23.01.2018, 19:06 Uhr

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Band 1942
Erschienen am 23.01.2018
Es waren sechs Texaner
Geschrieben von G. F. Unger

Lou Madisons Haus war für alle wilden Jungs mit genügend Dollars das Paradies. Denn bei ihr arbeiteten die schönsten Mädchen auf fünfhundert Meilen in der Runde.
Wir hatten eine Pferdeherde hergebracht. Denn Pferde waren knapp in Golden Bucket, was so viel wie »Goldener Eimer« bedeutet. Der Name kam zustande, als jemand mit einem Eimer Wasser aus dem Creek holte. Nachdem sein Pferd den Eimer leer gesoffen hatte, sah er sich den Sand darin an. Aber es war kein richtiger Sand. Es war mehr Gold als Sand. Der Bursche von damals hatte also Gold im Eimer.
Und weil er das nicht für sich behalten konnte, gab es hier bald tausend und noch mehr goldhungrige Burschen mit allem nur denkbaren Zubehör. Das Camp schoss wie eine Kolonie Pilze aus dem Boden. Man nannte es Golden Bucket. Und im Winter stellte sich heraus, dass die goldhungrigen Digger vom Gold nicht satt werden konnten. Sie brauchten Fleisch. Es war nicht mehr genug Wild da nach einigen Blizzards. Da begannen sie ihre Pferde zu verspeisen. Und deshalb hatten wir eine Herde hergebracht, weil niemand gern zu Fuß ging und wir auf gute Preise hofften ...


Band 1943
Erscheint am 30.01.2018
Clearwater
Geschrieben von G. F. Unger

Die Savage-Brüder hatten mich eingekeilt an diesem grauen Morgen, als ich aus Molly Dunns Etablissement trat. Es war das nobelste Sündenhaus von Fort Benton.
Ich hatte bei Molly Dunns Schönen eine lange Nacht verbracht, zuletzt mit der wirklich wunderbaren Sally in deren Bett. Und so war ich so richtig zufrieden mit mir und der Welt. Nun wollte ich so schnell wie möglich von hier fort. Denn die Savage-Brüder Tom, Clark und Jesse waren schon lange scharf auf meinen Skalp. Ich hatte erfahren, dass auch sie sich in Fort Benton aufhielten, und wollte ihnen aus dem Weg gehen.
Deshalb verließ ich das Haus der sieben Sünden im Morgengrauen. Dabei hätte ich ebenso gut noch eine Weile bei Sally im Bett bleiben können. Da hätte ich wenigstens noch etwas Spaß und Freude gehabt.
So aber - das wusste ich - musste ich um mein Leben kämpfen. Tom und Clark standen vor mir. Sie waren aus einer Gasse getreten und versperrten mir mitten auf der staubigen Fahrbahn den Weg. Sie grinsten mich im ersten Morgengrauen voll böser Freude an und kamen sich wie Jäger vor, die ein Wild endlich in die Enge getrieben und zum Abschuss gestellt hatten.


Band 1944
Erscheint am 06.02.2018
Im Tal der flüsternden Winde
Geschrieben von G. F. Unger

Der Truthahn saß auf der anderen Seite des Creeks im Gebüsch. Ich griff ins knöcheltiefe Wasser, holte einen Kiesel heraus und hob schon die Hand, um ihn zu werfen. Ich wusste, dass ich den Truthahn damit hochscheuchen und ihn dann mit einer schnellen Kugel erwischen würde. Aber ich warf den Kiesel dann doch nicht. Im letzten Moment merkte ich, dass er für seine Größe zu schwer war. Und so vergaß, ich den Truthahn und sah mir den vermeintlichen Kiesel genauer an. Es war keiner. Ich hielt ein Nugget in der Hand.
Ja, es war ein Klumpen Gold, fast doppelt so groß wie eine Walnuss.
Und da staunte ich erst einmal, ich, Patrick O'Casey, dessen Vater noch auf Irlands grüner Insel geboren worden war.
Verdammt noch mal, ich hielt einen Klumpen Gold in der Hand. Jawohl! Ich wollte den Goldklumpen einstecken und mich daranmachen, unter den Kieseln des Creeks nach weiteren zu suchen.
Doch da merkte ich zum Glück, dass ich Besuch bekommen hatte. Dieser Besuch beobachtete mich schon eine Weile. Und so wurde, es höllisch Zeit, den Goldklumpen wie einen wertlosen Kiesel durch die Gegend zu pfeffern. Ich tat es, und als der Truthahn aufflog, schoss ich daneben.
Danach wandte ich mich um, und ich hatte meine Winchester blitzschnell repetiert. Wie zufällig hielt ich sie im Hüftanschlag ...




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