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Thema: 1104 Das glimmende Reich
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erstellt am 19.09.16 09:08
Dass der Titel des aktuellen Zamorra schon vom Klang her an den Vorgänger "Die tickende Stadt" erinnert, ist kein Zufall, setzt "Das glimmende Reich" doch direkt die grandiose Nummer 1103 von Adrian Doyle (alias Manfred Weinland) fort, der angekündigt hat, in diesem zweiten Teil nun einige der von ihm seit längerem gesponnenen Handlungsfäden zu einem Abschluss zu bringen.

Als erstes fällt natürlich wieder das geschmackvolle, in dem inzwischen typischen Zamorra-Farbton gestaltete Cover auf. Wobei ich mich immer frage, was den spontanen Kioskkäufer eigentlich eher zugreifen lässt: ein comicartiges Titelbild wie beispielsweise das eines alten Zamorra-Heftes wie Nr. 280 (das ich gerade in Händen hatte: ein Teufel im Schwert/Peitschenkampf mit dem Professor), ein trashiges und explizites wie das der kommenden John Sinclair Nr. 1993 - oder eben die kleinen Kunstwerke die vor allem in letzter Zeit Zamorra zieren?

Auf der LKS "Zamorras Geisterstunde" spricht Susi zwei/drei eigentlich miteinander zusammenhängende, wohl öfter geäusserte Kritikpunkte an: die verschiedenen Themen der einzelnen Autoren (und dass man manchmal lange auf die Fortführung eines solchen warten muss), sowie (deshalb) eingebaute (nötige) Rückblenden - und eventuelle Fußnoten, die auf ältere Bände verweisen. Diese Fußnoten hält Susi aber (zumindest direkt am Text) eher für störend (anders als die John-Sinclair-Coautoren-Redakteurin, die diese ja öfter einsetzt), jedes Heft solle zudem - auch durch eingebaute Zusammenfassungen - für sich verständlich sein. Susi überlegt aber, ob man nicht auf der Leserseite solch zusätzliche Info, für die, die etwas direkt nachlesen wollen, bringen sollte. (Was ich persönlich klasse fände, wobei mich aber auch Fußnoten im Text nicht stören, da sie mir nicht den Eindruck vermitteln, wie von Susi befürchtet, man müsse zwangsläufig nun auch diese genannten Hefte zum Verständnis lesen.)

Der Roman selbst beginnt wie der Vorgänger wieder höchstspannend. Einer der Sklaven, die von Leonardo de Montagne gezwungen wurden, Gänge unter der Burg zu graben (die Jahrhunderte später Zamorras Schloss sein wird), ist geflüchtet - und hat einen schweren Gegenstand mitgenommen. Im auf der Spur sind jedoch mondbleiche Krieger auf knöchernen Sturmrössern...

In der Gegenwart wird direkt an 1103 angeknüpft: Das seltsame Haus in Paris stellte ja plötzlich wie ein Tor in die Vergangenheit eine Straßenszene aus alter Zeit auf seiner Fassade dar. Und ein Kämpfer des Antiterrorkommandos war bereits in diese Szenerie, die man wie auf einem 3D-Bildschirm betrachten kann, hineingesogen worden. Nicole folgt ihm. Während Zamorra in dem von sonst niemanden zu betretenden Teil des Hauses nun auf lebende (?) Bewohner trifft...

erstellt am 19.09.16 12:12
@Susie
Sorry, ist mir zu spät aufgefallen, dass ich das abschließende e in Deinem Namen aus Gewohnheit unterschlagen hab. Auf der Zamorra-LKS-Seite habe ich heute noch einen Leserbrief direkt an Dich gerichtet.

erstellt am 20.09.16 10:16
Wieder ein phantastischer phantastischer Roman von Adrian Doyle. "Das glimmende Reich" entfaltet dabei eine ähnliche Wirkung wie der wunderbare Kompass, den Michel de Nostredame geerbt hat, der Roman lässt einen nicht mehr los, nimmt einen gefangen und bestimmt plötzlich den ganzen Tagesablauf dessen, der ihn in die Hand genommen hat.

