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Thema: Band 2600 - Das Phantom
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erstellt am 17.04.07 17:00
So, hier ist jetzt meine OBJEKTIVE Einschätzung dieses Romans!

Zu allererst, "Das Phantom" ist ein würdiger Vertreter des Jubiläumsromans. Auch, oder vielleicht gerade deswegen, weil er kein Mehrteiler ist, sondern "nur" ein erweiteter Einzelroman. Aber genau das zeugt vom Können des Autors.

Den Inhalt haben wir ja in der Vorschau lesen können: Auf eine Person des öffentlichen Lebens soll ein Anschlag getätigt werden. Extra deswegen kommt Homer aus Washington nach New York und bringt sogar Verstärkung mit.
Die Jagd nach dem Phantom ist also eröffnet...

Neben diesem Hauptstrang gibt es noch zwei, wenn wir die Überraschung mitzählen drei, Nebenstränge, die sich wunderbar in den Hauptstrang einfügen und deren Auflösung auch eher, hm, ungewöhnlich sind.

Neben Jerry und Phil trägt besonders June Clark einen großen Teil dieser Geschichte. Denn immerhin ist sie es, die das Phantom enttarnt. Zudem, und auch das fand ich sehr schön, gibt es einen kurzen Absatz zum June-Annie-Thema, in dem deutlich wird, dass sie einen neuen Dienstpartner vermisst.

Der Roman selber ist wunderbar flott geschrieben, selten in den letzten Wochen und Monaten hat mich ein JC-Roman so derart gefesselt wie dieser. Und lang vermisstes taucht auch wieder auf: Jerry kann plötzlich wieder andere Teammitglieder loben und auch die Späße zwischen Jerry und Phil bzw. Jerry, Phil und den anderen Teammitglieder sind wieder da. Auch wenn besonders diese auf die Überraschung hinarbeiten.

Homer mausert sich immer mehr zum liebenswerten Kotzbrocken, der sogar menschiche Gefühle zeigt und durchaus nicht nur Theoretiker ist. Und auch das Verhältnis High und sein Team ist wunderbar rübergebracht (kleines Zitat: "Ich habe einfach das beste Team!" und knüpft an altes an.

Alles in Allem einer der besten Romane der vergangenen Wochen und Monate und wieder hat der Autor bewiesen, dass er zurecht von den Fans als einer der derzeit besten Cottonautoren bezeichnet wird. Ihm merkt man duraus an, dass er noch Spaß am schreiben hat, eine gewisse Achtung dem Jerry-Cotton-Komplex und Respekt den Lesern (kein Wunder, er liest hier ja auch mit!) gegenüber hat!

Dieser Roman kommt auf jedenfall in mein "Best-JC-Roman"Karton. Eine bessere Rezi überlasse ich aber dem Fachmann Koopa


Aber noch ein Wort zu meinem Ausraster bezg. der Überraschung!

Mal abgesehen davon, dass ich diese tatsächlich nicht toll finde, so glaube ich zudem, dass sie der Charakterentwickling für Jerry nicht gerade positiv zur Seite steht. Würde alle Autoren so schreiben, wie zwei oder drei, dann wäre es kein wirkliches Problem für mich, aber dem ist ja leider nicht so.

Der Hauptcharakter Jerry Cotton hat sich in den letzten Wochen und Monaten leider nicht gerade zu seinem Vorteil entwickelt. Arrogant war er im Grund schon immer, was aber meistens an der Ich-Erzähl-Perspektive lag. Aber in den letzten 20-30 Romanen wurde er immer unerträglicher: keine kleinen Scherze, keine Teamfähigkeit, ich-bin-der-Größte gehabe...

Das mag nun daran liegen, dass in den letzten Monaten viele neue Autoren dazugekommen sind und die müssen sich erst einschreiben. Dass sie sich dabei an den Hauptcharakter orientieren ist ganz klar, nur leider haben die meisten dabei die Realität vergessen.

Polizeiarbeit ist Teamarbeit! Ansonsten bist du schnell tot. Bei JC war das zum Teil gar nicht mehr vorhanden. Und wenn das sogar Sporadisch-Lesern auffällt, dann ist das nicht nur von mir so dahingesagt.
Es gibt einige Autoren, die verzweifelt versuchen dagegen zuschreiben, dazu gehört meiner Meinung nach auch, der aktuelle Autor. Aber sie schaffen es nicht immer! Leider.

Nun wird der eine oder andere sagen: Naja, aber das ist doch nur ein Roman, der dazu da ist für ein paar kurze Stunden uns das wahre Leben zu versüßen.
Stimmt.
Aber Jerry Cotton ist mehr.
Jerry Cotton ist kult!
Und somit hat es leider auch Verantwortung!

