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Thema: Band 2545 - Flammenspur durch New York
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erstellt am 03.04.06 20:00
Jerry Cotton Band 2545
Flammenspur durch New York

Dieser Roman erinnerte mich unheimlich an Band 2531 – „Sex war seine Waffe“ (und wer meine Rezi dazu gelesen hat, weiß, was ich von diesem Roman halte), mit dem Unterschied, dass in „Sex war seine Waffe“ wenigstens Sarah Hunter vorkam, was hier nicht der Fall war (und wenn ich so drüber nachdenke; statt „Flammenspur durch New York“ hätte man den Roman auch „Feuer war seine Waffe“ nennen können. ).

Wie im oben genannten Band hat der Autor hier meiner bescheidenen Ansicht nach so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann in einem Krimi, dessen Lösung den Leser zumindest ansatzweise überraschen soll. Man merkte dem Autor ab Seite 30 so richtig an, dass ihm nun der einzig überraschende Täter ausgegangen war. Also, was macht man? Genau, wenn einem nichts mehr einfällt nimmt man einfach irgendeinen Täter, der zuvor nicht erwähnt wurde und die restlichen Seiten füllt man mit irgendeinem belanglosen Stoff, der weder die Handlung voranbringt, noch ansatzweise die Spannung erhöht, sondern mich einfach nur genervt hat.

Das einzige, was mir an dem Roman gefallen hat, ist die Ironie des Autors, die ist an manchen Stellen wirklich herrlich. Aus diesem Roman hätte man was wirklich Gutes machen können – es reizt mich immer, wenn die Leute vom FBI mal so richtig ratlos sind – aber die Umsetzung ist grauenhaft.

Spätestens in den 40er-Seiten dämmerte mir, dass jetzt irgendein Täter kommt – kommen muss, der zuvor nicht erwähnt wurde – wer sollte es auch sonst sein? Wobei ich den Gedanken, dass der Chef des New York Fire Department selbst die Brände gelegt haben soll, auch recht interessant gefunden hätte.

An alle Leute, die vorhaben, diesen Roman lesen zu wollen: ab Seite 50 kann man das Heft getrost weglegen. Der Täter ist eh bekannt und der Rest aufgebläht ohne Ende. Seite 53 war da echt die Härte, das hätte man sich einfach sparen können. Jerry und Phil wollen von einer Informationsdame am Flughafen erfahren, wann der nächste Flug nach Tampa, Florida fliegt. Danach folgt die ganze Seite 53 lang ein völlig sinnloses Unterfangen; die Tussi muss noch mal von vorne anfangen, weil ’ne Error-Meldung kam – das hätte man völlig auslassen und die darauf folgenden Seiten guten Gewissens auf ein Minimum beschränken können, denn sie sind einfach nur überflüssig.

Von all dem abgesehen sind die Reaktionen der Personen völlig unsinnig. Auf Seite 42 hält der Chef des New York Fire Department eine Pressekonferenz ab und wagt den Schuss ins Blaue, indem er eine viel zu genaue Beschreibung des Täters abgibt, dem sie angeblich schon so dicht auf den Fersen sind. Was für ein Blödsinn! Natürlich, dafür gibt es beim FBI entsprechende Leute, die Täterprofile und so weiter erstellen, aber das war viel zu gewagt, viel zu detailliert, wie ich finde.
Natürlich reagiert der Täter genauso vorhersehbar wie es Jerry und Phil in den Kram passt bzw. wie sie es sich gewünscht haben und wird wütend. Gut, das mag möglich sein, aber wie es geschildert wird in diesem Roman, wirkt das auf mich einfach nur an den Haaren herbeigezogen.

Auch das Motiv des Täters sucht man bei diesem Roman vergeblich. Ich kann mir so richtig den Gedankengang des Autoren vorstellen: Hm, stimmt ja, der muss ja irgendein Motiv haben. Ja, was denn nun? Na klar, der Alkohol ist schuld!
Prima! Der Alkohol ist mal wieder Schuld (Seite 63). Das ist ja nun wirklich eines der billigsten Motive überhaupt. So richtig nach dem Motto: Wenn wir schon kein Motiv haben, dann nehmen wir den Alkohol.

Um das ganze noch schön abzurunden, dürfen Logikfehler natürlich auch nicht fehlen. Der Brandstifter wird den ganzen Roman über als gut organisierter Gangster beschrieben.
Auf Seite sagt Phil: „Dann saß er vielleicht gar nicht in dem Flieger, der gerade gestartet ist!“
Jerry antwortet: „Bingo! Craig Brady hat sicher nicht unter falschem Namen eingecheckt. Dazu hätte es keine Veranlassung gegeben. […]“
Was für ein Blödsinn! Ein so gut organisierter Gangster ist doch, wenn er zu einem Freund fliegt, weil ihm der Boden in New Yorker unter den Füßen zu heiß geworden ist, nicht so blöd und checkt unter seinem richtigen Namen ein, wenn er doch weiß, dass das FBI ihm angeblich auf den Fersen ist (wenn man der Pressekonferenz glauben schenkt).

Bei dieser Story kann ich also nicht mal sagen, dass sie vorhersehbar war – sie war einfach nur langweilig und planlos. Höhepunkte sucht man ebenfalls vergeblich.
Mir wird so richtig deutlich dabei, dass dem Schreiber hier nichts mehr eingefallen ist und ich frage mich, wieso man sich hier nicht mehr Mühe gegeben hat. Oder: Wenn man schon sieht, dass aus der Story nichts mehr wird, dann sollte man das Schreiben doch einfach lassen, wofür gibt es schließlich Exposés?

Was insgesamt gesehen wirklich richtig gelungen war, war das Titelbild. Das passt wirklich sehr gut dazu. Was hätte man da nicht für einen schönen Roman draus machen können…

Der Roman hatte das Potential, sehr spannend zu werden, aber was man daraus gemacht hat, ist einfach nur grausam. Fazit: „Sex war seine Waffe“ war im Vergleich um Längen besser – 10 %.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 20:11 Uhr bearbeitet)

erstellt am 03.10.17 17:17
Auitorin: Nadine Buranaseda.

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