coco Zamis zu verteidigen, zumal ich die Serie bis auf die zwei Geschichten aus den 70ern gar nicht kenne. Deinen Krieg gegen die Größen der Geisteswelt (nein, nicht King, sondern Schelling und Nietzsche) kannst du gern führen, ich glaub aber kaum, daß man die zwei heute in den von dir beschriebenen Klubs finden würde.
Oder schau dir zum hundertsten Mal Starship Troopers an, vielleicht erkennst du dann ja, daß das keine grandiose Satire ist, sondern zum Teil tatsächlich faschistisch.
Aber das ist nur meine Meinung.

erstellt am 10.11.14 11:37
Ach, ja. Smiley nicht vergessen.

:-)

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