Und gerade Bastei rühmt sich ja damit, dass Jerry Cotton so realitätsnah ist und die Romanserien im Allgemeinen so gut mit dem Jugendschutz harmonisieren.
Über die Realität habe ich schon was geschrieben, über den Jugendschutz nur soviel: Jugendschutz fängt nicht erst bei Gewalt und Sex an.
Es heißt auch: Vorbilder zu stellen und da leider die lebenden Vorbilder in unserer Zeit rar sind, bleiben die literarischen oder filmischen oder musischen Vorbilder.
Und Jerry Cotton ist eines
Denkt mal drüber nach...

erstellt am 25.04.07 22:25
Die komplette Rezension gibt's in der Jerry-Cotton-Kolumne auf http://www.geisterspiegel.de (diese Version ist an ein paar Stellen ein wenig gekürzt).

ACHTUNG: In dieser Rezension sind Spoiler zu Band 2599: "Die Vigilanten von New York" und zur "Überraschung" aus Band 2600 enthalten!!!






Das ist er nun – jener seit Wochen im Internet und auf den Rückseiten sämtlicher Spannungsromanhefte des Bastei-Romanheftverlags beworbene Jerry Cotton Jubiläumsband 2600 – und das sogar mit Untertitel (bis ich den Roman endgültig in Händen hielt, glaubte ich noch immer an ein Fake).

Kurz zum Inhalt des Romans (obwohl er inzwischen vermutlich den Meisten bekannt sein dürfte): In New York City soll ein spektakulärer Mordanschlag stattfinden, der von einem mysteriösen Auftragskiller ausgeführt werden soll, der „Phantom“ genannt wird. Mögliche Ziele gibt es zur Genüge, denn auf der einen Seite tagt in diesen Tagen der Internationale Währungsfond in New York und auf der anderen stehen die Gouverneurswahlen an. Wie sollen es Jerry Cotton, Phil Decker, Mr. High – mit tatkräftiger Unterstützung von Assistant Director Edward G. Homer und George P. Manlock – schaffen, einen Anschlag zu verhindern, dessen Ziel nicht einmal bekannt ist…?

Eins vorweg: „Das Phantom“ ist wohl einer der besten Cotton-Romane seit 2006 und 2007 – sowohl vom reinen Inhalt als auch von der ganzen Aufmachung her. Denn was – vor allen Dingen in Bezug auf Letzteres – beim letzten großen Jubiläumsband 2500 alles falsch gemacht wurde, hat man hier fast ausnahmslos ausgebügelt.
Da ist zum Beispiel das vierseitige Cotton-Special im Innenteil. Dort erfährt der Leser allerlei Wissenswertes zur Geschichte des 1. Jaguars, des E-type. Neben einer allgemeinen Seite zum Jaguar und einem Artikel über George Nader und den Jaguar in den Kino-Filmen gibt es dort außerdem einen äußerst interessanten Beitrag über Mickey Evans, den Mann aus Coventry, den Spezialisten für den Jaguar E-type. So schön die Mittelseiten auch waren – leider vermiesten sie denjenigen, die sie vor Ende des Romans gelesen hatten, die „Überraschung“, mit der seit Wochen in einer Pressemitteilung auf der Homepage von BASTEI geworben wird, vollkommen, da dort bereits ausgesagt wird, wie diese Überraschung aussehen wird. Die ist allerdings gar keine so große Überraschung, wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen mag – denn da im vorherigen Cotton-Roman, Band 2599: „Die Vigilanten von New York“, der alte Jaguar XKR verschrottet wurde, lag es irgendwo auf der Hand, dass es sich bei besagter Überraschung um einen neuen Wagen für Jerry Cotton handelt. Wer sich allerdings nicht zuviel von der „Überraschung“ erhofft hat, wird auch durch diesen Nebenhandlungsstrang bestens unterhalten: Denn bei Cottons neuem Wagen handelt es sich um keinen geringeren als einen Jaguar E-type. Allerdings ist das Fahrzeug nur äußerlich ein Jaguar vom Typ E. Für alle Autofreaks: Der Wagen sieht nämlich nur aus wie ein Jaguar E – die Karosserie ist von den Leuten der „Classic Car Tuning“ auf einen Dodge Viper SRT-10 angepasst worden – V-10 Motor und über acht Liter Hubraum. Wer’s mag…

