Suche
Beitrag User
 
 
Thema: MX-Fanroman(e)
| |

Antworten zu diesem Thema: 221

Zurück
1 2 3 4 ... 21 22 23


erstellt am 24.09.99 00:00
Das Erwachen

Ganz leise drangen rauschende Geräusche und Licht in sein erwachendes Bewusstsein. Der Mann tauchte aus einer schwarzen Ohnmacht auf. Vorsichtig begann sein Verstand wieder zu arbeiten. Wie aus einem zweiten Ich fragte eine hohle Stimme in ihm:
"Wer bin ich? Wo bin ich?"
Das erste Ich antwortete pflichtgemäß:
"Ich bin Matthew Drax. Ich weiß nicht wo ich bin. Wen interessiert das?"
Zäh flossen die beiden Ichs ineinander und besannen sich auf den Körper, der ihr physikalischer Träger war. Matthew Drax spürte Schmerzen und versuchte, sich vorsichtig zu bewegen.
"Verdammt! Ich bin Matthew Drax. Alle Knochen tun mir weh, ich weiß nicht wo ich bin, und das interessiert mich doch!"
Er richtete den Oberkörper auf, wobei er sich auf die Ellenbogen stützte. Zunächst blickte er auf sich herunter. Er war dreckig, er starrte geradezu vor Dreck. Seine Hose war an den Knien aufgerissen. Dunkelbraune Krusten ließen ihn ahnen, dass sein Blut geflossen sein musste. Seine Lederjacke war ebenso schmutzig. Er fingerte in seine Taschen, aber es erstaunte ihn nicht, dass er nichts fand. Geplündert, verprügelt, weggeschmissen - das war ihm wohl zugestoßen.
Er sah sich um. Er befand sich in einem niedrigen Raum, der voller Schutt war. Von der Seite spendete eine offene Luke graues Licht. Sein Aufenthaltsort musste dicke Wände haben. Das Sausen des Windes vor der Luke war das einzige Geräusch.
Matthew stützte sich auf seine zerschundenen Handflächen. Vorsichtig probierte er, seine Beine zu bewegen. Er war innerlich irgendwie dankbar, als er festgestellt hatte, dass er keine gebrochenen Knochen hatte. Erst jetzt spürte er seinen Durst. Mit dieser Empfindung stieg auch die Wut in ihm auf. Was war mit ihm geschehen? Aber er hatte keine Erinnerung.
Mit einigen derben Flüchen drehte er sich auf den Bauch, zog die Beine hoch und begann, über die scharfkantigen Trümmer in Richtung Luke zu kriechen.

erstellt am 25.09.99 00:00
Licht

Das einfallende Licht sah irgendwie anders aus, dunkler ...
Matthew erreichte die Luke, und erstarrte. Er wußte nicht welchen Anblick er erwartet hatte, aber damit hatte er ganz sicher nicht gerechnet!

erstellt am 26.09.99 00:00
Eine Begegnung

Vor der Luke standen zwei fürchterliche Gestalten. Die Gesichter waren grauenvoll entstellt. Wie lose Lappen hingen die Wangen herunter, und die Haut schien graugrün und voller Geschwüre. Beide waren in Lumpen gekleidet, die schmutzig und zerfetzt aussahen.

Waren das die Leute, die ihn überfallen hatten? Matthew Drax, den man Maddrax nannte, dachte nach. Nein, es konnte nicht so sein, wie er es sich im ersten Moment vorgestellt hatte. Einen Menschen plünderte man nicht aus und warf ihn weg. Ein Mensch - das bedeutete Fleisch, das bedeutete in diesen Zeiten Nahrung für mehr als zwei Wochen! Und wenn man ihn am Leben gelassen hatte, damit er nicht zu schnell verfaulte - warum hatte man ihn nicht gefesselt?

Vorsichtig schaute es nach draußen. Die Gestalten hatten sich nicht bewegt. Mit denen könnte man fertig werden, dachte Maddrax, so ausgehungert und elend, wie sie aussahen.

