21.06.2018, 18:05 Uhr

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Band 2364
Erschienen am 19.06.2018
Lost-River-Partner
Geschrieben von G. F. Unger

Lance Scott arbeitet seit vielen Tagen hart an seinem Floß.
Mit einem Frachtwagen kam er vor zwei Wochen hier an. Die kleine Siedlung am Fluss heißt Lost River Lodge.
Manchmal hält er inne und betrachtet sein Werk. Er ist ein großer, blonder, hagerer Mann in Lederkleidung, der sich wunderbar leicht und geschmeidig bewegt und dem die Arbeit keinerlei Mühe bereitet, so schwer sie auch sein mag. Manchmal nimmt er den schwarzen Stetson ab, der so gar nicht zu seiner befransten Lederkleidung passt, und wischt sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Dann schweift sein Blick den Uferhang hinauf zur Veranda des großen Blockhauses, in dem sich ein Store und ein Gasthaus befinden.
Auf der Veranda sitzen drei Männer. Das tun sie schon seit einigen Tagen. Es hat den Anschein, als wären sie Müßiggänger, deren ganzer Lebenszweck es ist, andere Menschen bei der Arbeit zu beobachten. Zumeist rauchen sie. Dann und wann holt einer Bier aus dem Gasthaus.
Es ist Spätsommer. Das Laub beginnt sich zu färben, und es tut wirklich gut, hier so dicht an dem wilden Fluss auf der Veranda zu sitzen ...


Band 2365
Erscheint am 26.06.2018
Die Geisterherde
Geschrieben von G. F. Unger

Ich war mit einem Dutzend prächtiger Stuten unterwegs, die von Black Diablo gedeckt worden waren. Und die ganzen Wochen hatte ich dafür bei Colonel Walker umsonst gearbeitet.
Denn Colonel Walker besaß die berühmteste Pferdezucht auf tausend Meilen in der Runde. Und sein Deckhengst Black Diablo war ein absoluter King mit außergewöhnlichen Eigenschaften.
Meine Stuten hatten ihm mächtig gefallen.
Nun konnte ich hoffen - nachdem sie einige Wochen mit ihm durch das Tal gezogen waren -, dass sie mir prächtige Nachkommen von Black Diablo schenken würden.
Irrtum!
Noch ahnte ich nicht, wie sehr ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte ...


Band 2366
Erscheint am 03.07.2018
Missouri-Legende
Geschrieben von G. F. Unger

Alle Männer am Tisch vergessen ihr Pokerspiel und wenden die Köpfe, um die Frau anzusehen, die in Reitkleidung und mit einer Maultierpeitsche in der Hand den Saloon betritt.
Es ist eine große, geschmeidige und reife Frau, ihr Haar ist dunkelrot, und sie hat grüne Augen, hochstehende Wangenknochen und einen Mund, der etwas zu breit ist. Auf eine besondere Art ist sie hübsch. Die Männer haben solch einen Anblick schon lange nicht gehabt. Deshalb vergessen sie ihr Pokerspiel, obwohl mehr als dreihundert Dollar im Topf liegen.
Die Frau geht bis in die Mitte des Saloons, hält inne und blickt sich wie suchend um. Mike Powder, der Wirt kommt hinter dem Schanktisch hervor und fragt höflich: »Madam, was kann ich für Sie tun?«
»Ich suche Mister McLane, Barton McLane, den Schiffseigner der "Missouri Bee", die unten an der Landebrücke festgemacht hat.« Es ist so still im Saloon, dass man ihre Worte genau verstehen kann. Ihre Stimme klingt dunkel und etwas kehlig. Doch es ist eine wohlklingende und auf Männer erregend wirkende Stimme.
Als die Worte verklungen sind, wenden alle anwesenden Männer wie auf Kommando die Köpfe und blicken auf Barton McLane, den sie alle gut kennen - oder von dem sie zumindest wissen, dass er der Eigner des Flussdampfers ist, der an diesem Tag anlegte und für die Frachtlinie einige Tonnen Frachtgut löschte.
Barton McLane erhebt sich langsam.
»Madam«, sagt er, »wenn Sie noch eine Minute Geduld haben würden, bis ich den Gentlemen hier ihr Geld abgenommen habe ...«




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