Nach dem Auftakt in der Zeit von Zamorras fiesem Vorfahr Leonardo de Montagne, dem der Sklave Besançon zu entfliehen versucht, pendelt der Roman erneut zwischen zwei (oder drei?) Zeitebenen und beschreibt höchstspannend Nostredames weiteren, von dem Kompass bestimmten Weg Richtung Paris, um zu den nicht weniger packenden Ereignissen in dem seltsamen Haus, in dem Zamorra nun gefangen scheint, umzuschalten - und zu Nicole, die in eine altertümlich wirkende Straßenszene gesogen wurde, und nach einem Niederschlag anscheinend auch - aber zu welcher Zeit ? - in das sonderbare Haus geholt wird.

Bei diesen Szenenwechseln zeigt Doyle einmal mehr nicht nur sein stilistisches Können, sondern auch seine Vielseitigkeit. Hatte er noch vor einiger Zeit einen Roman abgeliefert (PZ 1098 "Ein Engel von Jenseits der Nacht" ), der ohne Schnitte auskam und seine beiden Handlungsebenen geschlossen nacheinander abarbeitete, zeigt er sich hier als Meister des Cliffhanger-Kapitel-Endes. Nur drei Beispiele: "Ganz langsam zog sich die Helligkeit von de Nostredame zurück, ganz langsam, fast genüsslich, blies der Riese ihm das Lebenslicht aus. STERNCHEN"..."Wenn ihr mir folgen wollt. Ihr werdet sehen, sie ist unversehrt. Äußerlich zumindest." STERNCHEN... "Sie lügt, lügt, lügt! Wann bringen wir sie endlich um, Papa?" STERNCHEN...

Und es folgt auf den Cliffhanger nicht - wie bei manch anderem Autor - der höchst umständlich geschilderte Ablauf einer Nebensächlichkeit um den Leser nur hinzuhalten, der eigentlich schnellstens weiterblättern möchte, nein, in der Szene, zu der geschnitten wird, geht es ebenso interessant weiter, bis der Leser auch hier wieder selbst vor Spannung gepackt an einer Klippe hängt... Grandios.

ACHTUNG SPOILER
Ein Höhepunkt ist dabei natürlich die Szene, in der de Nostredame in die Hände eines sadistischen Schmiedes gerät und ihm seine noch frische Gabe in Zukunft und Vergangenheit zu blicken, zum Verhängnis werden könnte. Aber Doyle braucht nicht solch drastische Vorgänge, um auch an anderen Stellen ein Gefühl von (alb)traumhaftem Suspense, märchenhaftem Staunen zu erzeugen. "Welch aufwühlende Geschichte, die ebenso gut ein finsteres Märchen hätte sein können." heißt es an einer Stelle. Wie wahr!

Wobei es für mich auch Kritikpunkte gibt, die manchmal gar nichts mit dem Plot oder Doyles Können selbst zu tun haben, sondern mit dem Verhalten der Personen, die sich längst als Persönlichkeiten verselbstständigt haben. So enttäuscht es mich, dass Nostradamus es schlicht vergisst, nach den langen Gesprächen, die sie geführt haben, sich wieder bei Besançon zu melden.
Oder wie sehr der Professor von dem grotesken Haus vereinnahmt wird, dass er über die toten und dann wieder lebenden Menschen (?) so stark verwundert ist. Immerhin ist er im eigenen Schloss durch Pauls ehemaliges Schicksal an solche Absonderheit doch eigentlich gewöhnt.
Schade als Leser finde ich es, dass eine solch interessante Figur wie Besançon wohl leider nicht weiter eine Rolle spielen kann.