Maddrax wußte, daß er versuchen mußte, mit diesen Gestalten Kontakt aufzunehmen. Vielleicht waren sie seine einzige Chance. Er hatte nochmal seine Taschen durchsucht. Er besaß noch nicht einmal seinen größten Schatz, den er gerettet hatte, und der aus einem Feuerzeug bestand. Der Durst quälte ihn. Entschlossen robbte er durch die Luke und schritt wankend vor Schmerzen auf die beiden Gestalten zu.

erstellt am 29.09.99 00:00
Gleichzeitig im Lager der Sox

Red Sox war mit sich unzufrieden. Er wußte immer noch nicht, wie es geschehen konnte, daß ihm dieser Lederkerl entkommen war. Wenn da nicht diese verdammten Soldos von seinem Widersacher Der Große die Finger im Spiel hatten! Red Sox würde das herausfinden. Er tröstete sich für den Moment damit, das erbeutete Feuerzeug aufflammen zu lassen. Für die Pistole, die sie gefunden hatten, besaß er keine Munition. Er würde sie aufbewahren, bis sich etwas passendes finden würde.

Die Sox, wie sich seine Gruppe nannte, hatten sich in einem erhaltenen ehemaligen Bunkerbauwerk eingerichtet. Hier gab es einige Räume und vor allem die Möglichkeit, ein Feuer zu hüten. Auf ausgedehnten Streifzügen hatten die Sox alles herbeigeschleppt, was sie tragen konnten. Unter den gegebenen Umständen nannten sie ihre Behausung stolz "komfortabel".

"Red, Brando hat sich verletzt. Er hat Fieber - eine offene Wunde. Du solltest nach ihm sehen!" Red Sox Freundin hieß Myrna. Wenn man von ihrem ungepflegten Haar absah, war sie ganz hübsch.

Red Sox ärgerte sich wieder. Dieser Idiot Brando! Die Sox waren nicht darauf eingerichtet, einen Kranken zu pflegen. Es gab keine Medikamente, und aufs Kräutersuchen verstand sich niemand von ihnen. Unmutig ging Red Sox zum Lager des Kranken.

Brando lag im Fieberwahn. Red Sox klappte das Hemd des Kranken zur Seite und blickte auf die große, entzündete Wunde. Red Sox zog sein Messer.

erstellt am 29.09.99 00:00
Eine neue Bekanntschaft

Maddrax fragte sich, wie er die beiden Gestalten ansprechen sollte. Da ihm nichts Vernünftiges einfiel, begrüßte er sie mit einem schlichten "Hallo ...?"

"Hallo Maddrax!" sagte die eine der Gestalten. Die Reihe blendendweißer Zähne, die in dem vertrockneten Mund aufblitzte, zeigte, dass diese Person sehr viel jünger sein musste, als sie aussah. Maddrax streckte seine Hand zum Gruß aus.

"Es tut mir leid", sagte die Gestalt, "aber wir können uns nicht die Hände schütteln. Wir haben nicht die Bewegung!"

Maddrax staunte. "Was heißt das - nicht die Bewegung?"

Die andere Gestalt meldete sich. Auch sie hatte tadellose weiße Zähne und drückte sich sehr gebildet aus. "Wir dürfen uns vorstellen: Sie ist Melta, und ich bin Baron. Wir haben die Bewegung nicht, das bedeutet, dass wir uns nicht bewegen können. Die Bewegung haben bei unseren Leuten nur Der Große und seine Soldos. Sie bekommen entsprechend Nahrung. Wir anderen haben die Bewegung nicht. Die Soldos tragen uns bei Bedarf. Wir verbrauchen so gut wie keine Nahrung!"

"Wie sind Sie hierher gekommen, Melta und Baron, und was tun Sie hier!"

"Der Große hat uns gebracht und hier abgestellt. Wir sollten auf Sie warten, Maddrax, bis Sie wieder zu sich gekommen sind. Wir sollten Sie ansprechen und fragen ..." Melta verengte ein ganz kleines bisschen ihre Augen. Sollte das ein Lächeln sein?

"Was sollten Sie fragen?" Maddrax war verwirrt. Baron antwortete ihm.