Überaus positiv fällt dabei übrigens ins Gewicht, dass man es doch tatsächlich geschafft hat, dass die Handlung dieses Romans sich an die des letzten direkt anschließt – in Bezug auf die Zerstörung des Jaguars. Und nicht nur das: Auch lange zurückliegende Handlungsfäden wie den um die Zerstörung des ersten E-type werden wider wachgerüttelt – so erfahren wir zum Beispiel, dass Jerry Cotton den XKR zwar für ein schönes Auto hielt, im Stillen aber immer noch der klassischen Form des E-type nachgetrauert hat. Wem also (wie mir) rote Fäden gefallen, wird auch an diesem Roman seine Freude haben – denn nicht nur das: Auch die Geiselnahme der Staten-Island-Fähre in Band 2550: „Zwölf Stunden Angst“ (einer der wenigen Romane, die „Das Phantom“ vielleicht noch Konkurrenz machen könnten) wird erwähnt. Daran sieht man: Es geht doch, einen roten Faden mit einzubringen, der auch Bezug auf ältere Cotton-Romane oder den gerade zuletzt erschienenen Roman nimmt.

Es lässt sich übrigens auch eine deutliche Entwicklung der Charaktere verzeichnen. Jerry Cotton legt endlich einmal die Maske des arroganten Beamten ab und verhält sich deutlich teamfähiger. Auch Phil lässt seinen Emotionen endlich mal wieder freien Lauf und kann dadurch viele Sympathiepunkte für sich herausholen – die Rolle des steifen Bürokraten passt einfach nicht zu ihm. Längst vergessene Gefühle werden dabei wieder wach: Früher gab es immer mal wieder die Romane, in denen Jerry Cotton, Phil Decker und ihre Kollegen ein Team bildeten, an dem man gern mal teilgehabt hätte, und die Personen wirkten dabei auch nicht schablonenhaft, sondern wie echte Menschen – dieser Zustand ist in den letzten Monaten allerdings radikal zunichte gemacht worden. Dieser Roman hat gezeigt, dass es auch anders geht.
Von Jerry und Phil mal abgesehen, macht wohl aber Edward G. Homer, seines Zeichens Assistant Director des FBI und Leiter der Field Operation Section East, die größte Entwicklung durch: Die Person, die ursprünglich als der Kotzbrocken schlechthin eingeführt wurde und auf den Leser zuweilen so angenehm und beliebt wie eine Darmspiegelung wirkte, mausert sich langsam zum Sympathieträger – durch trockenen Humor, lustige Sprüche und ungeahnte Wesenszüge (vor allem sein Kommentar zu einer Zahnärztin war einfach herrlich!) entwickelt er seinen ganz eigenen Charme, sodass man sich nach dem Lesen von Band 2600 durchaus mehr von Homer wünscht.
Nicht nur das: Ab und an war es in der Vergangenheit so, dass sich Autoren mit ihren eigenen Figuren verhedderten, d. h. dass jemand zu Beginn eines Romans z. B. als besonders zurückhaltend beschrieben wurde, im weiteren Verlauf der Handlung dann allerdings das genaue Gegenteil offenbart oder sich in einer Weise verhält, die nicht zur anfänglichen Beschreibung passt. Solche Patzer wird man hier vergeblich suchen – ein gutes Beispiel ist dafür George P. Manlock. Apropos Manlock: Hier dürfen wir übrigens einen alten Bekannten von Mr. High kennen lernen, der für das NCIC (National Crime Information Center) arbeitet.

Auch ansonsten (um mal nicht nur von den Figuren an sich und der äußerlichen Gestaltung zu reden, sondern auch mal vom eigentlichen Inhalt des Romans) kann sich der Jubiläumsband sehen lassen, denn der Autor dieses Romans schlägt mit seinem neuesten Cotton-Roman völlig neue Wege ein und zeichnet damit ein authentisches Bild der wirklichen Ermittlungsarbeit des FBI. Nicht nur, dass die damit verbundene, nötige Teamarbeit einmal deutlich mehr in den Vordergrund tritt und das FBI diesmal nicht an einen Freizeitklub gelangweilter Mittdreißiger erinnert (die Schilderungen der Ermittlungsarbeit des FBI gingen in vielen Bänden der letzten Zeit doch arg ins Klischeehafte. Außerdem waren die Ermittler da nur selten übermüdet oder gar erledigt von der zähen Ermittlungsarbeit, was allerdings völlig unrealistisch ist. Das ist hier zum Glück anders) – auch die ganze Art, in der der Roman aufgezogen ist, ist diesmal anders als sonst. Denn wo früher womöglich nur nach dem engagierten Auftragskiller gesucht würde, kommt hier noch erschwerend hinzu, dass nicht nur die Identität des Profikillers im Dunkeln liegt, sondern auch sein Opfer gänzlich unbekannt ist.

