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Thema: 2058 - Ihr Kinderlein kommet ...
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erstellt am 17.12.17 00:06
Von T. Stahl

Nur der flackernde Schein einer einzelnen Kerze, von einer zitternden Hand gehalten, erhellte die Sakristei der Kirche von Lauder.
Wenn der Pfarrer sie erwischte, dann gnade ihnen Gott! Der Zorn Reverend Bulls war berüchtigt und alles andere als heilig. Er würde vielmehr über sie kommen, als hätten sich die Pforten der Hölle aufgetan.
„Da!“, sagte die Stimme hinter der Kerze. „Das ist es.“
Ein Finger zeigte nach oben ins Regal.
Eine andere Hand griff hinauf und zog das bezeichnete Buch zwischen zwei anderen hervor. Staub rieselte herab, kitzelte ihrer aller Nasen, und einer musste niesen.
Schlagartig herrschte erschrockene Stille. Ein hastiges Pusten, die Kerzenflamme erlosch, und Dunkelheit stülpte sich über ihre Köpfe wie ein schwarzer Sack.
Atemlos lauschten sie. Hatte Reverend Bull sie gehört?

erstellt am 18.12.17 17:30
Ich bin noch stark im Rückstand (letzter neuer Band war Dees "Horror-Hotel", aber der Weihnachtsband wurde einfach mal von mir eingeschoben.

Was soll ich sagen? Es gibt ein TOP, auch wenn das meiste am Ende ungeklärt bleibt, aber es war alles 1A geschrieben. Ich hatte sogar das Gefühl einen "guten alten Jason Dark"-Roman zu lesen.

erstellt am 20.12.17 18:32
Schon das Cover ist klasse!
Und ich finde es viel schöner so: Einen Weihnachts-Sinclair zu Weihnachten zu lesen, als Monate später ca. im März einen Weihnachts-Sinclair zu lesen, der in der Weihnachtszeit geschrieben wurde.

(Dexter hatte ja mal die neue Chronologie bemäkelt oder zumindest angesprochen.)

Ich finde es gut so, wie manche neue Autoren es deutlich machen: Dass die Lesezeit der Handlungszeit entspricht (nicht die Schreibzeit).

erstellt am 21.12.17 18:13
Loxagon schrieb:
Was soll ich sagen? Es gibt ein TOP, auch wenn das meiste am Ende ungeklärt bleibt, aber es war alles 1A geschrieben. Ich hatte sogar das Gefühl einen "guten alten Jason Dark"-Roman zu lesen.


ich weiß was du meinst. ich gebe auch TOP, also 5 von 5 kreuzen.

erstellt am 21.12.17 19:20
Timothy Stahl ist wohl für die JS-Mottoromane zuständig. Eine tolle Sache. Der Ausbau der Marke „John Sinclair“ passiert nicht nur in Merchandise und dem Pseudo Spin Off. Sondern auch innerhalb der Stammserie. Nach Halloween jetzt Weihnachten, ich freue mich. Ob es ein Running Gag wird, dass John diese Abenteuer immer an Orten erlebt, die für ihn eine tiefe Bedeutung haben?

Trotzdem muss ich in meiner Rezension fair bleiben, auch wenn Weihnachten ist. Wieder kann ich die Geschichte wunderbar in Etappen einteilen. Keine Drittel, hier sind es mal Viertel.

Das erste Viertel, die Weihnachtsfeier bei den Conollys, hätte ruhig länger sein können. Es passiert nichts aufregendes, aber solche friedlichen Momente unter den Freunden gibt es viel zu selten. Ein wunderbarer Einstieg in die Geschichte. Ob das zwischen Jane und Chris etwas ernstes wird? Hoffentlich bleibt das keine einmalige Idee, sondern wird aufgegriffen und weitergeführt. Eine einzige winzige Sache ist mir aufgefallen. Hat Ignatius wirklich erstmal durch das Fenster des Esszimmers gespannt und ruft jetzt von draußen her, dass sie nicht ohne ihn anfangen sollen? Statt direkt zur Tür zu gehen und zu klingeln? Da wollte Timothy unbedingt einen kleinen Spannungsmoment als Absatzende drin haben. Ich erwähne es nur, für diesen Abschnitt gibt es die volle Punktzahl.

