Suche
Beitrag User
 
 
Thema: Band 2563 - Schnell verdiente Dollars
| |

Antworten zu diesem Thema: 1

 
Zurück
Weiter
1


erstellt am 12.08.06 18:38
Nachdem uns letzte Woche ein richtig guter Roman geboten wurde (man sollte den zum Stamm-Autor der Serie machen), ist das mal wieder eine Talfahrt, wie sie im Buche steht; kurz: ein Schuss in den Ofen.
Zur Story: Ein Geldtransporter wird überfallen, die Fahrer werden getötet, Cotton und Decker eingeschaltet. Die Waffe, mit der die Fahrer getötet wurden, wurde bereits zuvor bei einem Verbrechen verwendet. Dadurch kommen sie auf die Spur der Täter und können das Rätsel schließlich lösen – und treffen dabei auf einen gewissen Major…

Nun, in Band 2528 („Der Tod geht um auf Rikers Island“) hatten wir es mit einem „Senior“ zu tun, der im Hintergrund die Fäden zieht und noch immer ist der Roman nicht abgeschlossen (der/die Boss/e im Hintergrund wurden noch nicht gefasst) – seit immerhin weit über einem Jahr – und nun ist es ein gewisser Major. Die Grund-Idee des Romans wirkt auf mich wie aus der Bastelkiste für Krimiautoren geklaut, ich musste mich einfach nur durch den Roman quälen.
Spätestens ab Seite 17 wurde klar, was von Anfang an meine Befürchtung war. Jerry ahnt bereits: „War das wirklich nur der Druck, den ihm wahrscheinlich der Vorstand aufgrund der Serie von Überfällen machte? […] Oder steckte noch etwas anderes dahinter?“ Letzen Endes endete die Geschichte dann, soweit ich mich erinnere, noch etwas anders, aber die grobe Richtung stimmte. Diese Story war ein heilloses Durcheinander, obwohl ich auch zugeben muss, dass meine Gedanken irgendwo ab der Mitte abgeschweift sind.
Ärgerlich zudem, dass die Firma „Telso Security“ mal eine Ltd., dann wieder eine Inc. ist – was denn nun?

Manches Element des Romans wirkte auf mich auch einfach nur abgeschrieben aus dem vor 9 Wochen erschienenen Roman 2554 – „Der Gelbe Drache“. So hat einer der Täter eine Drachen-Tätowierung, Jerry und Phil wird ein Hinweis per Zettelchen zugesteckt … hatten wir das ganze nicht schon mal? Nicht, dass so etwas nicht häufig vorkäme – Tätowierungen, zugesteckte Zettel von Zeugen – aber in so kurzen Abständen und beides auch noch in einem Roman?

Phils Reaktion auf Seite 23 – „Versuch das aus dem Kopf zu bekommen, Jerry, sonst bist du schneller ein Fall für den Psychiater, als du denkst“ – ist genauso albern wie schwachsinnig und unlogisch. Jerry und Phil, die gemeinsam tausende Fälle bestritten haben, müssten eigentlich in sofern ein eingespieltes Team sein, als dass bestimmte Vermutungen (in dem Fall ging Jerry ein Überwachungsvideo nicht aus dem Kopf) nicht einfach mit einem solch dämlichen Kommentar vom Tisch gewischt würden. Etwas mehr Verständnis für eine dreitausend Band schwere Serie wie „Jerry Cotton“ wäre wirklich wünschenswert – und apropos, was ist eigentlich aus der so viel gelobten Freundschaft zwischen Phil und Jerry geworden? Mich erinnern die in den neuen Romanen mehr an gefühllose Papp-Figuren.
Genauso ist es merkwürdig, dass Jerry auf Seite 54 bei der Erwähnung von Bruce Lee Filmen gar nicht mehr an seine ehemalige Kollegin denkt, die man wegen ihrer Liebe zu dessen Filme „Miss Lee“ nannte – schon komisch, wie schnell so was in Vergessenheit gerät, nicht wahr?
Was mir zudem sehr negativ auffiel war, dass Mr. High mehrmals während Besprechungen mit Jerry und Co die Hände tiiieeef in den Hosentaschen vergraben hat. Auch wenn man mich deshalb für kleinlich halten mag, aber das ist einfach unhöflich (ich halte es zumindest dafür), speziell bei einer Person die wie John D. High dargestellt wird, ist so etwas einfach unnötig und passt überhaupt nicht zur Art von Mr. High! Und wenn der Autor schon meint, solche Patzer in seine Romane einbauen zu müssen, dann hätte das vom Lektorat wenigstens ausgebügelt werden können – zumal beim Flaggschiff des Verlages.

Und dann, die gigantischen Überraschungen! Der erste Kracher auf Seite 60, wo wir erfahren, dass Nancy Watkins eine der Täterinnen ist! Wow! Da wär’ ich niemals drauf gekommen. Und: Der Mann im Hintergrund ist niemand anders als Allan Majors, wie wir auf Seite 63 erfahren (übrigens wurde er auch das erste Mal auf dieser Seite erwähnt)! Donnerwetter – damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet! Kunststück, wie auch? Die Drahtzieher werden ja auch erst kurz vor Toresschluss erwähnt.

Warum dieses Machwerk nun „Schnell verdiente Dollars“ heißt, ist mir genauso ein Rätsel, wie warum so was überhaupt vom Lektorat durchgelassen wird (vom „modernen Kriminalroman“, „Kriminalroman, von dem die Welt spricht“ oder kurzum der erfolgreichsten Krimiserie der Welt erwarte ich ein bisschen mehr). Niemand verdient hier schnelle Dollar(s) – und nebenbei, müsste es nicht Dollar statt Dollars heißen?

In dem Zusammenhang: Woran liegt es, dass die Titel der Romane momentan so ätzend sind? Titel wie „Blutgeld“, „Kein Opfer ist vergessen“, „Der Spezialist“ passen genauso wenig zu den Romanen wie das aktuelle Heft zur erfolgreichsten Krimiserie der Welt.

Fazit: Dieser Roman vereint meines Erachtens alle Elemente, die totale Spannungskiller sind. Ein Musterbeispiel für das, was ich nicht mag: Langweilige Story, noch langweiligere Grund-Idee, das ganze lieblos herunter geschrieben und als Sahnehäubchen ein Täter, der erst am Ende erwähnt wird. Macht Band 2531, 2545 und 2548 arge Konkurrenz.

Kurz: für mich war der Roman wie Salzsäure – einfach ätzend!

Zum Schluss noch eine Bitte: bitte meine Kommentare nicht falsch verstehen (lese mir die Rezension vor der Veröffentlichung noch einmal durch) – aber Täter, die bisher nicht in der Handlung vorkamen, sind auf die Dauer unbefriedigend.
So, jetzt muss ich erstmal mit einem Roman von einem guten Autor nachspülen, um den schlechten Geschmack wegzukriegen.
Ich hoffe auf Besserung.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 18:39 Uhr bearbeitet)

erstellt am 03.10.17 17:00
Autor: Alfred Bekker.

Zurück
Weiter
1

Top

Sie interessieren sich für unsere aktuellen Meldungen? Hier finden Sie die neuesten Informationen rund um unsere Verlagsprodukte.
mehr ...
 
Hier finden Sie wichtige Informationen und Hinweise zur Registrierung und der Struktur des Bastei Forums.
mehr...
Content Management by InterRed