Für den Leser wichtige Informationen werden übrigens glaubhaft in den Erzählfluss eingefügt. Oftmals glänzten Autoren in der Vergangenheit mit zusammenkonstruierten, unglaubwürdigen Dialogen, die zwar dem Leser für den Roman meist nötige Informationen liefern, dabei aber absolut sinnentleert wirken. Auch solche Störfaktoren fehlen gänzlich, da nötige Infos exzellent über Figuren wie Edward G. Homer oder George P. Manlock eingeführt werden (ein gutes Beispiel ist in dem Fall Homers Kommentar zur NSA).

Mit diesem Roman wird (jedenfalls scheinbar) jene „neue Konstellation“ eingeführt, von der bereits im Interview mit Cotton-Redakteur Marzin auf Geisterspiegel.de die Rede war. Diese nennt sich „ENA“ und ist (vermutlich) verantwortlich für den geplanten Anschlag. Dass dieser am Schluss verhindert werden konnte, ist übrigens auf der einen Seite durch die umfangreichen Ermittlungsarbeiten und auf der anderen Seite durch Zufall so gekommen – wobei sich auch hier zeigt, dass der Autor wirklich Ahnung hat von dem, was er da macht: Der Zufall driftet nicht ins derart klischeehafte ab wie in so manchem Roman der vor Monaten eingestellten Krimiserie „Chicago“. Und noch eine Überraschung: Der Auftragskiller wurde nicht, wie man womöglich erwarten würde, von Titelheld und Allround-Talent Jerry Cotton aufgedeckt, sondern von FBI-Kollegin June Clark.

Allgemein mangelt es dem Roman nicht an Realitätsnähe – wo man in Band 2500 auf Gedeih und Verderb mit der Holzhammer-Methode etwas so genannte „Realitätsnähe“ ins Spiel bringen wollte, muss der Autor keine alteingesessenen, beliebten Figuren aus völlig unzureichenden Gründen auf dem Papier töten.
Sehr oft wurden in der Vergangenheit nämlich Profikiller erwähnt, die so gut in ihrem Geschäft waren, dass sie sich nicht mehr vor Aufträgen retten konnten – und trotzdem so dämlich waren, einfachste Fehler zu machen oder in die simpelsten Fallen zu tappen. Auch hier schlägt der Roman außer Art, denn der Auftragskiller wurde am Ende nicht wirklich geschnappt. Zwar konnte die Person, unter deren Namen er operierte, enttarnt werden – die wahre Identität des Killers wurde allerdings nicht aufgeklärt, was in diesem Falle allerdings nicht stört, sondern im Gegenteil darauf hindeutet, dass es noch einmal ein Wiedersehen mit dem „Phantom“ gibt. Das lässt auch einmal das Bild des Profikillers etwas realistischer wirken – denn in diversen Romanen waren die mehr ein Wegwerfprodukt, schon fast ähnlich wie bei Serienkillern.

Erfreulich: Indirekt wird auch geklärt, wer Jerrys Jaguar geklaut bzw. verschrottet hat. Diesmal stand dahinter zum Glück nicht so ein – wie ich finde – unsinniger Grund wie in Band 2217: „Die letzte Fahrt im Jaguar“.

Einzig eine Sache ist unklar:Cotton-Redakteur Marzin schrieb in einem Thread des Forums "An die Redaktion", dass es in Band 2600 „in Bezug auf den Senior“ zu „einer überraschenden Wendung“ käme (O-Ton: „Im Band 2600 kommt es dann in Bezug auf den Senior zu einer überraschenden Wendung.“) – nur, worin besteht denn nun jene „überraschende Wendung“? Gut, der Senior wurde zwar ein paar Mal kurz erwähnt, dabei wurde jedoch nicht klar, ob der Senior überhaupt mit den Ereignissen dieses Romans unmittelbar in Verbindung stand – und schon gar nicht, in welchem Zusammenhang zur „ENA“. Daran soll’s aber nicht scheitern. Vielleicht war damit ja auch gemeint, dass nun neben dem Senior noch eine ganz andere Terrororganisation mitspielt. Nach Jon Bent, Jeff Patrick, der Domäne und dem „Senior“ ist dies wohl ein weiterer Dauergegner in der Cotton-Serie.

Alles in allem ein Lichtblick, der hoffen lässt, dass diese Serie nicht ganz verloren ist – im Gegenteil, ein Lichtblick, der mir zeigt, dass noch viel mehr ungeahntes Potenzial in der Serie im Allgemeinen und den Figuren im Speziellen vorhanden ist. Es müssen nur die richtigen Autoren schreiben.

(Dieser Beitrag wurde vom Benutzer zuletzt um 22:26 Uhr bearbeitet)

erstellt am 03.10.17 16:41
Autor: Christian Schwarz.

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