19.12.2018, 13:37 Uhr

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Band 2390
Erschienen am 18.12.2018
Die rauen Burschen
Geschrieben von G. F. Unger

Im Schatten des letzten Hügels hält er an. Vor ihm verengt sich das Tal zu einem Canyon. Und dort brennt ein einsames Licht in der hellen Nacht. Es wirft einen gelblichen Schein.
Es ist die alte Ranch, denkt Gil Glenncannon. Und sie ist nicht verfallen und verlassen. Es wohnt dort jemand. Wer?
Er reitet weiter - direkt auf das gelbe Licht zu. Plötzlich aber vernimmt er den Hufschlag einer rau und wild reitenden Mannschaft. Er biegt sofort vom Weg ab und verhält sein Pferd erst im Schatten einiger Bäume. Bald darauf kann er die Mannschaft sehen. Sie kommt von Nordwesten her aus den Hügeln, überquert die Weide und hält genau auf das einsame Licht in der Nacht zu.
Gil Glenncannon schluckt etwas mühsam, denn er erinnert sich an eine Nacht vor zehn Jahren, die ebenfalls vom Hufschlag einer rauen Mannschaft erfüllt war. Aber dann murmelt er: »Nein, das gibt es nicht. Nichts auf dieser Welt wiederholt sich in dieser Art. Nein!«
Er wird sich darüber klar, dass er schwitzt. Der Hufschlag verstummt. Er reitet wieder aus dem Schatten der Bäume auf den Weg. Und wieder hält er an, denn nun knattern bei der alten Ranch einige Schüsse in der Nacht. Raue Männerstimmen stoßen gellende und scharfe Schreie aus.
Gil Glenncannon beugt sich lauschend im Sattel vor. Er vibriert und erschauert am ganzen Körper. Er erinnert sich wieder bitter an jene Nacht vor zehn Jahren, da er voller Furcht aus diesem Land ritt - tausend Meilen weit ...


Band 2391
Erscheint am 22.12.2018
Montana-Marshal
Geschrieben von G. F. Unger

Es war an einem kalten Regentag, als ich die beiden Ex-Sergeants Mallony und Slater nach Fort Buford brachte. Ich hatte sie beide anschießen müssen, und es ging ihnen gar nicht gut.
Ich hatte sie vor drei Tagen bei einem Holzplatz am Strom erwischt, wo sie den Besitzer und dessen beide Söhne getötet hatten. Und Sally, die Tochter des Mannes, hatten sie ziemlich übel behandelt, um von ihr das Geldversteck zu erfahren.
Denn diese Holzplatzbesitzer am Strom, bei denen sich die Dampfboote mit Feuerholz versorgen mussten, um gegen die mächtige Strömung des Big Muddy ankämpfen zu können, besaßen stets eine Menge Bargeld, weil sie ihr Holz nur gegen bar abgaben.
Nun, ich war noch nicht ganz zu spät gekommen. Sie hatten der jungen Frau zwar schon die Kleidung vom Leib gerissen, und ich konnte auch hören, was sie alles mit ihr anstellen wollten, aber zum Schlimmsten kam es dann doch nicht. Wie eine Wildkatze hatte sie sich gegen die Kerle gewehrt.
Ich schoss sie buchstäblich von ihr herunter.
Und nun ritten wir durch den Regen auf Fort Buford zu ...


Band 2392
Erscheint am 29.12.2018
Verlorene Stadt
Geschrieben von G. F. Unger

Als der Sheriff aus dem Office tritt, kann er das Unheil wittern. Es liegt in der Luft wie ein Gestank.
Hank Jennings - so heißt der alte Sheriff - ist erfahren genug. Sein Instinkt ist wie der eines alten, narbigen Wolfes, der die Nachteile seines Alters durch reiche Erfahrung ausgleicht.
Er setzt sich langsam in Bewegung und geht die einzige Straße von Rio Bend hinunter in Richtung Fluss.
Es ist früher Morgen. Die kleine Stadt an der Flussbiegung ist noch nicht richtig wach. Nur Chet Cannon ist schon bei der Arbeit. Aus dem Kamin der Schmiedeesse quillt der erste Rauch. Im Schein des Schmiedefeuers bewegt sich Chet Cannons hagere, zäh wirkende Gestalt. Er betätigt den Blasebalg, um die nötige Hitze ins Feuer zu bekommen. Bald werden Hammerschläge aus der Schmiede in den Morgen klingen und die Stadt vollends zum Leben erwecken.
Der alte Sheriff denkt in diesen Sekunden, indes er verhält und in die Schmiede blickt, darüber nach, ob Chet Cannon, der sein ehrenamtlicher Deputy und Stellvertreter ist, zu ihm halten wird, wenn die wilde Horde durch die Furt kommt.
Und sollte Chet Cannon zu ihm halten, würde das etwas ändern? Hätten sie eine Chance? Kann er von Chet Cannon wirklich verlangen, an seiner Seite zu sterben?




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