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Thema: 2032 Angriff aus der Tiefe
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erstellt am 22.06.17 18:22
Auch für seinen Meeresmonster-Roman gibt Florian sich nicht mit einem simplen Fall der Woche zufrieden. Die Geschichte beginnt schon ungewöhnlich. Bill Conolly hat einen Traum von einem Dimensionsportal und bricht gleich dorthin auf. Schließlich sucht er verzweifelt nach Übergängen, die ihn zu seinem Sohn führen könnten. Das Gebilde entpuppt sich aber als Kokon, aus dem ein beschworener Hai-Gott diese Welt betritt. Bis zum Ende wird leider nicht erklärt, warum genau Bill ausgerechnet diese Vision hatte. Es steht nur fest, dass er seit dem Konsum des Trank des Vergessens allgemein Visionen hat. Wiederum fand ich die Idee wunderbar, dass Suko als Verstärkung gerufen wird und man als Duo ohne John ermittelt. Beide Figuren sind sehr authentisch und glaubhaft beschrieben, wenn man auf die Entwicklungen der letzten Monate blickt.

Der Gegenspieler der Woche wäre mir wie gesagt schlichter lieber gewesen. Der Gott besteht aus drei Komponenten. Hai, Schlangen- oder Tentakelwesen und Mensch. Diese kann er beliebig kombinieren. Mal ist er ein Mensch mit Haikopf und Tentakelarmen, dann wieder eine Seeschlange mit Haikopf. Davon wird oft und sehr ausgefallen Gebrauch gemacht. Ohne zu trashig zu wirken immerhin, dafür ist Florina Schreibstil zu gehoben und ernsthaft. Auf der Leserseite schreibt er aber, dass er mit solchen Reaktionen schon rechnet und in seiner Darstellung lediglich der mythologischen Vorlage treu geblieben ist. Tatsächlich kann Dakuwanga sich laut Wikipedia in alles mögliche verwandeln, erscheint aber am liebsten als Mann, der vom Torso aufwärts ein Hai ist.

Auch am Part des Finning-Schiffes habe ich minimale Kritik. Ein paar Heftromanklischees müssen wohl prinzipiell leicht durchkommen. Dass die Besatzung einen Groll gegen Suko und Bill hegt verstehe ich. Auch dass man sie ein wenig mobbt. Aber dass die Leute sich plötzlich nicht nur gegen ihren Kapitän sondern auch gegen ihren einflussreichen Oberchef wenden, war mir zu übertrieben. Emotionales Austicken wie bei den darkschen Triebtätern, die plötzlich unbedingt eine Frau vergewaltigen müssen, die für den Roman zufällig wichtig ist.

Und worüber kann ich sonst so meckern? Der Stab des Buddha ist nach mehreren Stunden wieder einsatzbereit, ich dachte dafür braucht es einen Tag oder mehr. Der Haigott wird als böse Naturgewalt mit der üblichen unmenschlichen Gottmoral dargestellt. Trotzdem hasst er in einer Szene, „was aus ihm geworden ist“. Und anfangs wurde er mit einem freiwilligen Blutopfer seines Volkes beschworen, um ihn rasend zu machen. Am Ende wird er durch ein weiteres Blutopfer aber im Gegenteil besänftigt? Das sind alle Kleinigkeiten, die mir während des Lesens aufgefallen sind.


Ansonsten bin ich mit dem Roman völlig zufrieden. Bills Einführung und das Verhalten der Schiffscrew sind Makel, die den Lesespaß aber nicht abwerten. Die Darstellung des Gegners ist nicht mein Fall, aber akkurat. Es ist vorbildlich, dass ein Autor richtig Arbeit in die Recherche steckt. Ein sehr guter Fall der Woche mit ernstem Hintergrund, einfallsreichen Monster und überzeugenden Helden.

erstellt am 22.06.17 20:37
@Gleichgewicht
Nun möchte ich mich doch mal melden
Vielen Dank für die schöne Kritik.

Die Zeit, die Sukos Stab zum Aufladen benötigt wurde sehr früh innerhalb der Serie auf zwei Stunden definiert. Nachzulesen u.a. in Band 237 "Mit Mörderblick und Todeslächeln".

