Trotz Computer, Internet und Smartphone: Das Universum aus 26 Buchstaben, auf grauem Papier gedruckt und zu schmalen Heften gebunden, hat nichts von seiner magischen Anziehungskraft verloren. Und alles spricht dafür, dass dies so bleiben wird. Die Gründe dieser Anziehungskraft sind weitgehend unerforscht. Auch in der Sekundärliteratur gibt es nicht sehr viele Publikationen, die sich sachlich mit dem Phänomen Heftroman auseinandersetzen. Eine kleine Auswahl wissenswerter Informationen und charmanter Essays haben wir hier zusammengestellt.
Die Geschichte des Heftromans beginnt im 19. Jahrhundert: mit Bilderbogen, Ein-Blatt-Drucken und Fortsetzungs- Geschichten in Zeitschriften, wie zum Beispiel der berühmten "Gartenlaube".
Es folgen Einzel-Hefte in unterschiedlichen Formaten, die mit unseren heutigen Heftromanen sogar schon den Seitenumfang gemeinsam haben. Der rasante technische Fortschritt ermöglicht bald hohe Auflagen und senkt die Herstellungskosten, was wiederum die Nachfrage steigen lässt. Leicht konsumierbare Lektüre ist jetzt überall erhältlich und für fast jeden erschwinglich. Etwa ab 1870 erscheinen Hefte mit Seriencharakter: größere Romane in Fortsetzungen über mehrere Hefte oder Romanfolgen mit jeweils abgeschlossenen Geschichten, in denen stets dieselben Helden agieren. Seitdem das Romanheft fester Bestandteil der Lesekultur.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg erschienen die kleinformatigen Romanhefte mit verschiedensten Inhalten, zwischen den Weltkriegen steigerte sich die Produktion weiter - und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Hunderte von Romanheftserien in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Markt. Es ist das Verdienst des Sammlers Heinz J. Galle, sich seit Jahrzehnten um diese Publikationen zu kümmern. Zahlreiche Artikel in verschiedenen Publikationen schrieb Galle im Verlauf dieser Zeit, die auch in Büchern zusammengefasst wurden.
Allerdings sind die Romanhefte schon ihrem Aufkommen im 19. Jahrhunderts immer wieder geschmäht worden. In den Fünfzigern dieses Jahrhunderts versuchte man in Österreich sogar, die Verbreitung von Romanheften durch rechtliche Einschränkungen systematisch zu unterdrücken. Dennoch, die „Juwelen der Kurzgeschichten“ konnte man nicht vernichten ...
Im Gegenteil: Große Autoren wie Stephen King, Marion Zimmer-Bradley und Isaac Asimov haben in ihren Anfängen Romangeschichten erzählt. Hier sei angemerkt, dass auch Jack London und Robert Louis Stevenson, Balzac und Maupassant, heute Klassiker, ihre Werke in heftromanähnlichen Werken veröffentlicht haben. Und nicht zuletzt wurde der Filmstreifen namens „Pulp Fiction“ wurde sogar als Oscar-Nominierung gehandelt. Dieser Film ist die getreueste Umsetzung einer Heftroman-Story, wobei auf die einfachen Strukturen der Romane bewusst großen Wert gelegt wurde.
Unser Tipp: Volksbücher und Heftromane. Band 1 Der Boom nach 1945 - von Billy Jenkins bis Perry Rhodan von Heinz J. Galle.

G. F. Unger war unbestritten der beliebteste und erfolgreichste deutschsprachige Western-Autor. Mit einer Rekordauflage von über 250 Millionen Exemplaren gehörte er zu den meistgelesenen Autoren der Spannungsliteratur. G. F. Unger beherrschte das klassische Western-Genre wie kein anderer und war der einzige deutschsprachige Westernautor, dessen Romane als Übersetzungen in Amerika erschienen sind.
G. F. Unger wurde am 23. März 1921 in Breslau geboren und arbeitete nach seiner Lehre als Bau- und Kunstschlosser in leitender Stellung eines Industrieunternehmens. Während des Krieges fuhr der frühere Deutsche Jugendmeister im Schwimmen Feindeinsätze im U-Boot. Seit 1960 lebte er in Weilburg.
