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Thema: 1992 Armee der Werwölfe
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erstellt am 13.09.16 18:18
Was kommt dabei heraus, wenn zwei sehr unterschiedliche Autoren einen Roman zusammen schreiben? Michael mit seinen sehr bodenständigen Handlungen und Florian mit seinen sehr epischen Abenteuern.

Fangen wir mit der Hälfte der Geschichte an. Diese muss ich in die Handlungen um das Geisterjägerteam und Morgana unterteilen. Bei John in London geht die Sache sehr langsam los. Es passiert nicht viel, bis es dann in die Mongolei geht. Bei Morgana ist da schon wesentlich mehr los. Ich nehme an, diese Passagen wurden von Michael geschrieben, vor allem weil eine alte Bekannte wieder auftaucht. Mir gefallen die Szenen mit Morgana wesentlich besser als die mit John. Ihr Krieg gegen die anderen Werwölfe und ihre Suche nach unfreiwilligen Verbündeten. Wunderbar. Kann man nur loben.

Auch als es in der Klonfabrik von Lykaon actionreich dem Finale entgegen geht, habe ich mit dem dynamischen Team aus Werwölfin und Werwolfsjägerin mitgefiebert. Die Dialoge und der Humor haben meinen Geschmack getroffen. Bei den beiden bleibt der Weg auch bis zum Schluss klar. Einbrechen, die Anlage sabotieren und dabei so viele Gegner wie möglich töten. Dann schnell wieder raus. Simpel, aber spannend.

Ich möchte jetzt nicht schreiben „bei Florians Texten“, weil ich nicht weiß, wie viel Michael Anteil an den Szenen mit John und Suko hatte. Aber bei diesen Passagen bleibt es leider nicht simpel. Es wird immer mehr eingebaut und im Gegensatz zu den Morgana-Passagen habe ich hier auch direkte Aufregerchen gefunden. Wenn man schon menschliche Söldner beschäftigt, warum nehmen die John dann nicht gefahrlos das Kreuz ab? Warum nimmt man Suko seine Gegenstände nicht ab? Suko wird wenigstens mit Handschellen gefesselt. Warum nicht auch John? Weil das für den Handlungsfortgang wichtig ist. Weil man mit John und Suko spielen wollte. Trotzdem dämlich. Wieder einmal haben die Bösen eine Chance, den Geisterjäger zu töten. Und nutzen sie nicht, weil man ihn lieber leiden lassen möchte. Selbst wenn man John alle seine Freunde nimmt bezweifle ich, dass er Suizid begeht. Seit ungefähr vier Jahrzehnten verzichten Gegner jetzt schon darauf, John bei perfekten Gelegenheiten schnell zu töten, weil sie ihn lieber leiden lassen wollen. Sie werden es wohl nie lernen.

Toky Pee als doppelzüngige Harpyie und Dienerin von Lykaon fand ich noch gut. Die ganze Klonanlage nur als Falle für John laufen zu lassen dann schon dämlicher. Aber in Ordnung, kann ich hinnehmen. Schließlich taucht Corinfelia auf und es war mir zu viel. Hätte man es nicht bei einem simplen Konzept lassen können? Team Morgana+Team Sinclair gegen Team Lykaon. Bei der Mordliga damals haben die Mitglieder auch oft solo ihr Ding gemacht ohne dass immer jemand anderes von der großen Besetzung mitgemischt hat. Und dann noch Asmodis. Um einen Charakter gegen einen anderen Charakter auszutauschen. Hier erkenne ich die Handschrift von Florian, der für mich erneut übertreibt. Und ich werde nicht aufhören, diese Art von Romanen abzustrafen. Das tut mir für Michael Leid.