"Wir haben in der letzten Auseinandersetzung drei Soldos verloren. Um ehrlich zu sein: Wir brauchen Leute, sonst können wir unsere Kolonie nicht mehr lange halten. Als Soldo erhalten Sie zu essen ..." Barons Stimme klang etwas bekümmert. Maddrax schloss daraus, dass Nahrung der einzige Reiz bei dem Angebot sein würde. Aber er hatte keine große Wahl. Er würde annehmen und dann weitersehen.

"Ich sehe mir das an. Wie kommen wir dorthin, ich meine, zu dem, was Sie Kolonie nannten?"

"Sie müssen uns tragen, Maddrax. Wir sagen Ihnen den Weg!"

Maddrax legte den dürren Gestalten die Arme um die Hüften. Sie waren nahezu federleicht und bestanden nur aus Haut und trockenen Knochen.

"Dann wollen wir los ...", sagte Maddrax. Meta und Baron sagten ihm die Richtung an.

erstellt am 01.10.99 00:00
Maddrax trifft auf die Soldos

Maddrax hatte Melta und Baron "abgegeben". Zwei Soldos hatten sie in Empfang genommen und in einen Raum getragen, in dem viele dieser jämmerlichen Gestalten auf einfachen Pritschen lagen. Maddrax hatte einen Blick in den Raum geworfen. Einige der Gestalten schienen zu schlafen, andere blickten aus wachen Augen auf ihn. Aber niemand sprach ein Wort. Maddrax vermutete, dass diese Menschen sich ohne Worte unterhielten, um mit der Körperenergie möglichst sparsam umzugehen.

Die Soldos brachten ihn zu dem Mann, den Melta und Baron als "Der Große" bezeichnet hatten. Der Große war ein finsterer Kerl, aber seine Stimme klang dunkel und freundlich. Maddrax bekam einen Stuhl und ein Glas Wasser angeboten.

"Wie ich sehe, geht es Ihnen ganz gut, Mr. Drax!"

"Danke. Vielleicht können Sie mir helfen, meine Erinnerung aufzufrischen - mir fehlen ein paar Stunden ..."

"Gerne. Sie hatten einen Flugzeugabsturz, ganz hier in der Nähe. Wir haben die Rauchsäule gesehen, und ich bin mit einigen unserer Soldos dorthin gelaufen - Entschuldigung ... aber wir haben hier eine Menge Versorgungsprobleme ... Sie verstehen?"

Maddrax verstand auch ohne weitere Erklärung, dass der Große zum Plündern ausgerückt war. Der Große fuhr fort: "Leider waren die Sox, eine üble Bande, schneller als wir. Wir mussten uns verstecken, denn sie sind uns überlegen und besitzen sogar Waffen - die wir übrigens nicht haben. Die Sox hatten Sie dazwischen. Wir mussten eingreifen. Ein explodierender Tank Ihrer Maschine brachte die Kerle durcheinander. Sie ließen Sie los und sind weggerannt. Meine Soldos haben Sie weggeschleppt, erstmal in einen Unterschlupf - dort, wo Melta Sie angesprochen hat. Wir haben Sie dort gelassen und uns an den Flugzeugtrümmern bedient - wir können hier jedes Blech gebrauchen. Ach, noch was: Ich habe Ihren Ausweis hier - und wir haben schon von Ihnen gehört!"

Maddrax nahm die Identitätskarte wieder an sich. "Wo liegt die Maschine?"

"Sie glauben doch nicht, dass Sie dort noch etwas finden ...?" Das hatte Maddrax befürchtet.

"Melta und Baron - sie hatten ein Angebot für mich. Aber ich fürchte, ich kann es nicht annehmen. Ich muss versuchen, zu meiner Basis zurückzukommen. Können Sie mir sagen, wo wir hier sind?"

Der Große schüttelte seinen Kopf. "Was spielt das für eine Rolle? Und eins sage ich gleich: Ich finde das ein wenig - undankbar von Ihnen. Immerhin haben wir Ihnen das Leben ..."

