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Thema: Band 2576 - Verräter sterben schnell
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erstellt am 25.03.07 16:24
In Band 2576: „Verräter sterben schnell“ bekommen es Jerry Cotton und Phil Decker mit der Automafia zu tun – doch da die Ermittlungen schließlich ab Seite 25 weitgehend zum Stillstand kommen, ermitteln sie nun gegen einen Serienkiller, der es auf Prostituierte abgesehen hat ...

Es ist wirklich zum Haare raufen! Da redet man sich mit Müh und Not die aktuellen Cotton-Heftromane schön und findet auch tatsächlich wieder Gefallen daran – und dann so etwas. Ich dachte schon, dass einige der letzten von mir gelesenen Hefte (2575: „Geld und falsche Götzen“, 2579: „Easy Killer“ und 2589: „Tennessee Waltz“) zum Teil verbesserungswürdig waren – aber eigentlich waren sie gar nicht mal so schlecht, bedenkt man doch, dass es anscheinend noch immer Romane gibt, die ein wirklich so derart tiefes Niveau haben, dass man sie am liebsten umgehend entsorgen würde. Ein solcher Roman ist Band 2576.

Erst einmal zum Stil des Autors: Zumindest die erste Hälfte des Romans – weiter habe ich nicht gelesen – wirkt mehr wie ein schlecht ausformuliertes Exposé. Der Autor ergeht sich in nutzlosen Details, die den Roman nicht wirklich weiterbringen; auf nahezu jeder Seite wirft er mit unnötigen Einzelheiten um sich. Gleichzeitig lässt er allerdings interessante Dinge aus. Ein Auftritt von Hank Hogan wird nur so nebenbei abgehandelt.
Dabei ist der Stil noch nicht einmal das Schlimmste – die Reaktionen der Figuren sind vollkommen unglaubwürdig.
Ich muss wirklich sagen, dass ich fassungslos bin, wie sehr es jemand doch schaffen kann, einen Roman derart zu verhunzen. Erst einmal sind allgemein die Verhöre, Ermittlungen und Dialoge zwischen den Personen nicht nur extrem Klischeebeladen sondern auch unrichtig und unglaubwürdig. Das fängt bei solch simplen Dingen an wie dem New Yorker Barkeeper, der – da wir ja schließlich im Kuhdorf New York sind und da ein Fremder in ’ner Bar seltener als ein Kometeneinschlag ist – einfach so jemand Fremdes anspricht, mit ihm einen netten Plausch anfängt und ihm – wo’s sich grade doch so passt – sofort abnimmt, dass er fünf Jahre im Knast gesessen hat und obendrein einen Job anbietet. Es geht weiter mit unabgesprochenen Alleingängen von Hank Hogan und Jerry Cotton, die vielleicht (mit viel Phantasie) der wilden Phantasie eines Kleinkindes, das zu viel ferngesehen hat entsprechen könnten, aber keinesfalls ernst zu nehmenden Ermittlungen gleichkommen.

Es wird ja immer wieder das gute Verhältnis zwischen Mr High und Jerry/ Phil gelobt. Anscheinend schert sich der gute alte Herr aber nicht sonderlich um seine G-men. So heißt es doch ganz eiskalt auf Seite 27: „Geben Sie mir auf Sally Acht wie auf Ihren Augapfel. Ich möchte mich nicht vor Edward G. Homer rechtfertigen müssen.“

Was ist aus dieser Serie nur geworden, fragt man sich da als geneigter Leser. Das hatte der Cotton-Erfinder wohl nicht im Sinn, als er Mr High als eine verständnisvolle Vaterfigur beschrieb, die sich stets für seine G-men einsetzt, immer und jederzeit. Dass Mr High häufig zum steifen Bürokrat geworden ist, ist ja nichts Neues mehr – aber dass es schon SO schlimm ist?

Wer allerdings dachte (oder hoffte), dass wir nun den Höhepunkt der Geschmacklosigkeit erreicht hätten, wird bitter enttäuscht.
Seien wir mal ehrlich – die Idee des Serienkillers, der es auf Prostituierte abgesehen hat, ist nicht neu – im Gegenteil, sie wird langsam eintönig (wenn’s nach den in den letzten Jahren publizierten Romanen/ Büchern geht, müsste die eine Hälfte der Welt aus Prostituierten bestehen und die andere aus Serienkillern, die es auf sie abgesehen haben). Doch damit nicht genug: Das FBI ist inzwischen, wenn man diesem Roman glauben darf, sogar auf ein solch niederes Niveau herabgesunken, dass man Prostituierte um Undercover-Einsätze erpressen muss (anders kann man es nicht ausdrücken, da Cotton und Decker der netten Dame damit gedroht haben, ihr Geschäft auffliegen zu lassen, wenn sie sich nicht als Lockvogel zur Verfügung stellt) – irgendwo wirkt das unfreiwillig komisch. Gut, dass Cottons Gedächtnis nicht mehr das Beste zu sein scheint, ist ja nun hinlänglich bekannt. Wie anders ist es auch zu verstehen, dass er plötzlich darüber nachdenken muss, wen er Undercover ins Rennen schickt und dabei anscheinend vergessen hat, dass er vor nicht allzu langer Zeit Hank Hogans Detektei-Teilhaberin ins Rennen geschickt hat (siehe Jerry Cotton TB 31 529: „Der Callgirl-Killer“)? Übrigens, an der Stelle ein Kommentar zu Belinda Fox: Ich weiß nicht, ob das schon wieder vergessen wurde, aber der Erfinder von Belinda hat sich schon was dabei gedacht, wenn er sagt, dass sie KEINE Sekretärin sondern eine gleichberechtigte Teilhaberin von Hank Hogan ist!

Und dann kommt die letzte Seite – den störenden Mittelteil habe ich großzügiger Weise übersprungen. Wer nach 64 Seiten gehofft hat, dass der Spuk nun vorbei ist, sieht sich auch nun enttäuscht. Ich will zwar keine Illusionen zerstören, aber momentan sieht es so aus, als würde es ein Wiedersehen mit dem Serienkiller geben. Dass die beiden Stories, die nebenher erzählt werden, scheinbar (noch) nichts miteinander zu tun haben, lässt im Übrigen auch nicht gerade darauf schließen, dass hier jemand groß Mühe gemacht hat.

Fazit: Alles in allem ein Roman, bei dem mir die Worte fehlen (aus dem Grund haben wohl manche Leute angefangen, Drogen zu nehmen) – und da wir ja ein seriöses Online-Magazin sind, verzichte ich an der Stelle darauf, meine Meinung durch Kraftausdrücke auszudrücken – nur so viel: Andere schlechte Romane haben wenigstens noch einen Trash-Faktor. Eins muss man dem Autor auf jeden Fall zugute halten: Sein Stil (und natürlich die ganze Story) ist so langweilig und ermüdend, dass ich beim Lesen eingeschlafen bin und ein entspannendes Nickerchen gehalten habe.

erstellt am 03.10.17 16:45
Autor: Peter Haberl.

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