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Thema: 1937 Worte des Grauens
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erstellt am 26.08.15 21:08
Die Fortsetzung der Landry-Story ist ein nettes kleines Sinclairabenteuer. Stimmig und mit guten Ideen. Kogan oder der Centurio waren einen Tick größer aufgezogen und haben mich mehr gepackt.

Dafür hat sich diese Geschichte mehr wie JS angefühlt. Man bleibt im Großraum London, Gegnerhorden gibt es nur als Illusion und die Nachforschungen lesen sich wie die guten alten Krimi-Parts in den früheren Dark-Romanen. Die Passagen, wo der Dämon eine Geschichte erzählt, haben die Handlung nicht unbedingt vorangebracht, aber waren nicht zu auschweifend. Mit Ian gibt es einen direkten Bogen zum Finale des letzten Landry-Heftes und dem angeblich leeren Raum.

Ich bin zufrieden. Daniel hat einfach ein gutes Heft abgeliefert, nicht mehr und nicht weniger. Mich stört nur wieder das Einbringen des mysteriösen Mönches. Er taucht am Ende immer kurz auf und mehr erfährt der Leser nicht. Bei dieser Figur fehlt mir bis jetzt einfach der Schliff, die Motivationen. Wenn ein Gegner überall dabei ist und bei jeder Handlung alles überblickt und informiert ist, dann finde ich ihn langweilig. Der Spuk und Asmodis mischen sich auch nicht überall ein – obwohl sie es sicher könnten – sondern nur bei ausgewählten Dingen, die sie interessieren. Aber das kann ich keinem Autor an seinen Roman anlasten, sondern nur dem Autorenkollektiv für den übergreifenden roten Faden, oder was auch immer der Mönch für einen Zweck haben wird.

erstellt am 29.08.15 01:05
In diesem Roman setzt Daniel Stulgies seine Geschichte von Band 1898 fort. Der skrupellose Kuriositätensammler Richard Landry ist zwar tot, doch sein Erbe hält John und Suko weiter auf Trab.

Mehr schreibe ich nicht, außer dass es für mich der bisher beste Roman der 1900er ist. Eine klasse Arbeit des Autors. 5 von 5 Kreuzen und Dank an den Autor für seine Mühe!

erstellt am 29.08.15 22:07
Sorry, aber dieser positiven Bewertung kann ich mich nicht anschließen. Der Roman war bis Seite 22 wirklich phantastisch, dieser Geschichtenerzähler hat mir - genau wie seine Geschichte - wirklich sehr gut gefallen. Dass er irgendetwas im Schilde führt, war klar; dass er sich dann aber als blutrünstiger Dämon entpuppt, der die Familie niedermetzelt, sorry, aber das war ein Bruch.
Wie viel mehr hätte man aus dieser Figur machen können? Er hätte z.B. den Menschen eine Illisuion zaubern können, in der sie sich dann verlieren. So war das einfach nur billig.
Was auch nicht unbedingt hätte passieren müssen, war der erzählerische Schnitzer, der dem Autor unterlaufen ist. Man unterscheidet in der Erzähltheorie zwei verschiedene Erzählformen, den Ich-Erzähler und den Er/Sie-Erzähler. Bei den Sinclair-Romanen haben wir es grundsätzlich mit einem Ich-Erzähler zu tun, d.h., die Geschehnisse werden rückblickend aus Johns subjektiver Perspektive erzählt - wenn John denn anwesend ist, sonst geht das natürlich nicht.
Es muss also z.B. heißen: "Suko und ich hatten [...] abgesucht".
Bei Daniel Stulgies heißt es aber auf Seite 22 auf einmal: "John und er hatten [...] abgesucht."
Wir haben es also eindeutig mit einem Er/Sie-Erzähler zu tun, mit einem auktorialen (allwissenden oder olympischen), um genau zu sein, was man z.B. an der rhetorischen Frage auf Seite 22 merkt: "Aber wann hatte[n] sie die jemals gehabt?"
Das geht bis Seite 23; hier heißt es dann "Suko lächelte säuerlich". Ab dieser Stelle stimmt es dann wieder, die Geschehnisse werden von einem personalen Er/Sie-Erzähler erzählt, der Sukos Sicht einnimmt.

Sowas kann passieren, aber eigentlich wäre es Aufgabe eines Lektors, einen solchen Fehler zu korrigieren - finde ich.
Die weitere Handlung war dann meines Erachtens ganz in Ordnung - mehr aber auch nicht, wobei mir die Gefängnishandlung mit den Rattendämonen überhaupt nicht gefallen hat. Glücklicherweise hat sich das dann aber ja nur als Illusion herausgestellt.
Dass es im 8. Jahrhundert (also im frühen Mittelalter) Eiserne Jungfrauen in England gegeben hat, wage ich auch mal zu bezweifeln. Meines Erachtens gehören die (zumindest in Europa) in die frühe Neuzeit (also ab 1500). Urpsrünglich hatten die eisernen Jungfrauen in unseren Breitengraden auch überhaupt keine Nägel.

Klar kann man über sowas hinwegsehen - wenn einem der Roman sonst gefallen hat. Für mich ist´s aber auf jeden Fall ein Minuspunkt.

Positiv finde ich aber auf jeden Fall, dass Daniel Stulgies weitgehend auf Gewaltorgien und Leichenberge verzichtet hat.