Sein schriftstellerisches Talent entdeckte Gert Fritz Unger, als er 1948 an einem Autoren-Wettbewerb des Nordwestdeutschen Rundfunks teilnahm und den ersten Preis gewann. 1949 begann er dann Western-Romane zu schreiben. Unter dem Titel „Wilde Camps“ wurde 1957 sein erster Roman in der BASTEI-Serie Wildwest-Roman veröffentlicht. Seine Taschenbücher erscheinen seit 1972 im Bastei Verlag, für den G. F. Unger seit 1980 exklusiv tätig war. In über 700 Romanen hat er den amerikanischen Pionieren ein grandioses Denkmal gesetzt und ihre Leistungen in allen Facetten geschildert.
Am 3. August 2005 starb G. F. Unger im Alter von 84 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.
»Die Western-Botschaft ist ganz einfach: An sich glauben! Nie aufgeben! Jawohl, das ist die Botschaft aller Western auf den einfachsten Nenner gebracht.«
- G. F. Unger
Den Vergleich mit Karl May lehnte er stets ab, denn G. F. Unger wollte – im Gegensatz zu Karl May, dessen Geschichten der Phantasie entsprangen –historische Western schreiben und legte Wert darauf, dass die Fakten für die Hintergründe seiner Romane stimmen. Dafür hat er hat sich sehr genau informiert, die historischen und geografischen Angaben recherchiert. Ungers literarische Vorbilder waren Jack London, Mark Twain und Louis L'Amour.
G. F. Unger war ein engagierter Autor, der bis zuletzt mit Freude geschrieben hat und noch viele Pläne hatte.
"Jerry Cotton und seine ersten 50 Jahre - Romangeschichte als Zeitgeschichte." So lautet der Vortrag von Literatur-Professor Klaus Göbel anlässlich des Symposiums "Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung". Wir dürfen ihn hier freundlicherweise in Auszügen wiedergeben.
von Professor Dr. Klaus Göbel, Medienwissenschaftler Unterhaltung ist hier erfüllte Freizeit durch Lesen. Lesen ist die Realisierung der erzählten Welt in der Imagination des Lesers durch Aktivierung der inneren Vorstellungskraft. Aus den Zeichen der Schrift werden Bilder, Bilderwelten, gewonnen als Leistung des lesenden Subjektes. Das Unterhaltende dabei wird hier insbesondere gewonnen durch Spannung (Spannungsaufbau, extreme Konfliktzuspitzung und -lösung). Das ist eine uralte Erzähldramaturgie. Sie gilt für alle Erzählungen über ein außergewöhnliches Ereignis. Erzählen (Schreiben) und Zuhören (Lesen) werden dadurch unterhaltsam, dass der Erzähler das zu erzählende Geschehnis fast immer in den oben genannten dramaturgischen Dreischritt gliedert und anbietet, egal was die konkreten Inhalte des Ereignisses sind. Das Ergebnis ist eine Geschichte. Das heißt die Bearbeitung eines Geschehens (in der Realität oder Fiktion) nach erzählstrategischen Gesichtspunkten: Aus einem Ereignis wird Literatur. Literatur macht neugierig auf menschliches Handeln durch erzählerischen Aufbau von Spannung. Geschehen also wird durch Sprache spannend und somit auch unterhaltsam. Das Spiel mit der Spannung setzt auf Aufbau von Spannung bis kurz vor die Grenze der Unerträglichkeit (damit die Unterhaltsamkeit nicht durch Ärgernis zerstört wird), um dann in einer gerade noch guten Lösung die Affektstimmung zu erlösen in dem Gedanken: Es ist gerade noch einmal gut gegangen. Es ist der glücklich machende Gedanke mit folgendem Erkenntnischarakter: Auch eine schier unmöglich zu lösende Konfliktsituation kann bei extremem Willensaufwand (oder durch eine gute Fügung, auf die Menschen hoffen dürfen) zum Guten gewendet werden. Unterhaltung als Leistung der Sprache ist also eine grundmenschliche Therapie zum Erhalt von Hoffnung und zur Erzeugung von Mut. Ohne beides ist menschliches Leben nicht kreativ und zukunftsfroh gestaltbar. Unterhaltung ist eine Unterhaltsleistung an das Leben oder: Unterhaltung ist eine anthropologische Grundstrategie zum Ertragen des Lebens und zum Überleben.