Folgen die Viertel zwei und drei. Der Anfang des eigentlichen Falles und erste Ermittlungen in Lauder. Bis zur Szene mit dem Dämon in der Leichenhalle. Wie schon in der Gegenwartsszene gibt es stimmige Beschreibungen. Dazu gute Ideen und ein durchdachter Plot. Als jemand, dem das wichtig ist, war ich hoch erfreut. Fast jede neue Information passt ins Bild und lässt die Sache aus einem neuen Blickwinkel erscheinen. Das Mitraten der Hintergründe und des Ablaufs haben mir viel Spaß gemacht. Und offene Fragen lassen sich mit ein wenig Weinnachtzauber herbeileiten.

Die Kinder erwecken ausversehen einen Dämon. Und weil Dämonen böse sind, sucht er sie nacheinander auf, um ihnen schwarzmagische Geschenke zu geben. Sobald die Kinder eingeschlummert sind bekommen sie Albträume, die real werden. Wachen sie auf, endet diese Magie. Das hat John im Wirtshaus das Leben gerettet. Durch den Kampflärm ist der junge Davey erwacht, woraufhin der Ritter verschwand. Da biss sich die Katze in den Schwanz, für den Plan des Dämons. Noch ein wenig Weihnachtselfenstaub und die Sache mit Billy ist ganz anders als wir Leser denken. Der hat seinen Vater gar nicht selbst angegriffen, sondern nur geträumt, dass er seinen Vater angreift. Es war also nicht Billy mit dem Traumschwertgeschenk, sondern ein Traumbilly mit dem Traumschwertgeschenk. Und sein Bett war gar nicht leer, das war auch nur eine Halluzination, weil er ja geträumt hat, er sei in der Werkstatt. Außerdem kann John froh sein, dass in meiner Kopf-Geschichte die Magie der Spielzeuge nur einmal wirkt. Nicht auszudenken, wenn Davey nochmal einschläft und der Ritter wieder aktiv wird. Zu kompliziert? Sicher, aber so kann sich die Geschichte bis hierhin die Topnote sichern. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn einer Figur nach Belieben Fähigkeiten zugeschrieben werden, statt ihr ein festes Muster zu geben.

Deshalb hat mir das letzte Viertel die Sache vermiest. Die Sache mit dem unter der Kirche gebannten Dämon hätte man weglassen können. Bei zu vielen Details verheddert man sich irgendwann. Ein Wesen, das durch die Albträume magischer Geschenke Leute tötet und dann von John irgendwie aufgehalten wird, reicht doch. Mit den neuen Erkenntnissen stellen sich mir Fragen, die sich nicht mehr zurechtdenken lassen.

Der Bann des Dämons muss extrem laienhaft gewesen sein, wenn irgendwelche kleinen Kinder mit einem netten Reim ihn beschwören können. Die Magie des Glaubens und der Wünsche zählt nicht, auch bei einem Weihnachtsabenteuer ist das immer noch JS mit seinen Serienregeln.

Wenn der Dämon an seinen Körper will, warum macht er das nicht sofort, sondern verteilt lustig Geschenke? Jetzt wo John den Sarg aufsucht, spaziert er davon und versucht den Bann um die Kirche zu lösen. Oder auch nicht. Das mit den Beben und den Versuch, an seinen Körper zu kommen, wird einfach fallen gelassen. Stattdessen stellt der Dämon nun das letzte Geschenk zu. Man hätte das mit den Beben komplett rauslassen sollen. Das wäre flüssiger gewesen, er sperrt die Gruppe in der Leichenhalle ein und macht sich direkt auf den Weg zu Veronica.

Der Dämon verteilt also doch nicht aus reiner Bosheit Geschenke. Er muss den Wunsch jedes einzelnen Kindes erfüllen und hat erst nach der letzten Geschenkübergabe die Macht, den Bannzauber zu brechen und seinen Körper zurück zu erlangen. Oder wie? Dann heißt es aber, die Vernichtung von Johns Großtante sei die entscheidende ultimative Tat des Bösen. Warum macht er das dann nicht als allererstes, sondern als allerletztes?

Die Zombies auf dem Friedhof sind reine Effekthascherei, hat mir aber irgendwie doch gefallen.


Vor meinem Fazit geht es zurück in die Gegenwart. War alles nur ein Traum? Für eine Horrorserie unglaubwürdig, aber es würde das letzte Viertel erklären. Träume sind im Gegensatz zur Realität unrealistisch, sagt der Name ja schon. Und die Spieluhr? Wie ist John in die Vergangenheit gekommen? Der Dämon selbst wird es nicht gewesen sein, der wird sich hüten den Geisterjäger zu sich zu holen. Er hat auch gar nicht die Macht dazu, sage ich mal. Für mich ist es stimmiger, wenn damals eine Macht des Himmels eingegriffen hat. Müssen nicht direkt der Seher oder die Erzengel gewesen sein.