Und etwas ist mir tatsächlich noch nicht klar: War das Haus nun "eine verdammte Zeitmaschine" wie Onyx meint, oder speicherte es "nur" vergangene Zeit, dass Nicole, wie Zamorra vermutet, mit dem Antiterrorkämpfer lediglich in eine Art Aufzeichnung geraten war?
Für ersteres spricht ja, dass Zamorra Nicole IM Haus bei Besançon in der Vergangenheit "gesehen" hat (selbst wenn das vor dem Haus nur eine "Aufzeichnung" gewesen sein sollte), für letzteres aber, dass Besançon sie ja als Ersatz für seine Frau haben wollte - und die war ja erst in der Jetztzeit von der Polizei erschossen worden (PZ 1103). Die Szenen mit Nicole im Haus, in das Besançon sie ja aus der vergangenen Straßenszene holte, müssen also Jetztzeitszenen sein. Deshalb nochmal die Frage: Wie konnte Zamorra Nicole mit Besançon im Haus in der Vergangenheit sehen?
ENDE SPOILER

So finde ich, dass die Nicole-Handlung zum Schluss etwas zu kurz abgehandelt wird, auch wie sie und der Soldat zurückkommen, erfahren wir ja nur durch ein Gespräch.
Wer übrigens erwartete (befürchtete oder gar gehofft hat), dass Doyle nun seinen Handlungsfaden fertig geklöppelt oder verstrickt hat und sich nun einem ganz neuen Plotschal zuwenden kann, wird sich je nach Einstellung freuen oder enttäuscht sein.

Zwar wurde ein Rätsel "gelöst", doch wie in einer Matrjoschka steckt in der Lösung das nächste Rätsel. Nicht nur: Was wird aus Nele? Und was ist mit Nicolaus? Der sense-of-wonder bleibt gewahrt, ich freue mich auf die nächsten Doyles, auch wenn ich mich jetzt wohl erstmal in Geduld üben muss.

Für "Das glimmende Reich" auf jeden Fall 4,5 von 5 Punkten.

Für alle, die nicht regelmäßig Zamorra lesen (ich weiß, seltsame Vorstellung, aber es gibt halt auch Sonderbares im wirklichen Leben), nochmal der Tipp: "offiziell" war PZ 1103/1104 als Zweiteiler angekündigt, eigentlich war es jedoch ein Dreiteiler innerhalb Adrian Doyles komplexen Erzählstrangs. Man nehme am besten noch Zamorra 1096 "Nostradamus" hinzu und lese diese drei grandiosen Teile eines Ganzen am Stück.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 10:25 Uhr bearbeitet)

erstellt am 20.09.16 22:26
Irrtum meinerseits. Martin Weinland hatte nicht angekündigt in diesen ZWEI BÄNDEN einige Stränge zum Abschluss zu bringen, sondern in den nächsten ZWEI DOPPELBÄNDEN! Von denen dieser Zweiteiler erst der erste Doppelband war.
Schon deshalb ist natürlich noch vieles offen geblieben...

erstellt am 21.09.16 02:05
Warum Manfred dies unter einem neuen Pseudonym ankündigt?

Abwarten und PZ lesen...

erstellt am 21.09.16 07:10
Upps, es war schon spät... Sorry, Michael äh Moritz äh MANFRED!

erstellt am 21.09.16 08:23
corto feldese schrieb:
Upps, es war schon spät... Sorry, Michael äh Moritz äh MANFRED!


Du darfst mich Moriarty nennen. Das Prof lass mal weg.

Davon abgesehen: Wie könnte ich jemand böse sein, der mich - beziehungsweise meine Werke - so hochleben lässt?

erstellt am 21.09.16 08:26
"Wer übrigens erwartete (befürchtete oder gar gehofft hat), dass Doyle nun seinen Handlungsfaden fertig geklöppelt oder verstrickt hat und sich nun einem ganz neuen Plotschal zuwenden kann, wird sich je nach Einstellung freuen oder enttäuscht sein."

Von Letzteren gibt es sicher genug. Aber das bringt mich nicht aus dem Gleichgewicht.

Weiter geht's übrigens bereits mit den Bänden 1109 "Der sphärische Junge" und 1110 "Äon", an denen ich gerade klöppele.

erstellt am 21.09.16 10:47
Freut uns - aber klöppel doch bitte auch an BE weiter
Oder ich hetz Sobek auch dich und ich habe zudem eine sehr gute Anwältin, die dich überreden kann.

Tässchen Kaffee, Miss Dean?

erstellt am 24.09.16 08:58
Ich konnte den Roman nicht mehr aus den Händen legen, musste ihn in einem Rutsch lesen. Spannung pur, 1A Qualität.

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