3 von 5 Kreuzen, mehr ist nicht drin.

erstellt am 31.08.15 21:37
Anfortas schrieb:

Positiv finde ich aber auf jeden Fall, dass Daniel Stulgies weitgehend auf Gewaltorgien und Leichenberge verzichtet hat.

Na immerhin. Dann kann ich ihn ja vielleicht doch noch lesen.

erstellt am 31.08.15 21:47
leni schrieb:
Anfortas schrieb:

Positiv finde ich aber auf jeden Fall, dass Daniel Stulgies weitgehend auf Gewaltorgien und Leichenberge verzichtet hat.

Na immerhin. Dann kann ich ihn ja vielleicht doch noch lesen.


Lesen kannst du ihn in jedem Fall, der Anfang ist - wie erwähnt - echt gut. Außerdem würde mich auch die Meinung anderer Leser interessieren.

erstellt am 31.08.15 22:31
Anfortas schrieb:
Außerdem würde mich auch die Meinung anderer Leser interessieren.


Meine Meinung ist, dass Deine Kritikpunkte nicht greifen.

Ich bin mir aber sicher, die Geschichte von der entführten Königstochter zu kennen. Ich weiß nur nicht mehr, woher.

In seinen Träumen/Visionen sieht Ian eine riesige Schlange, einen Würfel und ein Buch, das eine Waffe enthält. Das ist bestimmt kein Zufall gewesen. Sehr schön.

erstellt am 01.09.15 01:23
Ich finde schon, dass meine Kritikpunkte greifen, sonst hätte ich sie nicht genannt.
Selbstverständlich kann man bei einigen Punkten anderer Meinung sein, aber den Fehler bei der Erzähltechnik kann man wohl kaum wegdiskutieren. Und auch die Sache mit der Eisernen Jungfrau ist meines Wissens historisch nicht richtig.
Sollte mir aber jemand nachweisen können, dass ich mich geirrt habe, bin ich gerne bereit, meinen Standpunkt zu revidieren.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 01:27 Uhr bearbeitet)

erstellt am 01.09.15 09:03
Ich fand diesen Roman wirklich sehr gut. Toll fand ich, dass der Roman immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart gewechselt hat. Zwar war es stellenweise etwas schwierig dem Verlauf der Geschichte zufolgen doch am Ende hat sich ja alles schlüssig aufgelöst. Das der Landry Faden weiter geführt wurde freut mich natürlich, so hat man nun endlich mehr über den entkommen Dämon erfahren. Wobei mich die Auflösung schon ein wenig überrascht hat. Trotzdem scheint Ian ein interessanter Gegner zu sein. Noch besser hat mir eigentlich der Meister aus der Vergangenheit gefallen. Dieser wirkte ziemlich bedrohlich und brutal. Gerade sie Szenen im Wirtshaus fand ich gut. Was die Schreibweise von Daniel angeht so kann ich nur sagen, dass diese top ist. Die Dialoge haben Hand und Fuß und treiben die Geschichte wirklich voran und an Ideen Mangel es ihm auch nicht. Denn die Sache mit den Illusionen fand ich gut. Wobei sich hier dann doch in meinen Augen eine kleine Ungereimtheit eingeschlichen hat. Wieso gelingt es Ian John eine Illusion aufzuzwingen während dieser sein Kreuz trägt und wie schafft er es, dass er sein Kreuz dann freiwillig ablegt. Bei Suko ist es ja genau umgekehrt erst als er das Kreuz trägt erkennt er die Illusion.

Auf Grund dieser kleinen Ungereimtheit reicht es auch nicht ganz für eine Top-Bewertung. Aber für ein sehr gut mit Tendenz zum top.

Was den Mönch am Ende des Romans betrifft, so habe ich ja meine eigene Theorie. Vielleicht ist Ian's Meister ja der ominöse Mönch, so hätte man hier in diesem Roman schon unbewusst etwas über Ihn erfahren. Aber vielleicht ist alles auch ganz anders.


Anfortas schrieb:
Ich finde schon, dass meine Kritikpunkte greifen, sonst hätte ich sie nicht genannt.
Selbstverständlich kann man bei einigen Punkten anderer Meinung sein, aber den Fehler bei der Erzähltechnik kann man wohl kaum wegdiskutieren. Und auch die Sache mit der Eisernen Jungfrau ist meines Wissens historisch nicht richtig.
Sollte mir aber jemand nachweisen können, dass ich mich geirrt habe, bin ich gerne bereit, meinen Standpunkt zu revidieren.


Du sollst deinen Standpunkt ja nicht revidieren. Doch änhlich wie Vogelmädchen finde ich, dass das schon Kritik auch hohem Niveau ist. Mich stört es zum Beispiel gar nicht ob die Erzählformwechsel oder nicht. Hauptsache das was geschreiben wird macht Sinn. Und ob es die Eiserne Jungfrau damals schon gab oder nicht hat für mich keinen Einfluss auf die Bewertung eines Romans.

erstellt am 01.09.15 16:47
Die Kirik ist für mich immerhin nachvollziehbar und die Fakten stimmen. Ich fand das nicht so schlimm.

erstellt am 01.09.15 20:00
Wenn euch der Roman besser gefallen hat, ist´s ja in Ordnung. So richtig schlecht fand ich ihn ja auch nicht. Ich bin halt eher ein Fan des subtilen Horrors.

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