Ich weiß, „Das ist ein Weihnachtsmärchen, da muss man nicht zu hart sein und kann doch mal ein Auge zudrücken.“ Ok, so gesehen würde es die Topnote geben, einfach Weil. Das möchte ich aber nicht machen. Timothy bekommt eine unfestliche Gleichgewicht-Rezension. Was habe ich da in meinem Sack für den Text an sich? Eine sehr gute Wertung. Und für die Idee einer Weihnachtsepisode für die Serie eine Topnote. Ich bin eher der Knecht Ruprecht, Timothy darf froh sein, dass ich meine Wertungs-Rute stecken lasse und nur minimal den mahnenden Finger erhebe. Die Topwertungs-Geschenke, die sicher von den Foren-Nikolausen kommen, hat er sich aber auch redlich verdient. HoHoHo!

erstellt am 21.12.17 19:32
Das Gleichgewicht schrieb:
Die Sache mit dem unter der Kirche gebannten Dämon hätte man weglassen können. Bei zu vielen Details verheddert man sich irgendwann.


ich find nicht, dass Timothy sich verheddert hat. zu der geschichte gehörte, dass in Schottland lange zeit weihnachten keine feiertag war, und ich find, das war geschickt eingebaut.

ok, zum schluss wirds nicht richtig aufgelöst, ob John das alles nur geträumt hat. eher nicht. aber so komische zeitreisen ohne große erklärungen hats bei Jason früher auch schon gegeben, und ich glaub, das Lox auch an so was gedacht hat.

kann sich noch jemand an die Zeitmühle (JS 1750) erinnern?

erstellt am 21.12.17 20:21
Ich erinnere mich. Grottenschlechter Roman.

erstellt am 21.12.17 21:00
Aber geniales Cover



edit: Ok, ja. Das mit der Kirche hat einen wunderbar historischen Bezug. Mir hat nur dieses Details misfallen, dass er die Erde beben lässt. Bzw. dass er versucht den Bann zu lösen. Wenn er doch eh weiß, dass er erst alle Geschenke ausliefern muss. Oder den kleinen John von seiner Schwester töten lassen. Das ist Zeitverschwendung!



(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 21:03 Uhr bearbeitet)

erstellt am 24.12.17 10:21
Prolog…
Och nee… Nicht schon wieder… Sheilas heile Welt… in jedem Heft, so langsam…

Anfang…
Was ich nicht ändern kann,
nehme ich nun hin wie ein Mann…
Selbst der Brief aus der Gruft…
hat auch diesen weiblichen Duft…
So soll es denn… aber gut,
ihr wisst schon was ihr tut…

Viel später…
In Erinnerung an den herrlichen Halloween Doppelband
las ich ihn dann ganz von vorn… und ohne Zorn!
Was soll ich sagen, welches Glück…
schon wieder so ein Meisterstück…

(Timothy hat es voll drauf!)

Während des Lesens hatte ich zu Beginn mit der Zeitlichen Einordnung ganz schön meine Probleme, aber um so weiter die Geschichte voranging um so leichter wurde nicht nur die Story verfolgbar sondern es kam auch in gleichem Maße das Gefühl der Feiertage zum tragen… Vor allem die Gleichmäßigkeit des Schreibstils hat mich überrascht und das es so wunderbar perfekt in die 65 Seiten passte ist schon fast unglaublich… Dieser Sinclair ist ein rundum gelungenes Weihnachtsgeschenk! Topnote, Danke!

PS.: Klasse Cover, und ja ich musste zweimal schauen welcher Finger es ist... Verrückte Zeiten, die wir leben...

erstellt am 25.12.17 20:32
Oh ein Reim!
Und was sich reimt, ist gut. Sagte zumindest der Pumuckl. Und der muss es ja wissen.
Wisst ihr was, Leute. Ich bin vollgefuttert und besinnlich, von mir gibt es nur ein paar Kommentare auf Eure Rezis. Ihr wisst dann auch, was ich von dem Roman halte, aber ich mache es mir mal ein wenig weihnachtlich-einfacher. Sorry, TS, nächste mal wieder ausführlich.

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