Falls ich die Aufteilung der Handlungsfäden unter den beiden Autoren richtig deute, hat sich meine Meinung über sie inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Michaels Beiträge fand ich anfangs nur solide, Florian erste Geschichten haben mich begeistert. Hier würde ich für die Morgana-Texte eine Topnote vergeben. Das hektische Finale zieht die Wertung auf ein schwaches Gut runter. Florian Hilleberg spaltet sie Leserschaft. Die einen mögen seine Kracher, die anderen nervt es einfach nur.

erstellt am 18.09.16 11:32
Das Gleichgewicht schrieb:
Toky Pee als doppelzüngige Harpyie und Dienerin von Lykaon fand ich noch gut. Die ganze Klonanlage nur als Falle für John laufen zu lassen dann schon dämlicher. Aber in Ordnung, kann ich hinnehmen. Schließlich taucht Corinfelia auf und es war mir zu viel. Hätte man es nicht bei einem simplen Konzept lassen können? Team Morgana+Team Sinclair gegen Team Lykaon. Bei der Mordliga damals haben die Mitglieder auch oft solo ihr Ding gemacht ohne dass immer jemand anderes von der großen Besetzung mitgemischt hat. Und dann noch Asmodis. Um einen Charakter gegen einen anderen Charakter auszutauschen. Hier erkenne ich die Handschrift von Florian, der für mich erneut übertreibt.


ich fands auch wieder mal total übertrieben. zwischendurch muss mal ne ganze tankstelle explodieren, kleiner gehts nicht. eine armee von werwölfen reicht natürlich auch nicht als kanonenfutter für John, da werden nebenbei auch einfach mal so noch 5 kreaturen der finsternis vernichtet, die sind anscheinend auch nichts besonderes mehr.

Corinfelia und Asmodis hät für sich genommen ne schöne, andere geschichte sein können.

mit Morgana, Aleks, John und Suko, Lyakoon und dann noch Toky Pee waren genug doch schon figuren im spiel. wenn das nicht reicht, weiß ich auch nicht. und Dara und Michail waren auch noch da, sind aber auf dem schiff geblieben und waren abgemeldet.

so gefällt mir das auch alles nicht mehr wirklich. mehr wie 3 von 5 kreuzen geb ich nicht. bis zur tankstelle war der roman noch gut. schade.

erstellt am 18.09.16 12:24
Ariane schrieb:
mehr wie 3 von 5 kreuzen geb ich nicht. bis zur tankstelle war der roman noch gut. schade.

Nach guter alter gruselromane.de-Definition sind 3 von 5 Kreuze aber doch genau das - gut.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 12:26 Uhr bearbeitet)

erstellt am 18.09.16 12:53
El Sargossa schrieb:
Ariane schrieb:
mehr wie 3 von 5 kreuzen geb ich nicht. bis zur tankstelle war der roman noch gut. schade.

Nach guter alter gruselromane.de-Definition sind 3 von 5 Kreuze aber doch genau das - gut.


na, dann hat Florian aber noch mal Glück gehabt

komisch ist halt, vielleicht 90 % aller JS fangen gut an.

erstellt am 18.09.16 21:29
In jedem Beginn liegt ein Zauber....

erstellt am 19.09.16 07:40
Ob Absicht oder Zufall, ein "Gimmick" am Anfang hat mir sofort gefallen. Der Roman beginnt bei Vollmond. Und wanderte man in den Nächten nach seinem Erscheinen durch die Straßen erstrahlte ein - Vollmond. Sehr schön. Wie tatsächlich der Auftakt des Heftes gelungen ist, auf beiden Handlungsebenen, sowohl wie Werwolfjägerin Aleksandra in Schottlands Aberdeen in einen Hinterhalt gerät, wie auch gekonnt launig beschrieben ist wie John Sinclair von einer nächtlichen Anruferin gestört wird. Kleine Details aus dem menschelnden Privatleben des Geisterjägers ("Zwei Flaschen Bier, ein aufgewärmtes Essen von Shao und eine alte Action-Komödie mit Jean-Paul Belmondo." ) sind immer wieder schön.

Viel passiert dann allerdings nicht in der ersten Hälfte des Romans (oder es wird nicht packend genug beschrieben), was den Autoren auf Seite 24 vielleicht selbst bewusst wurde: "Die nächsten Tage waren geprägt von bemerkenswerter Ereignislosigkeit". Die zweite Hälfte spielt in der Mongolei und man bekommt anhand der atmosphärischen Beschreibung den Eindruck, dass einer der Autoren schon mal seinen Urlaub in diesem, einem der "faszinierendsten Länder, die ich bisher in meinem Leben habe kennenlernen dürfen" (Originalton John), verbringen durfte.