Maddrax sah das ein. Außerdem würde man ihn sicher suchen, und es konnte nicht schaden, wenn er sich vorher ein bisschen erholte. Aber der Große verscheuchte diese "Urlaubsidee": "Ich brauche Ihre Qualitäten als Krieger. Und darum habe ich beschlossen, Sie für einen Monat dienstpflichtig zu machen. Danach sind Sie frei. Ich denke, damit können Sie einverstanden sein. Es ist besser als tot zu sein." Maddrax dachte einen Moment nach. Er konnte es sich wirklich nicht leisten, jetzt ohne jede Ausrüstung auf eigene Faust loszuziehen. Ein Monat als Söldner - was konnte das schaden? Also willigte er ein.

Der Große grinste. "Sie wohnen bei Schalke Peter. Er ist sowas wie unser Priester, wenn Sie wissen, was das ist!"

Maddrax hatte nur eine vage Vorstellung von dem, was ein Priester ist.

erstellt am 01.10.99 00:00
Auf Bindermanns Basis

Major Bindermann schaute auf den flackernden Bildschirm. Er hoffte, daß das uralte Gerät halten würde. Wenn die Bildröhre versagte, hätten sie nicht mehr viel Ersatz. Während es an Spulen und Kondensatoren eigentlich ganz gute Vorräte gab, waren Bildröhren rar. Niemand in der neu gegründeten Abteilung Technik wußte, wie man eine Bildröhre innen beschichtete, wie man sie luftleer bekam. Die Einheit war ganz auf das angewiesen, was sie im Depot vorgefunden hatte.

Die Techniker bauten inzwischen "neue" Geräte, indem sie alte zerlegten, die Nummern und Farbcodes der Bauteile katalogisierten und danach die Struktur aus den Ersatzteilen nachbauten. Da sie noch experimentierten, wie man Platinen herstellen konnte, bestanden diese Neuschöpfungen aus unglaublichen, wirren Drahtknäueln.

Strom gab es in Hülle und Fülle. Da vor der Bunkeranlage seit Jahren ein schneidender Wind jagte, hatten sie die beiden Windgeneratoren in Betrieb genommen. Die früheren Besitzer des Bunkers waren ordentliche Leute gewesen. Zu jeder Anlage gab es eine Unzahl verständlicher Zeichnungen und Texte. Daraus hatten Bindermanns Leute ein ganz leidliches System rekonstruiert.

Bindermann, der Major war, weil die einzige Uniform, die ihm paßte, in einem Regal mit der Aufschrift MAJOR gelegen hatte, kniff die Augen zusammen. Auf dem Liniensystem des Bildschirms sah er jetzt deutlich, wenn auch nur sehr kurz, den grünen Punkt aufleuchten. "Leute, Drax lebt - es ist eindeutig sein Signal!" Pilcher und Gropper, die Männer, die den technischen Wiederaufbau verantworteten, traten an seine Seite. Da war es wieder! Kurz leuchtete der Punkt auf.

"Das ist aber nicht der vereinbarte Rhythmus!" Pilcher schüttelte den Kopf.

"Wer weiß, ob das Signalgerät richtig funktioniert, schließlich mußten wir es in sein Feuerzeug einbauen, denn es geht nur mit diesem Piezo-Dings-Effekt! Er hat es schon ein paarmal probiert!" Bindermann hoffte auf Zustimmung. Die kam von Gropper: "Auf jeden Fall müssen wir ihn suchen. Vielleicht ist er nicht abgestürzt, vielleicht ist er nur notgelandet ...!"

"Wir haben nur noch die "Camel". Ihr wißt, daß wir mit den Düsenmaschinen noch keine Erfahrung haben!" gab Pilcher zu bedenken, "... und wenn die "Camel" auch draufgeht, dann ist es Essig mit unserer Suche!"

Seit etwa vier Monaten unternahm die Einheit um Bindermann Flüge, um Kontakte zu anderen Technikbesitzern zu suchen. Maddrax war auf einem dieser Flüge gewesen. Aber er war seit drei Tagen überfällig. Zudem war er ihr bester Pilot. Wieder flackerte der grüne Punkt, ohne seine Koordinaten verändert zu haben.

"Bloch soll kommen. Er soll die Camel fliegen. Und ich mach ihm eine Karte!" entschied Gropper.

erstellt am 02.10.99 00:00
Nachricht von Lux Sox

Red Sox hielt das Messer mit der einen Hand. Mit der anderen pfriemelte er eine Zigarre aus seiner Tasche und schnitt ein Stück ab, das es mit einem kräftigen Ruck in Brandos Wunde schob. Der Verwundete bäumte sich vor Schmerzen im Bett auf.

