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Thema: Band 2572 - Geschäfte mit dem Tod
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erstellt am 09.10.06 18:48
Ein Ex-G-man namens William Grotzky wird ermordet. Er war jahrelang als Undercover-Agent tätig und hat diverse Gangsterbosse hinter Gitter gebracht. Als er ermordet wird, deuten alle Spuren auf einen Racheakt hin und dass er den FBI-Dienst nie wirklich verlassen hat...

Die Jerry Cotton Heftserie ist wirklich eine Berg- und Talfahrt. Da war ich durch das letzte Cotton-Heft so positiv gestimmt, dass ich Lust auf weitere neue hatte, jetzt geht’s wieder steil bergab.
Die Story ist schlichtweg langweilig. Die G-men wurschteln in der Vergangenheit dieses G-man rum und verhören verschiedene Personen, aber so richtig kommt nichts dabei heraus. Dieser Roman ist sogar dermaßen lahm, dass ich ihn diesmal bereits nach 25 Seiten weggelegt habe.
Die FBI-Agenten erinnern mich dabei ein bisschen an die Kommissare aus den alten Whodunnit-Krimis. Sie befragen die Leute und befragen und befragen und befragen. Aber es kommt ansonsten keine Handlung vor. Es ist eine ewige Vermuterei und Befragerei. Aber keine Action. Nicht mal ein bisschen Herumgeballer.

Genauso der Stil des Autors. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, diesem Autor zu sagen, dass man in einen Satz nicht zig andere stecken muss? Hier kommt wieder zum tragen, was ich in meiner letzten Rezension gelobt hatte – der Stil. Der Schreiber dieses Kunstwerks verheddert sich in einigen Sätzen total – und auch die anderen sind nicht gerade das Gelbe vom Ei. Schlangensätze wie „Wenn man die Verteilung beachtet, dann müssen wir davon ausgehen, dass sich links neben ihm jemand in einer Entfernung von einem Meter bis einem Meter fünfzig befunden hat, der möglicherweise von einem Schuss getroffen wurde“ – gehören dabei noch zu den mildesten Beispielen. Auch eine Kritik in dem Fall ans Lektorat: Zahlen wie „eins“ müssen nicht ausgeschrieben werden. Ich denke, man kann davon ausgehen, dass die Leser von Jerry Cotton bis eins Zählen können und dementsprechend wissen, wie man die Ziffer 1 ausspricht. Dass Heftromane stilistisch nicht immer die schönste Sprache haben, sehe ich ein (wobei auch hierbei der Autor des letzten Romans das Gegenteil beweist). Aber müssen es gleich solche extremen Schlangensätze sein?

Zudem lässt meiner Meinung nach die Sprache in diesem Roman teilweise zu Wünschen übrig. Den agierenden Personen (oder vielmehr dem Autor) scheint es nicht möglich zu sein, den Namen der New Yorker Gefängnisinsel „Rikers Island“ vollständig auszusprechen, zumindest nicht auf den Seite 6 und 7. Da heißt es z. B.: „Benny Ricardo starb auf Rikers an einer Überdosis Heroin [...]“. Irgendwann reden sich die Personen vermutlich nur noch mit halben Sätzen an. Damit man mich nicht falsch versteht: Natürlich kann so was passieren und vielleicht reden die FBI-Leute ja auch in dieser Umgangssprache; aber es passiert ja mehrfach im Roman, sogar mehrfach auf zwei Seiten – und das ist einfach zu viel des Guten, finde ich. Stattdessen sollte man lieber daran denken, Zahlen wie „eins“ als Ziffer auszuschreiben.

Auch die Namen der Figuren sind eine Sache für sich. Namen wie „Grotzky“ (wieso nicht gleich „Kotzky“?) sind mir während des Lesens wirklich übel aufgestoßen. Normale durchschnittlich-amerikanische Namen hätten voll ausgereicht.
Der Roman ist total (und das auf bis Seite 25!) überfrachtet mit Personennamen. Aber nicht nur irgendwelche typisch amerikanischen Namen, sondern schwer oder kaum auszusprechende italienische Mafioso-Namen. In dem Zusammenhang war der Autor auch so nett den Namen „Giacometti“ aus Band 2139 (Der Armbrust-Killer) zu kopieren...

Hier wird mir glasklar vor Augen geführt, worin der Unterschied zwischen Band 2571 und diesem Roman stammt. In Nr. 2571 fügte der Autor sanft die recherchierten Hintergrundinformationen ein, ohne den Leser zu überfordern (wer kann sich bei Band 2572 schon so viele Namen merken? Zumal der Inhalt des Romans das wirklich nicht wert ist...). Dieser Roman ist völlig überfrachtet und überladen an Infos und Namen, die zum Teil aber völlig unnötig sind. Im letzten Roman gab’s Action, nicht nur diese langwierigen Gespräche/Verhöre. Ich habe den Eindruck, der Autor schildert den Roman nur aus einer Sichtweise, fast nur diese ewigen langweiligen, langatmigen Gespräche. Das zieht sich wie Kaugummi.

Störend ist zudem, dass der Autor die Charaktere der Figuren zum Teil anders als gewohnt darstellt. Mr. High schenkt Joe Brandenburg und Les Bedell auf Seite 6 so zum Beispiel einen missbilligenden Blick, weil sie sich verspätet haben. Merkwürdig nur, dass Mr. High in den Romanen stets als eine Figur dargestellt wird und wurde, die zu den G-men wie ein Vater ist, stets fair, freundlich und verständnisvoll. Dieser missbilligende Blick passt da einfach nicht zu, vor allem da Joe und Les einen triftigen Grund für ihre Verspätung hatten.

Das war nicht so der Hit...

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 18:50 Uhr bearbeitet)

erstellt am 03.10.17 16:51
Autor: Alfred Bekker.

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