24.10.2017, 07:53 Uhr

http://www.bastei.de/indices/index_allgemein_15936.html



Band 1928
Erschienen am 17.10.2017
Vier Kugeln
Geschrieben von G. F. Unger

Als er den Rio Grande durchfurtet hat, hält er nur einen Moment lang an, um nach seinen Verfolgern Ausschau zu halten. Doch diese sind nicht in Sicht.
Die Sonne sinkt im Westen.
Ed Stedloe macht sich nichts vor. Er weiß, dass er dieses gierige Rudel nicht dadurch abschütteln konnte, dass er sich jetzt nicht mehr in Mexiko, sondern in Texas befindet. Das Rudel wird ihm folgen.
Aber er hat eine ganze Nacht Vorsprung. Erst morgen werden sie seine Fährte wieder aufnehmen können.
Morgen!
Oha, bis dahin ist es noch eine lange Zeit.
Ed Stedloe grinst, wenn er daran denkt, was er bis zum nächsten Tag alles tun kann. Denn dies hier ist sein Revier. Von hier aus ist er eines Tages nach Süden geritten, um an der Revolution gegen Maximilian teilzunehmen und dabei sein Glück zu machen.
Er war einer der vielen Revolvermänner und Abenteurer, die sich wie Landsknechte verdingten und insgeheim nach Beute Ausschau hielten. Und er hat eine Menge Beute gemacht, kostbare Beute. Es gilt jetzt nur, sie in Sicherheit zu bringen …


Band 1929
Erscheint am 24.10.2017
Alamo Loke
Geschrieben von G. F. Unger

Alamo Loke verhält seinen struppigen Pinto und späht zu den Häusern der kleinen Stadt hinüber. Dann holt er sein Rauchzeug aus der linken Tasche seiner ärmellosen Wildlederweste und dreht sich eine ziemlich dünne Zigarette.
Bald raucht er und starrt auf die Dächer der kleinen Stadt, und er tut es mit einer forschenden Wachsamkeit. Er kam den North Pass herunter und hält jetzt auf der letzten Terrasse über der kleinen Stadt.
Als er fertig geraucht hat, wirft er die Kippe weg und spuckt in den Staub der Poststraße. Sein ramsnasiger Pinto wendet den Kopf, rollt die funkelnden Augen und schnaubt kurz.
»Du denkst an einen Berg goldener Körner und süßes Heu in einem Stall, Bristly«, murmelt er. »Aber wenn wir hinunter in diese Stadt reiten, wird der Kummer nicht ausbleiben. Und doch muss ich mein Versprechen einlösen und den Scheck auf Dob Moores Konto einzahlen.«
Er verstummt, lächelt bitter und trotzig. Und dann schnalzt er leise mit der Zunge.
Der Pinto setzt sich sofort in Bewegung und trottet mit seinem Reiter die letzte Kehre der staubigen und schlechten Passstraße hinunter …


Band 1930
Erscheint am 28.10.2017
Rauchige Zeit
Geschrieben von G. F. Unger

Emmet Algernon lehnt sich vor und lauscht in die Nacht. Er hört den trommelnden Hufschlag eines Pferdes immer deutlicher, und dann erkennt er den jagenden Schatten in der Nacht.
»Das ist Reb! Zum Teufel, warum reitet er, als wenn er gehetzt würde?«
Er gleitet ins Haus, wirft sich dort im Dunkeln den Waffengurt um, rückt den Colt im Holster zurecht und nimmt das Gewehr vom Hirschgeweih. Dann gleitet er wieder hinaus auf die Veranda und wartet.
Der Reiter jagt auf den Hof und hält vor der Veranda an. Das Pferd spreizt die zitternden Beine und lässt den Kopf hängen. Es ist restlos fertig - man sieht es deutlich im Mondlicht.
»Bruder, sie haben mich angeschossen«, krächzt Reb heiser und tastet nach seiner rechten Schulter.
Emmet Algernon stößt einen heiseren Laut aus. Er stellt das Gewehr weg, springt von der Veranda und hilft dem Bruder vom Pferd. Als er ihn ins Haus führen will, sträubt sich Reb energisch.
»Geht nicht, Emmet! Ich habe sie zwar abgeschüttelt, aber sie finden meine Spur wieder. Diese Mondnacht ist zu hell. In einer Stunde sind sie hier. Du musst mich verbinden. Und dann will ich den Hengst haben. Nur auf Apaches Rücken kann ich entkommen! Ah, er ist schon bei Jahren, aber er schlägt noch immer jedes Pferd auf tausend Meilen in der Runde!« Reb setzt sich ächzend auf die oberste Verandastufe. »Nun mach schon, Bruder! Oder willst du, dass sie mich hängen? Oh, ich war ein Narr, aber nun ist nichts mehr daran zu ändern. Ich bin erledigt, wenn ich nicht …«




© 2006-08 Bastei Verlag