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Thema: 2030 Hinter Mildreds Tür
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erstellt am 08.06.17 18:59
Wieder denke ich an die Horror Factory. Marcs Hommage an Horrorfilme und -bücher der 70er und 80er hätte dort perfekt gepasst. Die Geschichte hätte mir dort sogar besser gefallen, weil man dort nicht an ein Ende gebunden gewesen wäre. Bei diesem Fall der Woche ist klar, dass der Gegner am Ende von John vernichtet wird.

Die Geschichte ist sehr klassisch. Da gibt es als erstes Opfer zum Beispiel einen Milchmann. Wo ich mich frage, ob es diesen Beruf heutzutage eigentlich noch gibt. Egal, das krisselige Bild der Schauergeschichte ist recht schnell gefestigt. Und weil sie nicht trashig ist hat mir das gut gefallen. Nach den letzten epischen Romanen ist ein simplerer Fall genau richtig. John spielt im ersten Drittel der Handlung auch gar nicht mit. Danach wird er aktiv, bleibt für mich aber eher eine Nebenfigur, die erst zum Finale als Sohn des Lichts den Tag rettet.

Da ihm der Zufall bei jedem wichtigen Schritt zu Hilfe kommt, hat er eh nicht viel zu tun. Er wird in ein Krankenhaus gerufen, weil ein Patient von einem unbekannten Tierbiss infiziert wurde. Eigentlich ein Fall für die Seuchenbehörde und keinen Geisterjäger. Er hat von „seltsamen Augen“ seines Angreifers gesprochen, aber das kann auch Fieberwahn sein. Besonders einfallsreich ist diese Erklärung nicht, aber gut. John untersucht den Infizierten, der genau jetzt erwacht und ihn auf die nächste Spur bringen kann. Also taucht John einige Zeit später direkt am Ursprung des Bösen auf. Und wird zufällig Zeuge, wie dort das nächste potentielle Opfer attackiert wird. Hinter einer breiten Verandatür aus Glas. Damit er auch ja einen guten Blick auf die Szene hat und direkt losstürmen kann. Als zum Schluss der Gegner der Woche besiegt ist, hat man fast die infizierte Katze vergessen, die noch irgendwo herumstreunen muss. Keine Sorge, die greift an, als John in unmittelbarer Nähe ist, damit er auch die letzten Überbleibsel des Falles erledigen kann. Easy.

Wie gesagt, für mich war der Geisterjäger hier nicht interessant. Oder gar nötig. Die Geschichte des Hauses, Mildred Beatty oder wie ihr Neffe in die Geschehnisse verwickelt wird fand ich wesentlich interessanter. Ganz grob gesagt eine altmodische Geschichte. Eine Geschichte mit Logikschwächen und offenen Fragen. Aber enorm stimmig.

Lewig glaubt seiner Tante zum Beispiel direkt die Geschichte von einem Dämon unter dem Haus, den sie füttern muss, um zu überleben. Als der Polizist zurück ins Haus kommt ist Tantchen gerade dabei neues Futter zuzubereiten, ohne den Keller abzuschließen. Wozu auch, hat in den alten Horror-Filmen nie jemand gemacht, damit man im passenden Moment ertappt werden kann. Oder Mildrets Mann. Der ist durch den Dämon plötzlich um Jahre gealtert und stirbt dann in ihren Armen. Bei der Beerdigung oder woanders fällt aber niemanden der Verwandten irgendetwas auf?

Auch eine perfekte Charakterisierung war nicht unbedingt nötig. Anfangs erscheint Mildret wie eine böse Killerin. Nachdem die Hintergründe aufgedeckt werden ist sie das arme Opfer, das nur widerwillig tut, was getan werden muss. Thelma dann aber so kaltblütig umzubringen, macht dieses Bild kaputt. Sie mag ihnen Neffen, der nun leider Zeuge der Vorfälle wurde und unfreiwillig in die Sache hineingezogen wurde. Aber sie killt seine Frau sofort ohne mit der Wimper zu zucken? Für mich hat das überhaupt nicht gepasst.

