20.07.2018, 22:17 Uhr

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Band 1967
Erschienen am 17.07.2018
Er kam aus Sonora
Geschrieben von G. F. Unger

Ich war müde und ausgebrannt, denn ich saß schon an die zwanzig Stunden im Sattel. Auch mein Pferd war am Ende. Ich nahm den letzten Schluck aus der Wasserflasche, starrte auf das Dorf hinunter und erinnerte mich daran, wie ich es mir am Vortag bei Rosita Gonzales hatte bequem machen wollen.
Ich hatte mir schon die Stiefel ausgezogen und war dabei gewesen, zu Rosita ins Bett zu steigen, als es an der Haustür klopfte. Dazu rief eine heisere Stimme: »He, Johnny Mahoun! Ich sehe dein Pferd im Corral! Du musst also drinnen im Haus sein! Steck deinen Kopf zum Fenster raus, denn ich habe dir etwas zu sagen! He, Johnny Mahoun, es eilt!«
Nun, Johnny Mahoun, das ist mein Name. Und auch mein Pinto stand im Corral von Rosita Gonzales' kleinem Anwesen am Rand der Stadt. Es hätte wenig Sinn gehabt, mich nicht zu zeigen. Und so steckte ich den Kopf aus dem Fenster und blickte aus dem oberen Stockwerk des kleinen Adobe-Hauses auf den Reiter nieder, der schadenfroh zu mir empor grinste.
Verdammt, mir schwante nichts Gutes. Verdruss kam auf mich zu. Und mein Schäferstündchen mit Rosita konnte ich ganz gewiss vergessen ...


Band 1968
Erscheint am 24.07.2018
Texasherde
Geschrieben von G. F. Unger

»Meine Nase sieht nicht besonders gut aus«, sagt Ben Arb bitter. »Trotzdem kann ich damit ganz deutlich den Verdruss riechen, den wir bald in diesem Becken haben werden.«
Ben Arb macht eine Pause, spuckt den alten Priem aus und beißt sich ein neues Stück von der langen Tafel ab. Dabei schnüffelt er durch seine lächerliche Kartoffelnase und hält die listigen Fuchsaugen auf seinen langen Freund Tob Kitshum gerichtet.
Die beiden Cowboys kauern in der Sonne an der Wand des General Store und beobachten die Posthalterei gegenüber.
Tob Kitshum verzieht sein langes Pferdegesicht zu einem Grinsen und nickt.
»Sicher, Heldenvater - es gibt Verdruss«, sagt er dann ernst. »Und dieser Verdruss ist so sicher wie die Hölle.«
»Warum sitzen wir dann hier noch herum?«, knurrt Ben Arb. »Warum suchen wir nicht einen gesünderen Kurort auf, wo gute Kerle wie wir sorglos und rechtschaffen leben können? Ah, Tob, du weißt doch selbst, wie sehr Oliver Maxwell uns liebt! Warum willst du warten, bis er uns die Haut abzieht?«
Tob Kitshum lächelt seltsam. Seine kleinen Augen beginnen zu funkeln ...


Band 1969
Erscheint am 31.07.2018
Gekaufter Colt
Geschrieben von G. F. Unger

Es gab damals viele Burschen westlich der Mississippi-Missouri-Linie, die ritten von einem Verdruss in den anderen. Zu dieser Sorte gehörte auch ich. Denn hatte man sich erst einmal Revolverruhm erworben, saßen einem bald schon die Schatten auf der Fährte und holten einen ein, sobald man nur kurze Zeit irgendwo anhielt.
Manchmal wartete der Verdruss sogar schon auf einen, wie an jenem Augusttag des Jahre 1870, als ich nach Saint Louis kam. Ich glaubte in der Stadt untertauchen zu können wie eine Stecknadel im Heuhaufen, und genau das war ein verhängnisvoller Irrtum von mir.
Eine lange, heiße und staubige Fahrt lag hinter mir. Das Erste, was ich brauchte, war ein kühles Bier. Und so ging ich in die nächste Spelunke, denn für einen noblen Saloon reichte mein Geld nicht mehr.
Nun, ich hatte mich bisher auch in der miesesten Höhle behaupten können und machte mir deshalb keine Sorgen. Aber, verdammt, diesmal hätte ich mir welche machen sollen!




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