Suche
Beitrag User
 
 
Thema: Bekenntnisse eines Heftromanlesers
| |

Antworten zu diesem Thema: 0

 
Zurück
Weiter
1


erstellt am 19.12.16 13:29
Ich bin eigentlich schon lange kein Heftromanleser mehr, aber so ganz losgelassen hat mich das Thema auch nie. PZ habe ich Ende der 80er Jahre sehr intensiv gelesen, aber ab den 90ern hat sich das dann leider irgendwie aus Zeitmangel verlaufen.

Es würde mich schon mal reizen, nach so langer Zeit wieder in PZ reinzulesen. Ich muß nur noch etwas Zeit und Gelegenheit finden, was gar nicht so einfach ist.

Was ich aber fragen wollte ist folgendes:

Es war im Sommer 1987, da war ich in der 9. Klasse und habe meinen ersten PZ-Roman gelesen: Nr. 329 - Astaroths Höllenbote. Ich war von den Figuren so begeistert, daß ich mit einem Klassenkameraden kurzerhand beschlossen habe, daß jeder von uns übers Wochenende einen kleinen PZ-Roman schreiben würde, was wir dann auch gemacht haben, obwohl wir vom Zamorra-Universum absolut keine Ahnung hatten. Die Woche darauf hat dann jeder den Roman des jeweils anderen gelesen.

Ich habe meine Kurzgeschichte all die Jahre als Erinnerung aufgehoben und zwischendurch immer wieder mal gelesen. Schreibstil und Handlung sind natürlich ziemlich dilettantisch und naiv, aber lustig und kurzweilig finde ich die Story allemal. Ich kann mich jedesmal schieflachen, wenn ich meine Erzählung aus den 80er Jahren lese. Das ist fast schon eine kleine Heftroman-Parodie geworden.

Soll ich die Geschichte hier ins Forum reinstellen? Ich dachte mir, ich frage vorher nach, denn ich muß die Geschichte erstmal abtippen, und wenn das keinen interessiert, dann brauche ich das nicht zu machen.

Ihr seht, ich suchte Zeit meines Lebens,
gute Literatur vergebens.

So las ich Horrorschund en masse,
einiges davon war ziemlich kraß.

Die Leidenschaft war schnell entdeckt,
ich hatte richtig Blut geleckt.

Professor Zamorra war mein Traum,
beim Lesen hielt mich nichts im Zaum.

Ich liebte auch den Dämonenkiller.
Fack Ju Göhte, Fack Ju Schiller.

Wer braucht schon diesen alten Mist,
wenn er ein Heftroman-Liebhaber ist?

Ich hegte dunkle Phantasien,
und konnte ihnen nicht entfliehen.

Würden Psychologen meine Texte lesen,
dann wär's mit mir schnell aus gewesen.

Sie würden mich stundenlang nur tadeln,
wegsperren und die Tür zunageln.

Zwei Seelen wohnen in meiner Brust,
habt Ihr das denn nicht gewusst?

Denn Dr. Jekyll und Mr. Hyde,
sind in mir allzeit bereit.

Tagsüber, da war ich brav und nett,
doch nachts studierte ich ihm Bett,
finstere Schriften aus alten Zeiten,
sie würden mich fortan begleiten.

Aus mir ist nichts Vernünftiges geworden,
ich träumte von Dämonen-Horden,
von Lucifuges Höllenschar,
und bald war allen Leuten klar:

"Der Arme hat den Verstand verloren,
der Wahnsinn trieft ihm aus allen Poren.
Die Realität hat bei ihm nichts zu melden,
stattdessen schwärmt er von Serienhelden.
Sie hängen an ihm wie die Kletten,
da ist - weiss Gott - nichts mehr zu retten!"

So lebte ich in meiner Welt,
und opferte mein ganzes Geld,
für meine wilde Horror-Sucht,
denn ich war ganz und gar verrucht.

Jetzt wisst Ihr, wie es um mich steht,
und falls Euch bald die Lust vergeht,
meine Schauer-Phantasien anzuhören,
dann will ich Euch nicht länger stören.

Nur eines sei Euch noch gesagt,
selbst wenn mich das Gewissen plagt:
Hat mich der Horror auch verzückt,
ich bin beileibe nicht verrückt.

Ihr werdet es zwar nicht verstehen,
doch meine Meinung bleibt bestehen:
Horror-Fans, die sind normal.
Ihr glaubt mir nicht? Mir doch egal!

Und falls Ihr mir die Frage stellt:
Wer ist verrückt in dieser Welt?

Ich würde sagen: Alle Wesen,
außer die, die Horror lesen,
da Normalität nur jemand genießt,
der regelmäßig Horror liest.

Grüße
Baron Nicolas de Conde

Zurück
Weiter
1

Top

Sie interessieren sich für unsere aktuellen Meldungen? Hier finden Sie die neuesten Informationen rund um unsere Verlagsprodukte.
mehr ...
 
Hier finden Sie wichtige Informationen und Hinweise zur Registrierung und der Struktur des Bastei Forums.
mehr...
Content Management by InterRed