Und was ist jetzt mit dieser ganzen Infektionssache? Der Dämon entzieht seinen Opfern das Leben und stärkt sich damit. Entweder komplett, dann sterben sie. Oder wie bei den Katzen nur teilweise, damit sie wieder aufgepäppelt und nach einigen Wochen zurück geschickt werden können. Es wird nirgends erklärt, warum die entflohene Katze plötzlich schwarzmagisch besessen oder gestärkt ist. Eigentlich müsste es sich bei ihr nur um ein gealtertes und enorm geschwächtes Tierchen handeln, das seinem übernatürlichen Peiniger mit Glück entfliehen konnte. Wieso hat sie glühende Augen? Wieso überträgt ihr Kratzer irgendeinen Keim des Bösen? Auch hier gilt, völlig unwichtig, ist halt so. Wie damals bei vielen Horrorfilmen üblich.


Für echte Katzenliebhaber gibt es sicher einen Lesespaßbonus. Oder für Fans dieses „Gefühls“ der guten alten Gruselklassiker, das die Geschichte hervorragend vermittelt. Ich kann ihr nur eine solide Wertung geben. In Ordnung. Im Grunde wurde ich gut unterhalten, im Detail sind mir einige Dinge aufgefallen. Wie ich es vom Autor gewohnt bin und erwartet habe.

erstellt am 08.06.17 19:50
Das Gleichgewicht schrieb:
Thelma dann aber so kaltblütig umzubringen


Da fehlt ein "versucht", aber ich kann nicht mehr editieren. Bitte um Nachsicht.

erstellt am 10.06.17 11:50
Seicht?!
Hier trifft es meiner Meinung nach zu. Was wäre das doch für ein toller Dark… wenn er von Dark wäre! Marc liefert hier genau so etwas ab, klar es ist absolut (ent)spannend zu lesen. Aber hier genau wie bei DL liefert er nur das geforderte ab. Ich hätte gern ein bissel mehr… Wieso? Wenn ich das Heft während dem langsamen durchblättern lese und aller paar Seiten ein wenig Text mitnehme und nach 20 Minuten durch bin und mir dann auch noch sicher bin das ich nichts in der Geschichte übersehen und vergessen habe, dann ist das für mich enttäuschend?! Vielleicht bin ich ja auch einfach nur inzwischen von IRH und LD und anderen Autoren zu sehr verwöhnt worden

erstellt am 11.06.17 13:54
Den Roman habe ich noch nicht gelesen, wohl aber einen Blick auf die Leserseite geworfen.
Sollte eines Tages das Schreiben und Publizieren von Gedichten bei Strafe verboten werden, so wird dies gewiss Leuten wie Kurt Guske zu verdanken sein.

erstellt am 14.06.17 19:47
Also ich fand das jetzt nicht so schlecht. Sowohl Roman als auch Gedicht. Gut, Gedicht hatte ein paar Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Reime. Ansonsten war es doch eine nette Homage eines Fans an seine Serie.

Aber zum Roman.
Da geht es ja ganz schön ab, hinter Mildreds Tür. Menschen zerstückeln finde ich prima, Dämon im Keller okay, in der Kanalisation gefällt er mir noch ein wenig besser. Es gab eigentich keine Szene, die ich völlig furchtbar fand. Aber auch keine, die mich so richtig vom Hocker gehauen hätte.
Nicht gefallen hat mir dieser konstruierte Katzen-Umweg. Wahrscheinlich musste das ja gar nicht gruselige Titelbild irgendwie verwurstet werden. Kreuz-Reaktionen fand ich etwas seltsam, aber nicht schlimm.
Auch mir kam der Roman gewollt altmodisch vor. Die Taschentücher sind aus Stoff, alte Klamotten sind aus den 70ern?! Das stand dann schon für mich ein wenig im Gegensatz zu John, der ja eigentlich im hier und jetzt spielt. Hat das junge Ehepaar kein Handy???
Konnte man alles lesen, war in Ordnung.
3,5 von 5 Katzenbuckeln.

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