Dakuwanga wurde von Nazil und Vishal auf sein Geheiß hin durch ein Ritual erweckt. Dazu wurden freiwillig ein paar Unzen Blut vergossen, die den Hai-Gott entfesselten, damit er die Haimörder bestrafen konnte. Danach war seine Kraft erloschen und er musste erneut beschworen werden. Das taten Vishal und Nazil, doch sie haben durch Dakuwangas Einfluss gewusst, dass den Haien soviel Unrecht angetan wird, dass es mit ein paar Tropfen nicht getan war. Vishal tötete den Vater und Dakuwanga wurde entfesselt. Ein Gott, der blind vor Raserei und Zorn war. Ab sofort war er eine Bedrohung für alle Menschen. Er konzentrierte sich zwar zunächst auf die Finning-Typen, aber er tötete beispielsweise auch die Fischer aus dem Dorf. Einerseits um die Wunden zu heilen, die ihm Suko zugefügt hatte, andererseits, weil sein Zorn auf die Menschen, die im großen Stil Haie töteten, dass er immer mehr Blut benötigte, um seine Kräfte stetig zu erneuern. Zumal er mittlerweile ALLE Meschen für das Abschlachten seiner Kinder verantwortlich machte, auch die Bewohner des Dorfes, die viel früher hätten intervenieren müssen.
Awy ahnte, dass es so kommen würde und sie hat freiwillig nicht nur ihr Blut, sondern ihr Leben gegeben, um Dakuwanga zu besänftigen.
Nazil wurde außerdem gewaltsam von seinem Sohn und Dakuwanga getötet, Awy aber gab ihr Leben freiwillig. Für ihr Dorf, aber auch für die Haie, Dakuwangas Kinder. Allein dieses Opfer hat ihn besänftigt.

erstellt am 23.06.17 08:20
Danke für die Auskunft mit dem Stab, Herr Schriftsteller.

Beim Haitgott hätte ich es persönlich trotzdem anders besser gefunden. Wenn der Sohn den Vater unter einem Vorwand aufs Meer gelockt und heimtückisch ermordet hätte, um den Gott zu beschwören. Eine böse Tat, um seine dunkle Seite zu erwecken.

Die Tochter hätte freiwillig ihr eigenes Blut gegeben, um ihn zu besänftigen. Eine gute selbstlose Tat, um seine gute Seite hervorzubringen.


Oder irgendwie sowas. Aber das ist ja Autorenfreiheit.

erstellt am 23.06.17 21:45
Flo, Du hier und nicht in Hollywood?!
Von mir folgt noch was ausführliches, bin jetzt bei der Hälfte.

erstellt am 25.06.17 22:09
Auch mir hat der Roman gut gefallen. Nicht die absolute Begeisterung wie beim Angriff auf das Kloster, aber durchaus wunderbar zu lesen.
Positiv ist für mich natürlich Bill! Unser lieber Bill. Am liebsten hätte ich ihn ins Heft umarmt und gesagt, setz dich, nimm dir ein Bier, erzähl, wie ist es dir ergangen!? Schön, dass der wieder da ist! Am wunderbarsten fand ich auch die sensiblen, privaten Gespräche zwischen Bill und Suko. Einfach wunderbar zu lesen. Obwohl die ja eigentlich nur Beiwerk zur eigentlichen Geschichte waren. Besonders gut fand ich den Anfang, in dem Bill glaubt eine Transzendenz-Sphäre gefunden zu haben und das Ende ab dem Eintreffen auf der Fidschi-Insel (S. 55) bis zum Schluss.
Negativ fällt bei mir – wie immer - Johns Abwesenheit auf. Grundsätzlich gibt es dafür bei mir Punktabzüge und wird es immer geben. Was wohl keinen der beteiligten Autoren davon abhält, Romane ohne ihn zu schreiben. Und ich werde sie genauso trotzdem weiter lesen – und John vermissen. Außerdem war auch mir die Prügelei auf dem Schiff ein wenig viel. Genau wie GG. Eigentlicher Gegner war ja der Hai-Gott. Aber gut, wurde sich halt mal ein bissi gehauen.
Weder positiv noch negativ, sondern eher neutral möchte ich aber doch noch mal das Umwelt-Thema und das Finning ansprechen. Der Umwelt-Gedanke ist ja dank Mandragoro nicht neu. Finning kannte ich bis dahin noch nicht. Und ich kann seitenlang lesen, wie die Höllenreiter den Mönchen die Köpfe abschlagen, weil es so wunderbar fiktiv ist und ich mir keine Sorgen machen muss. Alles in Butter in der Realität. Aber bei Finning ist es genau anders rum. Das ist real! Und kein Grusel. Und wenn ich da in meiner Mittagspause lese, wie genau und blutig das vor sich geht, wird mir mulmig. Seitdem kann ich ja die Augen nicht (mehr) verschließen und so tun, als hätte ich das nie gehört. Gerade wenn ich die Leserseite lese, scheint genau das auch ein wenig Flo´s Intention gewesen zu sein. Hat das in einem JS-Heft eine Daseins-Berechtigung? Nach langer Überlegung (ich war nämlich echt geschockt) muss ich sagen: Ja. Denn JS spielt in der Realität. Und deshalb gelangt der Grusel nicht nur an nette Orte, an denen alles friedlich ist, sondern auch (und bei den Umwelt-Dämonen gerade ja auch deswegen) dorthin, wo der Mensch das schlimmste aller Monster ist. Weil real. Aber ganz ehrlich: jede Woche möchte ich nicht lesen, wie schlecht unsere Welt ist. Denn genau davor und vor allen anderen weltlichen Problemen möchte ich ja gerade fliehen, wenn ich mich für ein paar Stunden in die JS-Welt begebe.
Fazit: 4 von 5 Haifisch-Finnen (Keine abgetrennten, sondern die, die mit Hai dran aus dem Wasser schauen) Kein John, bissi viel Umwelt, bissi viel Meuterei-Action. Aber Bill´s Wiederkehr ins Team macht das locker wieder wett.