Die unterhaltende Erzählung, der Unterhaltungsroman fördern letztlich, über alle ihre innewohnenden Elemente hinaus, Kraft zum Leben. Sie sind vollkommen unverzichtbar in einer Sprach- und Lesekultur. Die Jerry-Cotton-Spannungsdramaturgie unterscheidet sich jedoch in einem wichtigen Punkt von anderen Spannungserzählungen. Die Grundfrage: „Wird es wohl trotz aller Ausweglosigkeit ein gutes Ende geben, und wie sieht dieses aus?“ ist durch den Reihencharakter relativiert bzw. hinfällig. Denn natürlich werden Phil und Jerry letztlich unbeschadet ihren Fall lösen. Schon eine Woche später stehen sie vor neuen Aufgaben. Die Frage lautet nicht „ob“, sondern „wie“ (mit welchen Fähigkeiten, welchen Mitteln, welchem Einsatz an Kraft, Mut und Menschlichkeit und des eigenen Lebens) die Geschichte zum Guten endet. Hier liegt die Stärke der professionellen Cotton-Autoren und die Unfähigkeit der Möchtegern-Schreiber. Oder neutraler: Hier liegt das Problem des Autoren-Nachwuchses, das so alt ist wie die Reihe selbst. Die Grundfrage des „wie“ wird noch verstärkt, kompliziert und zugleich publikumsnäher durch zwei Grundmotive der Romanheft-Reihe: 1. Die Wie-Lösung wird erreicht durch Partnerschaft (Kollegialität und Freundschaft, Jerry Cotton - Phil Decker), im eingeschworenen Miteinander der Taten und Gefühle. 2. Die Wie-Lösung ist eingebunden in die Rechtsordnung der Vereinigten Staaten von Amerika, das heißt, fixiert in den Prinzipien einer Demokratie und der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen. Die Lösung also ist gebunden an Recht und Gesetz und fördert als geglückte Lösung Rechtsvertrauen. Dieses als bonboniges „Happy End“ abzutun, zeigt nichts als Unvermögen, deutet auf mangelnde Rezeptionskompetenz. Zusammengefasst: Die den Jerry-Cotton-Romanen eigene „Wie-Lösung“ ist menschlichen, gesellschaftlichen Grundwerten (im persönlichen, sozialen und politischen Handeln) der freien Welt verpflichtet, und zwar - siehe oben - in unterhaltsamer, gleichwohl aber zutiefst ethischer Weise. Verfassung, Rechtssystem und -praxis der USA stehen dabei symbolhaft für alle freiheitlichen Staaten der Erde, so dass sich auch die deutschen Leser mit ihrer Verfassung, dem Grundgesetz, allen darauf aufbauenden Gesetzen und der über allem stehenden Verantwortungsethik damit identifizieren können.
Hedwig Courths-Mahler wurde als sogenanntes „Kind der Schande“ am 18. Februar 1867 von einer Frau mit zwielichtigem Ruf in dem kleinen Ort Nebra a. d. Unstruth geboren. Ihr Schicksal stand unter einem denkbar ungünstigen Stern. Liebe wurde dem Kind nur in einer der Pflegestellen, in die ihre Mutter sie gab, nämlich von dem Flickschuster Birkner entgegengebracht (dessen Name ihre Tochter Friede später als Pseudonym für ihre Romane übernahm).
Die Schule besuchte sie insgesamt nicht länger als drei Jahre und das in großen Abständen. Mit 14 wurde sie zur Mutter zurückgeschickt, die inzwischen in Leipzig ansässig war und ihre Tochter als Dienstmädchen bei einer Familie Rumschöttel verdingte. Sie musste hart arbeiten und sich darüber hinaus um die alte gelähmte Mutter des Hausherrn kümmern. Doch diese hat sich offenbar ihrer angenommen, denn damals begann sie zu lesen. Die „Gartenlaube“ fiel ihr in die Hände, die von der Familie abonniert war. Die las sie in ihrem kleinen Verschlag am Ende des Korridors bei Kerzenschein. Vor allem die Romane der Marlitt.