ACHTUNG SPOILER
Hier soll eine Fabrik, in der Werwölfe geklont werden, nun von zwei Teams, die allerdings nichts voneinander wissen, lahmgelegt werden. Während John und Suko schon auf dem Weg zur Fabrik in eine Falle laufen, sind Aleksandra - eine der interessantesten neueren Charaktere bei JS - und Morgana, die so etwas wie eine Zwangsgemeinschaft bilden, zunächst erfolgreicher. Und ihr Gekappel und Geflaxe macht in dem Roman auch am meisten Spaß. In einem Roman, der in einem fulminanten Actionfinale endet, nachdem schon zuvor einige durchaus harte Detailbeschreibungen je nach Lesergeschmack überraschen/schockieren konnten - Horror (Splatter?) statt Grusel.
Dass Corinfelia dabei behauptet, die ganze Anlage sei nur entstanden, um John in eine Falle zu locken, ist natürlich nur ihre übertriebene Beschreibung der Dinge, Fabrik-Erbauer Demeter alias Lykaon sieht das durchaus anders. Und steht, nachdem ihn Sukos Dämonenpeitsche am Arm getroffen hat, im Mittelpunkt einer der eindrucksvollsten (und im Gedächtnis haften bleibenden) Szenen des Romans.
Obwohl ich durchaus die "kleineren Fälle der Woche" schätze, fand ich dass Aufgebot an Dämonen etc. bis zu Asmodis nicht zu "groß", sondern durchaus passend, Auftakt und Finale waren für mich die Highlights dieses Abenteuers.
ENDE SPOILER

Auch dass mal wieder die Chance vertan wurde, John einfach und final aus dem Weg zu schaffen, mag zwar eher unverständlich (aus Sicht eines nur an Effizienz interessierten Wesens) bleiben, aber gehört spätestens seit James Bonds "Dr. No" zur normalen Serial-Struktur. Die Bösen wollen es halt immer rauszögern, wollen quälen und nochmal ihren genialen Plan erklären. (Wieviele Serienhelden wären sonst schon längst kurz, schnell und schmerzhaft abgetreten...)

Übrigens: Angesichts der Diskussion über das "freizügige" Cover des baldigen Bandes 2000 gab es ja u.a. auch das Argument, solche Titelbilder würden (Sexismus hin oder her) schlicht nicht zum Inhalt der Gruselserie passen. Hier zumindest hätte es gepasst! "Ihr nunmehr entblößtes Hinterteil leuchtete hell im Mondlicht" oder "... und entblößte viel von ihrer bleichen Haut. Ich sah einen schwarzen Slip, und eine Brust lag komplett frei" heißt es an zwei Stellen. Das Cover ziert allerdings ein (nackter) Werwolf, der aus seinem Kloningtank steigt.

Natürlich wäre es interessant zu erfahren, wie der Plot entstanden ist - und welche Seiten welcher der beiden Autoren geschrieben hat. Man hat zwar immer so seine Vermutungen, kann sich da aber gewaltig verspekulieren. Ich selbst bevorzuge bei JS eigentlich eher die kleineren gruseligeren Fälle (aus der Anfangszeit der Coautoren fallen mir z.B. spontan Eric Wolfes grandioser "Dämonen der Angst", Breuers "Friedhof der Kopflosen" oder Timothy Stahls unvergesslicher "Das Dorf aus dem Jenseits" ein), finde aber - der Mix und die Abwechslung machts - auch mal große Horror-Action lesenswert. Hier hätte ich mir etwas durchgängigeren Humor (so wie in den Morgana/Aleks-Szenen) und einen strafferen oder atmosphärischer gestalteten Mittelteil gewünscht. 3,5 von 5 Kreuzen.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 07:41 Uhr bearbeitet)

erstellt am 20.09.16 07:59
Wer wissen möchte, was Okypete, die Harpyie, weiter anstellt, kann gleich zum nächsten JS 1993 von "El Sargossa" Marques greifen. Was wieder zeigt, wie eng die Coautoren inzwischen zusammenarbeiten.

@El Sargossa
Ich dachte bezüglich der 5 Punkte-Bewertung, dass die 5 Top bedeutet, 0 Punkte ganz mies, was also hieße (in Schulnoten), dass 3 Punkte auch eine drei wäre, also nicht mehr richtig "gut", sondern "befriedigend". "Gut" wären dann vier Punkte...?