"Was verplemperst du Zigarrenstücke an den? Der Typ ist fertig, das sieht man doch! Der kommt in die Speisekammer!" Ein mieser Sox hatte sich hinter Red Sox gestellt und der seltsamen Heilbehandlung zugesehen. "Du redest irre!" schimpfte Red Sox und richtete sich, das Messer drohend in der Hand, auf. "Brando ist voller Entzündungen. Wer von diesem Fleisch was ißt, kann sich gleich in der Speisekammer neben ihn hängen. Und außerdem hat Brando die Zigarren gefunden und nicht du, du blöder Hampelmann!"

Der als "Hampelmann" Bezeichnete wagte nichts mehr zu sagen. Der letzte, zu dem Red Sox Hampelmann gesagt hatte, war vor vier Wochen verspeist worden.

Red Sox machte sich Sorgen. Es stand nicht allzu gut um seine Bande. In den letzten Monaten hatten sie wenig Essbares gefunden, und nachdem sie die Umgebung nach Brauchbarem geradezu abgegrast hatten, fiel ihm nur noch ein Überfall auf die andere Gruppe, die im weiten Umfeld überlebt hatte, ein: Die Leute um Den Großen. Vergeblich hatte Red Sox in der Vergangenheit versucht, dort einen Spion einzuschleusen. Aber diese Soldo-Bande war schlau und hatte seine Spitzel erkannt, bevor sie ins Lager konnten. Den einzigen Soldo, den die Sox hatten gefangennehmen können, hatte sich irgendwie selbst getötet. Sie hatten ihn vernommen, zwar bedroht, aber nicht geschlagen. Und er war einfach gestorben. Immerhin war er ein muskulöser Bursche gewesen, der gutes Fleisch geliefert hatte. Doch in diesem Moment wurde Red Sox aus seinen Gedanken gerissen. Lux Sox, der als Späher eingesetzt war, brachte die Nachricht, daß Maddrax bei den Soldos eingetroffen war. Red Sox faßte einen bösen Plan. Wenn Maddrax bei den Soldos war - warum sollte die nicht glauben, daß er ein Sox-Spion wäre? Sie würden ihn verhauen und rausschmeißen. Die Sox würden ihn erwarten und ausfragen. Und an die Speisekammer dachte Red Sox auch. Zum erstenmal seit langem glühte sein böses Gesicht wieder voller Vorfreude auf.

erstellt am 02.10.99 00:00
Der Schalke Peter

Schalke Peter war ein kleiner, unscheinbarer Mann mit einer riesigen Nase. Er bewohnte einen riesigen Keller, der voller merkwürdiger Apparate und Bücher war. In einer Ecke stand ein Stahlregal voller scharf riechender Säure-Akkumulatoren. Armdicke Kabel, vielfach umwickelt, führten durch ein Loch in der Wand in einen Nebenraum. Die Decke war an vielen Stellen abgestützt.

In der Mitte des Raumes standen mehrere große Tische voller technischer Zeichnungen, Zirkeln und Stiften. Die Beleuchtung bestand aus hunderten von winzigen Glühbirnen, die in einem Drahtnetz über den Tischen an der Decke hingen.

Schalke Peter erhob sich gerade von einer der Liegen, von denen mehrere im Raum verteilt herumstanden. Er kam auf Maddrax zu, der gerade von einem der Soldos in den Keller gebracht worden war. "Sie haben also zugesagt, Maddrax? Ich bin Schalke Peter!"

Maddrax reichte den kleinen Mann die Hand. Sein Händedruck wurde mit überraschender Kraft erwidert. "Hallo, Herr Schalke Peter - nein, zugesagt habe ich nicht. Einen Monat bleibe ich - und den hat mir der Herr "Der Große" aufgebrummt!"

Schalke Peter lachte kurz auf. "Es wird Ihnen bei uns gefallen, Maddrax. Übrigens, "Herr" oder "Frau" gibt es bei uns nicht. Die Stillen haben einen Namen, und die Aktiven haben zwei Namen. Drei Namen hat allein "Unser Lieber Bohne", der uns erretten wird!"