erstellt am 25.06.17 22:17
Mir fällt gerade auf, das GG und ich den Roman beide gut fanden- ja gab´s den sowas schon mal ?!?!? Ich glaube, ich lösche nochmal alles und schreibe genau das Gegenteil

erstellt am 11.07.17 06:15
Fast fertig: Egal, wie es ausgeht: Hier nimmt "Ian Rolf" ein Thema auf, dass wirklich gruselig ist (der reale Irrsinn).
Deswegen hat hier auch die Regel, dass keine eigene Meinung durchschimmern darf, meiner Meinung nach keinen Platz - man kann diese Fangmethoden nur hassen...
Natürlich spürt man in jeder Zeile Florians Wut - Autorenmeinung schimmert sowieso bei jedem Autor immer durch, mal mehr, mal weniger zurückgenommen, kaum ein Thema eignet sich aber so sehr für offene Parteinahme.
Auch der Hinweis, nach Feierabend entspannen zu wollen, zählt für mich nicht - es schadet absolut nicht, ab und zu auch außerhalb der Firma oder des Alltags das eigene Gehirn einzuschalten...

Großartig recherchiert, großartig geschrieben!
Ich liebe es, wenn Sätze Kommata etc. enthalten und nicht so abgehackt daherkommen...

Nur eine Frage bleibt bei mir offen: Es wird drastisch dargestellt, das Fleisch der Haie sei ungenießbar. Aller Haie?
In meiner Kindheit aß ich gerne "Schillerlocken" - als die längst nicht mehr angeboten werden durften, erfuhr ich, dass die von Haien gewonnen wurden. Heute verstehe ich, warum es sie nicht mehr geben darf, aber die waren alles andere als ungenießbar.

erstellt am 11.07.17 09:42
Wolf schrieb:
Nur eine Frage bleibt bei mir offen: Es wird drastisch dargestellt, das Fleisch der Haie sei ungenießbar. Aller Haie?
In meiner Kindheit aß ich gerne "Schillerlocken" - als die längst nicht mehr angeboten werden durften, erfuhr ich, dass die von Haien gewonnen wurden. Heute verstehe ich, warum es sie nicht mehr geben darf, aber die waren alles andere als ungenießbar.


Lieber Wolf, danke für das tolle Statement. Was die Schillerlocken angeht, schimmert vermutlich auch hier meine eigene Meinung durch. Als ich noch kind war (in den goldenen 80ern) kam einmal die Woche ein Fischwagen zu uns auf's Dorf. Aus irgendeinem Grund fanden es meine Mutter und meine Oma eine tolle Idee mir und meiner Schwester Schillerlocken zu spendieren. Um es kurz zu machen: ich fand die damals schon zum k...
Ich kann mich nur noch vage an eine etwas gummiartige Konsistenz und einen penetranten metallisch-salzigen Geschmack erinnern.

erstellt am 11.07.17 11:55
leni schrieb:
. Aber ganz ehrlich: jede Woche möchte ich nicht lesen, wie schlecht unsere Welt ist. Denn genau davor und vor allen anderen weltlichen Problemen möchte ich ja gerade fliehen, wenn ich mich für ein paar Stunden in die JS-Welt begebe.