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 08:07 Uhr bearbeitet)

erstellt am 20.09.16 08:19
Ariane schrieb:
komisch ist halt, vielleicht 90 % aller JS fangen gut an.


Das ist wirklich auffällig! Als wenn sich beim Anfang und zu anfang die meiste Mühe gegeben wird. Und dann kommt die Zeitnot, der Platzmangel - und das Finale wird hingeschludert. Und der Leser hat das Gefühl, das Finale wird zu schnell, zu kurz abgehakt.

Das Gefühl hat man tatsächlich bei vielen Heftromanen, aber ich finde, NICHT BEI DIESEM, bei dem gerade Auftakt und Finale gelungen sind. Vielleicht haben die Autoren es so gehandhabt wie ein berühmter Thrillerautor, der auch nach normierten Seitenvorgaben schreiben musste und ganz besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der ersten und der letzten Seiten seiner Romane legte. Nach dem erklärten Prinzip: "Ein gelungener Auftakt verkauft diesen Roman, ein gelungenes Finale den nächsten..."

erstellt am 20.09.16 08:57
Dieser Roman hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Die Story um die Werwolffehde zwischen Fenris und Lykaon wird hier gut weiter geführt. Toll war die Einbindung der Werwolfjägerin Aleksandra. Aber auch die Zusammenführung der bisherigen Ergebnisse ist gut gelungen. So erhält man nun die Antwort darauf warum die Werwölfe aus dem Zweiteiler um den Stamm der Berserker alle gleich aussahen und was im Koffer war den Lykaon von Matthias erhalten hat. Auch die Einbindung der letzten Harpyie ist gut gelungen. Die Kritik, dass hier am Ende wieder zu viele Gegner auf einmal aufgetaucht sind, kann ich nicht teilen. Im Gegenteil, dass Asmodis auftaucht und Corinfelia vernichtet kam für mich völlig unerwartet, passte aber in den Verlauf der bisherigren Ereignisse gut rein. Auch die Behauptung, dass John absichtlich in die Klonfabrik gelockt wurde stört mich nicht weiter. Auch hier bin ich der Auffassung, dass dies eine gezielte Aktion des Mönchs war. Denn bisher weis man ja immer noch nicht genau welches Ziel er eigentlich verfolgt. Das es der Tod von John ist glaube ich eher weniger. Ich denke die Ziele liegen ganz wo anders. Es scheint ja auch nicht wichtig zu sein, wer zu den dunklen Eminenzen gehört hier schein wohl eher die Anzahl eine Rolle zu spielen.

Mich hat der Roman wirklich Top unterhalten. Wobei mir beide Schreibstile sowohl von Michael Breuer als auch von Ian Rolf Hill gleich gut gefallen haben. Wenn gleich ich auch nicht hundertprozentig sagen kann welche Stellen von wem sind, so stelle ich mal folgende Vermutung an:

Der Anfang der Story stammt von Michael Breuer. Ian Rolf Hill hat dann den Part mit der Ankunft in der Mongolei geschrieben. Bei den Szenen in der Klonfabrik haben dann beide ihre Parts hinzugesteuert.

Wie gesagt mich hat der Roman total überzeugt und bekommt deshalb von mir auch ein Top.

erstellt am 20.09.16 15:24
Den ersten Kontakt zu Herrn Hills Romanen hatte ich mit Maddrax 429. Viele seiner Nebensätze begannen dort mit "denn". Auch der Handlungsstrag mit dem Sinclair-Team weist viele dieser denn-Sätze auf, wobei der andere Handlungsstrag um die Werwolfjägerin wiederum viele Nebensätze aufweist, die mit nämlich beginnen. Aber egal, nach den letzten beiden Katastrophenromanen, war es wirklich eine Spannende Geschichte. Viele offene Fragen zu Beginn der Handlung, die nach und nach beantwortet werden. Für mich ein sehr guter Roman auf hohem Niveau. Daher auch keine Kritik von meiner Seite, abgesehen von den vielen erklärenden "denn-Sätzen", die manchmal etwas nerven.

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