In Maddrax stieg ein Gefühl angenehmer Neugierde auf. Stille, Aktive, Bohne und dieser merkwürdige Raum voller seltsamer Dinge versprachen ihm plötzlich ein besonderes Abenteuer. Ja, es würde ihm gefallen. "Der Herr - nein, ohne Herr - Der Große sagte, Sie sind ein Priester. Wie meint er das?"

"Priester ist ein altes Wort, dessen Bedeutung wir noch nicht vollständig enträtselt haben. Vielleicht trifft es zu. Ich aber bin ein Schalke!"

Maddrax bat um eine Erklärung. Schalke Peter schob ihm einen Teller mit kaltem Gemüsebrei hin. Während Maddrax den Pamp hungrig löffelte, begann Schalke Peter mit seiner Erklärung. "Nicht weit von hier gab es in der Vorzeit eine Kultstätte. Wir haben davon Bilder und Tondokumente gefunden. Es muss sich um einen Versammlungsort sehr vieler Menschen gehandelt haben, die gemeinsam laut gerufen und gesungen haben. Angeleitet wurden sie von Leuten, die Schalke hießen. Ein Ball, vermutlich ein Sinnbild des Bösen, wurde mit Füßen unter dem Jubel der Rufenden und Singenden in der Mitte der Kultstätte herumgetreten. Wir kennen die Bedeutung und das Ziel des Rituals nicht. Aber wir haben auf einem Tonband die unglaublichen Schreie gehört. Leute, die andere so anleiten können, nennen wir also Schalke. Ich bin bei uns der Schalke."

Maddrax schaute ihn ungläubig und etwas dümmlich an. "Die Klosetts sind da hinten ..." beeilte sich Schalke Peter zu sagen. "Ich haue mich jetzt aufs Ohr - ich schlafe jede Stunde für 15 Minuten." Damit warf er sich auf eine der Liegen und war sofort eingeschlafen.

erstellt am 03.10.99 00:00
Ein Job für Maddrax

Die Viertelstunde, in der Schalke Peter schlief, nutzte Maddrax, um seinen Pamp aufzuessen, sich zu waschen und seine Wunden zu betrachten. Glücklicherweise waren es nur Abschürfungen. Maddrax weichte seine Klamotten in Wasser ein, umhüllte sich mit einem der großen Badetücher, und wollte sich auf eine der Pritschen des Schalke zu einem Nickerchen ausstrecken. In diesem Moment aber erwachte Schalke Peter.

"Ich sehe, dass Sie die Zeit genutzt haben. Bitte gewöhnen Sie sich an meinen Schlafrhythmus. Das ist effektiver. Also können Sie in einer Stunde etwas schlafen. Bis dahin will ich Ihnen noch meinen Plan erläutern!" Maddrax gähnte ostentativ, was den Schalke aber nicht beeindruckte.

"Vielleicht haben Sie schon mitbekommen, dass wir einen Angriff der Sox befürchten. Wir werden Sie also eine Weile hierbehalten. Dann werden wir Sie zum Schein verprügeln und rausschmeißen. Die Sox beobachten unser Lager, das wissen wir ganz genau. Sie werden Sie aufgreifen und zu sich ins Quartier schaffen, um Sie zu verhören. Und damit wären Sie schon mal dort eingeschleust. Soviel im Groben. Und nun wollen wir etwas an Ihrer Ausrüstung und Ihrem Auftrag dort feilen!"

Maddrax war schon alles egal. Er war müde. Die Aussicht auf ein Viertelstündchen Schlaf war im Moment für ihn so verlockend, dass er den Ausführungen des Schalke willig folgte.

Zurück
1 2 3 4 ... 21 22 23

Top

Sie interessieren sich für unsere aktuellen Meldungen? Hier finden Sie die neuesten Informationen rund um unsere Verlagsprodukte.
mehr ...
 
Hier finden Sie wichtige Informationen und Hinweise zur Registrierung und der Struktur des Bastei Forums.
mehr...
Content Management by InterRed