Hätte Florian nicht geschrieben, wie es zu dem Roman kam, hättest du das bestimmt nicht bemerkt. Ich bin überrascht das es noch Menschen gibt, die nix von wissen. Da soll nochmal jemand sagen die Heftromane bilden nicht. :)

@Florian
Ich finde es klasse du auf der Leserseite geschrieben hast. Habe nix gegen wenn du und die anderen Autoren das häufiger machen könntet. Mir persönlich hat der Roman dadurch mehr spaß gemacht.

In dem Kapitel, wo der Fänger in die Tiefe sinkt, wie die Hai die er fängt; das war so gut beschrieben das ich mitfühlen konnte. Als Kind wurde ich von Teenies in einen Pool geschupst wärend die Erwachsenen im Sportclubhaus waren. Eingebrannt im Gedächnis ist die blauschimmernde Wasseroberfläche, die sich entfernte und es immer dunkler wurde bis ich hustend aufwachte und ne Menge Erwachsene um mich knieten. Komisch das ich mich aber nicht erinnern kann das mir Luft fehlte oder das ich Panik bekam. Ich kann mich nur an die Ruhe erinnern die ich im Wasser empfand.......ups. Jetzt bin ich abgeschweift.

Der Roman war klasse und der Grusel war/ist die reale Tatsache die im Roman aufgegriffen wird. Die können froh sein das es keinen Haigott gibt. Da komm ich nicht drumrum zu schreiben das ich bein lesen auch mal dachte: "Geschied ihnen recht." Das zum schluss Florian den Haidämon nochmal auf die Dorfbewohner losgehen lässt, war gut geschrieben. Unterstrich, das beim Pakt mit Dämon; egal wie gut die Absichten auch sein mögen; keiner gewinnen kann.

Das Gespräch zwischen Bill und Suko war auch schön. Finde es gut das Bill ein Tor zu seinem Sohn sucht. Irgendwann müsst ihr ihn aber auch mal Erfolg haben lassen. Vielleicht mal in einem Crossover. Der Gedanke das Bill die Suche aufgeben könnte würde mir nicht gefallen und würde nicht zu Bill passen. Gefällt mir schon nicht das es so aussieht, als ob sein Sohn aufgibt nach Hause zu kommen.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 12:01 Uhr bearbeitet)

erstellt am 11.07.17 12:14
Vikki schrieb:
Das Gespräch zwischen Bill und Suko war auch schön. Finde es gut das Bill ein Tor zu seinem Sohn sucht. Irgendwann müsst ihr ihn aber auch mal Erfolg haben lassen. Vielleicht mal in einem Crossover. Der Gedanke das Bill die Suche aufgeben könnte würde mir nicht gefallen und würde nicht zu Bill passen. Gefällt mir schon nicht das es so aussieht, als ob sein Sohn aufgibt nach Hause zu kommen.


Auch dir herzlichen Dank für die Rezension. Wie ich sehe, hat der Roman genau das Ziel erreicht, was ich und Sharkproject sich erhofft haben. Und selbst wenn nur eine Leserin wie die liebe Leni auf das Finning aufmerksam gemacht werden, ist der Roman ein Erfolg gewesen. Was daraus resultiert, steht auf einem anderen Blatt.
Was Bill angeht: Der wird niemals aufgeben!
Genauso wenig wie John! Das ist ein elementarer Faktor der Serie. Die Botschaft, die in den knapp 2100 Romanen und 312 Taschenbüchern immer wieder durchschimmert. Egal, wie grausam das Schicksal ist, John und seine Freunde kämpfen weiter. Sie dürfen straucheln, den Kopf hängen lassen und auch an sich zweifeln, aber sie eines werden sie gewiss nie: aufgeben!
Und das Gespräch zwischen Bill und Suko soll, genau wie das von Bill und John im folgenden Band, zeigen wie wichtig die Freundschaften unter der Protagonisten sind. Diese sind schließlich ihre stärksten Waffen, ungeachtet von Kreuz, Bumerang, Dämonenpeitsche etc.
Deshalb auch die Szenen, in denen sich Bill und Suko gegenseitig die Haut retten.

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